Stefan Emprechtinger
©TEAM 7Billigmöbel, zurückhaltende Konsumenten und eine schwächelnde Wirtschaftslage gehen auch an dem Möbelhersteller „Team 7“ nicht spurlos vorbei. Von Resignation kann beim oberösterreichischen Möbelkonzern dennoch keine Rede sein. Wie das Unternehmen im Hochpreissegment – auch international – weiter wachsen will, weshalb man die Konkurrenz aus dem Niedrigpreissegment nicht fürchtet und warum gerade Asien zum Hoffnungsträger werden könnte.
Fragt man Stefan Emprechtinger, was die größten Herausforderungen eines Generationenwechsels sind, so antwortet er beinahe euphorisch. Familienunternehmen sind für ihn „die beste Unternehmensform der Welt“ und das habe ausgerechnet etwas mit Verantwortung zu tun. „Einfach deshalb, weil die finanzielle Seite auch mit persönlicher Verantwortung verbunden ist. Meiner Ansicht nach fehlt genau das in unserer Welt häufig. Deshalb ist es wichtig, dass Führungskräfte in einem Unternehmen auch persönlich Verantwortung für das tragen, was sie tun.“
Der Nachteil von Familienunternehmen sei allerdings, „dass es aufgrund der Vergänglichkeit des Menschen einen Generationswechsel braucht.“
Unsichere Zeiten
Emprechtinger weiß spätestens seit 2023 sehr genau, wie es sich anfühlt, diese Art von Verantwortung zu tragen. In diesem Jahr hat ihn sein Vater Georg mit der Geschäftsführung von „Team 7“ betraut. Der 35-jährige Firmenchef navigiert das Traditionsunternehmen seither durch wirtschaftlich unruhige Gewässer: Eine geopolitische Unsicherheit jagt die nächste, zurückhaltende Kunden, Fachkräftemangel, Konkurrenten, die den Markt mit billigen MDF-Plattenmöbeln (Stücke aus mitteldichten Holzfaserplatten) fluten.
Obendrein setzen die auch in Österreich immer häufiger auftretenden Hitzewellen und Dürreperioden ausgerechnet dem wichtigsten Rohstoff des Unternehmens zu: dem Holz. Damit wird nachhaltige Forstwirtschaft angesichts des Klimawandels zu einer zunehmend komplexen Aufgabe. Langweilig wird Emprechtinger in seiner Position also nicht.
Klasse statt Masse: Eine „Team 7“-Küche soll, so Emprechtinger, 100 Jahre alt werden können.
© TEAM 7Doch der Hersteller von hochwertigen (und hochpreisigen) Naturholzmöbeln steht mit seiner „Team 7“-Welt in Ried im Innkreis weiterhin fest verwurzelt im Herzen Oberösterreichs: Ein durchaus beeindruckendes Prestigeobjekt, das Flagshipstore, Veranstaltungsraum und Restaurant vereint. „Corona brachte einen regelrechten Boom für die Einrichtungsbranche. Die Menschen konnten nicht reisen und investierten weder in Autos noch in andere Freizeitaktivitäten – stattdessen wurde in das Zuhause investiert.“ Dann folgte die Gegenbewegung: „Plötzlich stand das Rauskommen wieder im Vordergrund. Jetzt gewinnt das Zuhause in unsicheren Zeiten erneut an Bedeutung. Das trägt dazu bei, dass die Menschen wieder stärker auf ihre Wohnqualität achten.“
Das Marktumfeld sei aktuell zwar herausfordernd, „aber wir schauen positiv in die Zukunft.“ Die schrittweise Erholung wurde durch den Irankrieg, steigende Ölpreise und die allgemeine Unsicherheit zwar wieder gedämpft, „trotzdem sehen wir eine leichte Erholung.“
China, Indien, USA
Emprechtinger hat große Pläne für sein Unternehmen. Denn obwohl die DACH-Region nach wie vor zu den wichtigsten Absatzmärkten zählt, werden die Benelux-Staaten, einige osteuropäische Länder sowie die USA, aber auch China und Indien zunehmend interessanter.
„Die USA wären ein Markt, der durchaus gut funktionieren würde. Die Zurückhaltung, die wir derzeit in manchen europäischen Ländern erleben, ist dort längst nicht so ausgeprägt. Allerdings bremst die aktuelle Zollsituation diese Entwicklung“, erklärt der Geschäftsführer. „Großes Potenzial sehen wir in Colorado oder an der Westküste. Vor allem aus dem Tech- und IT-Sektor erhalten wir viele Anfragen.“
In China wurde trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage ein Store durch einen Partner eröffnet. Franchise möchte man diese Beziehung allerdings nicht nennen. Vielmehr sei es eine Partnerschaft, durch die Emprechtinger auch Einblicke in das Marketing und das Konsumverhalten der Chinesen gewinne.
Zahlen & Fakten
70 Millionen Euro hat das Unternehmen innerhalb von sieben Jahren in die eigenen Standorte investiert
550 Mitarbeiter beschäftigte das Unternehmen im Jahr 2026, davon 440 in Österreich
„Ich glaube, viele Menschen in China finden die Materialität unserer Produkte spannend. In der ersten großen Wachstumsphase des Landes standen Masse und Funktionalität im Vordergrund, die Sensibilität für Materialien war gering. Heute entsteht eine neue Bevölkerungsgruppe, die sich intensiv mit Design, Architektur und hochwertigen Materialien beschäftigt und Konsum deutlich bewusster versteht.“
Dass „Team 7“ ausschließlich aus Massivholz fertigt, sei am chinesischen Markt außergewöhnlich. „Zudem sind wir in Indien mit Standorten in Mumbai und Bangalore vertreten. Allerdings hat die Pandemie ihre Entwicklung vorübergehend gebremst. Langfristig sehen wir dort aber weiterhin großes Potenzial. Bangalore gilt schließlich als das Silicon Valley Indiens.“ „Team 7“ hatte 2025 eine Exportquote von etwa 84 Prozent.
„Made in Austria“
Dass ausgerechnet Länder mit ausgeprägter Massenproduktion auf Möbel setzen, die Emprechtinger zufolge bei sorgsamer Pflege bis zu 100 Jahre halten können, zeigt, dass in diesen Ländern ein Wertewandel stattfindet. Ist „Made in Austria“ ein Distinktionsmerkmal?
„Automatisch sicher nicht“, widerspricht er. „Der Preis bleibt bei asiatischen Produkten oft das schwerwiegendere Argument. Wir müssen gute Gründe liefern, warum ein Möbel von ‚Team 7‘ besser ist und was uns als Unternehmen auszeichnet.“ Tatsächlich beobachtet er aber ein gesteigertes Bedürfnis nach Wertigkeit und Authentizität.
Ein gutes Unternehmen muss sich im Grunde ständig verändern, um im Kern bleiben zu können, wie es ist
Doch was ist heutzutage anspruchsvoller: Ein langlebiges Möbelstück zu bauen oder ein Unternehmen? „Beides. Ein Möbel zu bauen, das 30 Jahre hält, ist vor allem eine Frage des Konzepts, von Handwerkskunst und Materialqualität. Hier geht es darum, etwas zu perfektionieren, klug weiterzuentwickeln oder auch mal ganz neu zu denken.“
Genau das begreift Emprechtinger als seine Aufgabe: „Die richtigen Entscheidungen zu treffen, damit das auch in Zukunft weiter möglich ist. Ein gutes Unternehmen muss sich im Grunde ständig verändern, um im Kern bleiben zu können, wie es ist. Und weil heute vieles unvorhersehbarer wird und die Rahmenbedingungen sich schneller ändern als früher, ist das eine Herausforderung, der man sich ständig aufs Neue stellen muss.“
Mut zur Veränderung hat der Juniorchef bewiesen. In den letzten sieben Jahren wurden 70 Millionen Euro in die beiden Standorte in Ried im Innkreis und Pram investiert, „sowie in unser neues Bürogebäude. Das Gebäude ist ökologisch äußerst anspruchsvoll konzipiert und kommt ohne Klimaanlage aus – selbst während der Hitzewellen hat sich das bewährt“. Damit setzt Emprechtinger nicht nur auf den Werkstoff Holz, sondern auf das, was Österreich seiner Meinung nach wieder stärker verkörpern sollte: Qualität, Handwerk und Innovation.
Steckbrief
Stefan Emprechtinger
Stefan Emprechtinger ist 35 Jahre alt und seit 2023 Teil der „Team 7“-Geschäftsführung. Er übernahm die Rolle von seinem Vater, dem Inhaber und Eigentümer Georg Emprechtinger. Dieser wurde 2004 zum Eigentümer des Unternehmens. Stefan Emprechtinger verantwortet aktuell den Bereich Marke, Vertrieb, Produktion und Design. Die kaufmännische Verantwortung wird er Mitte nächsten Jahres übernehmen.
Unter Federführung der Familie Emprechtinger hat sich „Team 7“ zum Vorreiter im Bereich Öko-Designmöbel entwickelt und insgesamt mehr als 60 internationale Design-Auszeichnungen erhalten. Weltweit gibt es derzeit 18 Flagship-Stores.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 33+34/2026 erschienen.
