Aus Lebensmittelresten werden Proteine, Fette und Dünger: Die Reploid Group AG aus Wels hat die Aufzucht der Schwarzen Soldatenfliege zu einem industriell skalierbaren Geschäftsmodell entwickelt. Seit der Gründung 2020 ist das oberösterreichische Unternehmen rasant gewachsen. Heute baut Reploid Insektenmastanlagen, entwickelt eigene Rohstoffe und Produkte und expandiert international.
Was für Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft ein Entsorgungsproblem ist, betrachtet Reploid als Rohstoff. Das Unternehmen nutzt Larven der Schwarzen Soldatenfliege, wissenschaftlich Hermetia illucens, um organische Reststoffe zu verwerten. Daraus entstehen unter anderem Insektenprotein, Insektenfett und organischer Dünger. Im Zentrum des Geschäftsmodells stehen die sogenannten ReFarmUnits, modular aufgebaute und weitgehend automatisierte Insektenmastanlagen.
Von der Insektianer GmbH zur Reploid Group AG
Die Geschichte des Unternehmens begann 2020. Gegründet wurde es unter dem Namen Insektianer GmbH, 2023 folgte die Umwandlung zur Reploid Group AG. Im selben Jahr verstärkte sich das Unternehmen durch die Übernahmen von madebymade in Deutschland und weiteren europäischen Playern. Damit kamen zusätzliches Know-how in industrieller Insektenzucht, Biologie sowie Forschung und Entwicklung in die Gruppe.
Der Hauptsitz befindet sich heute in Wels. Forschung und Entwicklung sind unter anderem im Global Innovation Center in Leipzig gebündelt, im deutschen Pegau betreibt Reploid ein Kompetenzzentrum für organische Düngemittel. Seit dem 3. Juli 2025 ist die Reploid Group AG im Segment direct market plus der Wiener Börse gelistet.
Das Wachstum ist beträchtlich: Für 2025 nennt Reploid einen Umsatz von 38 Millionen Euro. Mittlerweile beschäftigt die Gruppe nach eigenen Angaben mehr als 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Das Herzstück: die ReFarmUnit
Entscheidend für das Geschäftsmodell ist nicht allein die Insektenzucht, sondern deren Industrialisierung. Die ReFarmUnits sind modular und containerbasiert aufgebaut und können direkt bei landwirtschaftlichen Betrieben oder Unternehmen der Lebensmittelindustrie installiert werden.
Dort werden regionale organische Reststoffe aufbereitet und als Futtersubstrat für die Larven verwendet. Die Zusammensetzung wird auf den jeweiligen Standort abgestimmt. Innerhalb von rund einer Woche wachsen die Larven laut Reploid auf etwa das 25-Fache ihres ursprünglichen Gewichts. Anschließend werden sie von den verbleibenden Reststoffen getrennt und weiterverarbeitet.
Der Vorteil des dezentralen Ansatzes: Reststoffe müssen nicht über weite Strecken zu zentralen Großanlagen transportiert werden. Die Wertschöpfung entsteht dort, wo die Ausgangsstoffe anfallen. Reploid liefert dabei nicht nur die technische Anlage, sondern übernimmt auch Bereiche wie Zucht, Prozesssteuerung, Produktabnahme und Vermarktung.
Wie groß diese Prozesse inzwischen dimensioniert werden, zeigt eine 2026 eröffnete ReFarmUnit in Burghausen in Bayern. Dort können nach Unternehmensangaben täglich rund 40 Tonnen organische Reststoffe von etwa einer halben Milliarde Larven verwertet werden.
Philip Bauer, CEO - REPLOID Group AG
© REPLOID Group AGVon Proteinmehl bis organischem Dünger
Aus der Insektenzucht entsteht bei Reploid inzwischen ein breites Portfolio. Dazu zählen getrocknete Larven für Nutz- und Heimtierfutter, teilentfettetes Proteinmehl, tiefgekühlter Insekten-Slurry als Alternative zu klassischen tierischen Rohstoffen sowie Insektenöl. Letzteres weist einen hohen Anteil an Laurinsäure auf und kann sowohl in Futtermitteln als auch in industriellen Anwendungen eingesetzt werden.
Auch die Rückstände der Larvenzucht werden weiterverwertet. Der sogenannte Insektenfrass bildet die Basis für organische Düngemittel. Mit AgriVio hat Reploid bereits einen eigenen Premiumdünger entwickelt, der auch für den ökologischen Landbau in Deutschland gelistet wurde.
Über Beteiligungen und eigene Marken reicht das Geschäft inzwischen bis zum Endkunden. Zum Portfolio gehören unter anderem Tiernahrungsangebote von Schnauze & Co und Herosan sowie Produkte aus dem Umfeld von Vitus Vitality. Damit versucht Reploid, nicht nur Technologieanbieter zu sein, sondern einen möglichst großen Teil der Wertschöpfungskette selbst abzudecken.
Forschung als Grundlage für Skalierung
Ein wesentlicher Teil der Wachstumsstrategie liegt in der Biologie. Reploid forscht an Futtermischungen, leistungsfähigeren Larvenstämmen, Züchtung und Genetik sowie an neuen Anwendungen für Protein, Fett und Insektenfrass.
Dabei geht es um ein zentrales Problem der Branche: Biologische Prozesse müssen reproduzierbar werden, wenn sie im industriellen Maßstab wirtschaftlich funktionieren sollen. Die kurze Generationszeit der Schwarzen Soldatenfliege ermöglicht dabei vergleichsweise schnelle Entwicklungszyklen.
REPLOID Group AG Headquarter Wels
© REPLOID Group AGWie Reploid seine Marktposition aufgebaut hat
Der Aufstieg von Reploid beruht vor allem auf der Kombination mehrerer Faktoren: einem modular skalierbaren Anlagenkonzept, eigener biologischer Forschung, der Integration zusätzlicher Technologiekompetenz durch Übernahmen, einer zunehmenden Kontrolle der gesamten Wertschöpfungskette und der internationalen Expansion.
Reploid bezeichnet sich selbst als Technologieführer in der industriellen Insektenverwertung und formuliert das Ziel, seine Marktführerschaft im Nährstoffrecycling weiter auszubauen. In früheren Unternehmensunterlagen wird zudem die eigene Biologie als weltweit führend bezeichnet. Eine unabhängige Bestätigung von Reploid als Weltmarktführer der gesamten Insektenindustrie lässt sich aus öffentlich verfügbaren Quellen allerdings nicht ableiten.
Dass Reploid inzwischen zu den international sichtbaren Unternehmen der Branche zählt, zeigt dennoch die Entwicklung innerhalb weniger Jahre. Aus einem 2020 gegründeten oberösterreichischen Unternehmen ist eine börsennotierte Gruppe mit mehr als 190 Beschäftigten, Forschungsstandorten, internationalen Projekten und einem Geschäftsmodell entstanden, das weit über den reinen Bau von Insektenfarmen hinausgeht.
Der entscheidende Ansatz bleibt dabei vergleichsweise einfach: Was bislang als Reststoff Kosten verursacht hat, soll zum Ausgangspunkt einer neuen Wertschöpfung werden. Bei Reploid übernehmen einen wesentlichen Teil dieser Arbeit die Larven der Schwarzen Soldatenfliege.
