Julian Horngacher
©BeigestelltFreier Zugang zum See ist in Österreich selten geworden. Julian Horngacher vermittelt mit seiner Plattform „Platz am See" private Ufergrundstücke zur Tagesmiete. Er öffnet Tore, die sonst geschlossen bleiben – gegen Geld.
Wer in Österreich an einen See will, steht oft vor einem Zaun. Dahinter liegt die Aussicht auf etwas, das viele gern hätten: einen Platz am Wasser. Julian Horngacher hat daraus ein Geschäftsmodell gemacht. Seit 2022 betreibt er die Plattform „Platz am See“.
Dort können private Seegrundstücke tageweise gemietet werden. Eigentümer geben frei, was sie gerade nicht selbst nutzen. Mieter zahlen für ein paar Stunden Wiese, Steg und Badestelle. Die Idee ist einfach. Und sie hat einen Haken: Sie verkauft Zugang zu etwas, das vielen verwehrt bleibt, weil es längst anderen gehört.
Österreich Seeufer in privater Hand
Ist „Platz am See“ also eine kreative Antwort auf ein österreichisches Problem – oder ein Geschäftsmodell, das genau von diesem Problem lebt? Horngacher sieht seine Plattform als Antwort auf eine Realität, die sich kaum noch ändern lässt: Rund 90 Prozent der Ufer an Österreichs Seen sind verbaut. Neue Seegrundstücke kommen nicht dazu.
„Ich würde meine Idee als kreative Antwort auf ein Problem sehen. In Österreich ist es einfach historisch gewachsen, dass bis zu 90 Prozent der Seegrundstücke privatisiert sind“, sagt Horngacher. „Das können wir nicht ändern. Also ist es mein Anspruch, die verfügbaren Grundstücke verfügbar zu machen.“
Knappes Angebot
Leben kann Horngacher von der Plattform bis heute nicht. Vier Jahre lang betrieb er sie in Vollzeit, inzwischen hat er zusätzlich einen Job angenommen. Buchbar sind derzeit Seegrundstücke in Salzburg, Oberösterreich, Kärnten und Niederösterreich. Aktuell sind 26 Seegrundstücke online, bis zu zehn weitere in der Pipeline.
Die Grundstücke sind die Engstelle seines Geschäftsmodells. Auf der Mieterseite wachse die Plattform stark. „Mieterseitig verdreifachen wir uns pro Jahr. Aber wir kommen mit den Eigentümern nicht nach.“ Das liege nicht daran, dass Eigentümer grundsätzlich nicht wollten. Viele wüssten schlicht nicht, dass es die Plattform gibt.
Eigentümer gesucht
Eigentümer hinterlegen auf der Plattform jene Tage, an denen sie ihren Seezugang nicht selbst nutzen. Manche schalten nur Dienstag bis Donnerstag frei, andere die ganze Saison. Eigentümer von Seegrundstücken für das Modell zu gewinnen, war in den ersten Jahren vor allem eines: Klinkenputzen. „Das war harte Arbeit“, sagt Horngacher. „Ich bin rausgefahren, habe über den Zaun gewunken und gefragt, ob ich eine Minute haben darf. Von 100 Personen habe ich 97 Mal ein Nein bekommen. Mittlerweile melden sich viele von sich aus.“
Alter Wein in neuen Schläuchen
Neu ist die Logik nicht. Über Airbnb werden Wohnungen und Häuser vermietet, über Booking.com Hotels. „Platz am See“ überträgt dieses Prinzip auf private Seeufer. Doch wo verläuft die Grenze zwischen teilen und kommerzialisieren? Ökonomisch müsse die Gesellschaft weg von Kaufen, Verbrauchen und Wegwerfen; hin zu Ausleihen, Verwenden und Zurückgeben. „An diese Kreislaufwirtschaft glaube ich“, sagt Horngacher. „Aber es muss auch die Möglichkeit geben, damit ein paar Euro zu verdienen.“
Der nüchterne wirtschaftliche Blick sagt: Bisher lohnt es sich für Horngacher nicht. Die Vision aber sei, Menschen schöne Momente am See zu ermöglichen. Horngacher erzählt von Familien, Freundesgruppen, von einer Oma, die mit ihrem Enkel in Ruhe Geburtstag am See feiern wollte – und von einem Patienten, der im Sterben lag und ein letztes Mal an einen See wollte.
Teurer Spaß
Wie in der Plattformökonomie üblich, ist das Modell aber vor allem für Eigentümer und Vermittler attraktiv. Horngacher bestätigt das offen: „Wir nehmen unsere 15 bis 25 Prozent pro Buchung mit. So wie das bei allen großen Plattformen auch funktioniert.“
Die Höhe des Mietpreises richtet sich nach Lage und Ausstattung des Grundstücks: grüne Wiese oder auch ein (Boots)haus, WC, Strom, Schatten, Steg, Liegen. Für Mieter heißt das: Ein großes Seegrundstück mit Blick nach Ossiach am Ossiacher See kostet 232 Euro pro Tag. Maximal zehn Personen dürfen es nutzen. Teurer ist das „Seejuwel“ mit Steg und Bootshaus in Velden. Es kostet 1.736 Euro unter der Woche und 2.083 Euro an einem Samstag oder Sonntag. Ein Motorboot ist auf Anfrage gegen Aufpreis möglich. Der Check-in erfolgt per Schlüsselcode.
Grillen erlaubt, aber nur mit Aufpreis
Für das „Seejuwel“ gilt: absolute Ruhe. Das heißt: Grillverbot, Musikverbot, Partyverbot, Veranstaltungsverbot. Anders ist es beim „Idyllischen privaten See“ in Kärnten, der um 348 Euro pro Tag gemietet werden kann. Grillen ist dort erlaubt, Übernachten auch – vorausgesetzt, man bucht zwei Tage hintereinander. Nur ein WC gibt es nicht. Das Grundstück am Wörthersee sei ein Ausreißer, sagt Horngacher. „Auf den sind wir besonders stolz. Velden ist die Perle der österreichischen Seen, insofern ist das ein bisschen teurer. Das billigste Mietobjekt kostet rund 56 Euro pro Tag. Im Durchschnitt kostet ein Tag ca. 160 €.“
In den vergangenen fünf Jahren hat er mehr als 1.000 Buchungen abgewickelt. Gestartet ist er im ersten Jahr mit drei Grundstücken. Hauptsaison ist von Mai bis Mitte Oktober. „Ich will die Schönheit österreichischer Seen wieder verfügbar machen“, sagt Horngacher. Er macht sie zumindest buchbar.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 28+29/2026 erschienen.
