ABO

Metaller-KV bestätigt: Löhne steigen unter Inflation

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
3 min
Im Vorjahr gingen 20.000 Jobs in der Metallindustrie verloren
©APA, dpa-Zentralbild, Waltraud Grubitzsch
Die Arbeitnehmer und Arbeitgeber der Metallindustrie haben den zweiten Teil des im Vorjahr beschlossenen zweijährigen Kollektivvertrages bestätigt. Damit steigen die KV-Löhne 2026/27 um 2,1 Prozent, die Ist-Löhne um 1,9 Prozent - bei einer durchschnittlichen Inflation der vergangenen 12 Monate (September 2025 bis August 2026) von 3,3 Prozent. Diese "rollierende" Inflation ist die Basis für die KV-Verhandlungen, vor zwei Jahren bei der Herbstlohnrunde betrug sie 2,8 Prozent.

von

News auf Google bevorzugen

Der Mindestlohn in der Metallindustrie liegt somit ab 1. November des heurigen Jahres bei brutto 2.622 Euro. Für die Lehrlinge gibt es ein Plus von 2,1 Prozent, die Zulagen steigen ebenfalls um den gleichen Wert. Die Zuschläge für Nachtarbeit und die dritte Schicht legen um 7,01 Prozent auf 3,75 Euro pro Stunde zu. Die Regelung gilt für alle 190.000 Beschäftigten in den sechs Fachverbänden der Metallindustrie. Im Vorjahr gingen 20.000 Jobs in der Metallindustrie verloren, laut Arbeitgebern waren alle Bereiche von der Rezession betroffen. Heuer im August sei aber erstmals wieder Beschäftigung aufgebaut worden.

Die Arbeitgeber der Metalltechnischen Industrie zeigten sich heute bei einem Medientermin mit den Gewerkschaften sehr zufrieden und lobten den Konsens mit den Arbeitnehmervertretern. Die Abschlüsse hätten die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt und damit Arbeitsplätze gesichert. Die Gewerkschaften wiederum betonten, dass dies ein "Krisenabschluss" gewesen sei und keineswegs für andere Branchen gelte. Zur Erklärung: Am 22. Oktober starten die KV-Gespräche für den Handel, der größten Beschäftigtengruppe in Österreich.

Mario Ferrari, Chef der Gewerkschaft GPA, die die Handelsbeschäftigten vertritt, verteidigte den Metaller-Abschluss unter der Jahresinflation und den somit verbundenen Reallohnverlust. Im längeren Zeitvergleich habe man einen Reallohnverlust verhindert, aber Dauerlösung sei dies keine. Auch Reinhold Binder, Chef der PRO-GE, sprach von einer "Ausnahmesituation", maßgeschneidert für die Metallindustrie. Es sei ein "Krisenabschluss auf Zeit". Primäres Ziel sei der Erhalt der Arbeitsplätze gewesen.

Außerdem verweisen die Arbeitnehmervertreter darauf, dass die Wirtschaftsforscher für 2026 lediglich eine Inflation von 2,2 Prozent prognostiziert hätten. Allerdings wäre auch dieser Wert über dem KV-Abschluss gelegen.

Arbeitgeber-Vertreter Stefan Ehrlich-Adam, KV-Verhandler des Teilverbandes Metalltechnischen Industrie, meinte, es sei nicht Aufgabe der Industrie, die Kaufkraft zu sichern. "Wir können einen Beitrag leisten", so der Industrielle. Er betonte, die Metalltechnische Industrie sei das "Rückgrat der heimischen Industrie" mit einem Produktionswert von 47 Mrd. Euro und 130.000 Beschäftigten.

In Deutschland, dem wichtigsten Exportmarkt für die österreichische Metallindustrie, ist die Gewerkschaft IG Metall am gestrigen Mittwoch mit der Forderung nach fünf Prozent mehr Lohn in die Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie gestartet.

Im Vorfeld der im Oktober startenden KV-Verhandlungen für den Handel hat gestern die Arbeitgeberseite erklärt, sie erwarte besonders schwierige Verhandlungen. Die KV-Abschlüsse im Handel lagen von 2024 bis 2026 unter der rollierenden Inflation, also auch hier gab es für die knapp 500.000 Beschäftigten Reallohnverluste, da die Teuerung stärker stieg als die Einkommen.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER