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Flughafen Wien: Mehr Platz. Mehr Luxus. Mehr Passagiere?

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©Unsplash, Philip Myrtorp

15 Jahre nach dem skandalumwitterten Skylink geht auf dem Flughafen Wien in Schwechat das zweitgrößte Terminal-Projekt in der mehr als sieben Jahrzehnte währenden Geschichte ins Finale. Unaufgeregt, im Zeit- und im Kostenrahmen. Im April 2027 wird die Süderweiterung eröffnet. Was die Zukunft der Luftfahrt angeht, sind die Vorstandsdirektoren Günther Ofner und Julian Jäger zuversichtlich.

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Ernst Weiss

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Wer künftig vom Flughafen Wien abhebt, sollte sich Zeit nehmen. Nicht wegen weiter Wege oder der Sicherheitskontrollen. Die Süderweiterung des Airports, die im zweiten Quartal 2027 ihren Betrieb aufnehmen soll, bietet schon vor dem Einsteigen einiges: nämlich neue Einkaufs- und Gastronomieflächen mit 30 Outlets samt einer Gourmet-Meile auf 10.000 Quadratmetern.

Mit Figlmüller, Do & Co, Café Landtmann, Mochi, Barbaro, Neni und Tür 7 hält das „Who is Who“ der Wiener Restaurantszene im Frühjahr kommenden Jahres auch auf dem größten heimischen Airport Einzug. „Der Flughafen wird zur kulinarischen Visitenkarte Wiens und Österreichs“, so Flughafenvorstand Julian Jäger. Das erweiterte Shoppingund Gastroerlebnis soll nicht zuletzt zur Umsatzsteigerung beitragen.

Kosten im Fokus

Das im Februar 2024 gestartete Projekt Süderweiterung dockt an das Terminal 3, ehemals Skylink, an und ist mit 420 Millionen Euro veranschlagt. Es wird wie vorgesehen zur Gänze aus dem Cash­flow, also ohne Kredite, finanziert, unterstreicht Co-Vorstand Günther Ofner ein halbes Jahr vor der Inbetriebnahme im Gespräch mit News.

Der Rückblick zeigt, warum beim neuen Großprojekt die Kosten besonders im Fokus stehen: Der später umbenannte Skylink wurde erst am 5. Juni 2012 eröffnet – vier Jahre später als geplant. Die Baukosten stiegen von zunächst rund 400 Millionen Euro auf etwa 770 Millionen Euro. Der Rechnungshof bezifferte die prognostizierten Gesamtkosten später sogar auf knapp 850 Millionen Euro.

Massive Planungsfehler, schlechte Koordination und mangelhafte Kostenkontrolle führten zu Verzögerungen und teuren Umbauten. 2009 kam es zu einem Baustopp. Die strafrechtlichen Ermittlungen wurden 2016 ohne Anklage eingestellt. Aus den Turbulenzen und Mängeln beim Bau des Skylink hat man gelernt und setzt beim Neubau auf Technologie. Das Objekt ist entsprechend der Baupläne vollständig digital erfasst und virtuell abgebildet. Via Mausklick kann man alle Räume, Ebenen und Flächen des künftigen Terminalgebäudes durchwandern. Dargestellt sind auch sämtliche Leitungen und Anschlüsse, die für Energieversorgung, Haustechnik sowie IT nötig sind.

Kürzere Wege

Die Süderweiterung mit einer Fläche von 70.000 Quadratmetern gilt als ein Schlüsselprojekt der Qualitäts- und Investitionsoffensive auf dem Airport – und soll vor allem die Aufenthaltsqualität für Passagiere deutlich erhöhen. Die neue zentrale Sicherheitskontrolle wird mit CT-Scannern ausgestattet, die dreidimensionale Bilder des Handgepäcks erzeugen und damit eine schnellere und genauere Überprüfung ermöglichen.

Flüssigkeiten oder etwa Laptops müssen nicht mehr ausgepackt werden. Erste Geräte dieser Art sind bereits seit Juli dieses Jahres an anderer Stelle im Einsatz. Nach der Sicherheitskontrolle sollen künftig alle Airside-Bereiche fußläufig erreichbar sein. Derzeit sind die Terminal 1, 2 und 3 getrennt. Jäger: „Unser Anspruch ist, bei Service und Aufenthaltsqualität zu den besten Flughäfen Europas zu gehören. Die Süderweiterung ist ein entscheidender Schritt auf unserem Weg zum 5-Sterne-Airport.“

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 © Waltl & Waltl

Bei Baumaßnahmen wie der Süderweiterung sei es besonders wichtig, dass „die Logik vom Betrieb her gedacht wird, nicht von der Architektur und nicht von anderen Gesichtspunkten, sondern ausschließlich nach der bestmöglichen Betreibbarkeit“, betont Ofner. Das erhöhe die Wirtschaftlichkeit und erleichtere den Betrieb enorm.

Die größte Produktivitätsreserve liege nicht so sehr im Bau, sondern „im Nachher“. Schließlich werde das Objekt 40 Jahre betrieben. Die Betriebskosten, um deren Optimierung es gehe, übersteigen die Baukosten um ein Vielfaches. Die Aspekte würden daher schon eine Rolle spielen, bevor überhaupt der Spatenstich erfolgt. Als Folge des Skylink-Debakels hat der Airport 2012 seinen Baubereich neu aufgestellt. Planung, Bauund Bestandsmanagement sind seither in einer Abteilung zusammengeführt.

Präzise Steuerung

Dass das 420-Millionen-Projekt Süderweiterung ruhig und ohne Skandale über die Bühne gehe „tut gut“, sei aber auch die Folge systematischer und professioneller Arbeit. Es habe nie die Gefahr bestanden, so Ofner, „dass wir Zeit oder Budget überschreiten“. Ebenfalls bereits im Bau ist der Office Park 4 NEXT für 1.000 weitere Arbeitsplätze in der AirportCity. Der Flughafen investiert 55 Millionen Euro – bezugsfertig 2028. Hauptmieter sind Austrian Airlines, die mit ihrer Unternehmenszentrale aus dem Office Park 2 übersiedeln und 12.000 der verfügbaren 17.000 Quadratmeter übernehmen werden.

Die CT-Scanner stoßen laut den Airport-Chefs auf positives Echo bei den Passagieren. Die sogenannte Nachprüfungsquote sei allerdings noch zu hoch. Darunter leide die Gesamteffizienz der Anlage. Es handle sich freilich nicht um ein Wiener Phänomen, sondern treffe alle, die auf die neuen Scanner setzen. Entscheidend sei, dass das System „über die Zeit lernt, das eine vom anderen besser zu unterscheiden“, zumal es um Sprengstoff-Detektion gehe. An dem Thema werde gearbeitet.

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Die Bauarbeiten des Projekts Süderweiterung verlaufen voll nach Plan.

 © Matt Observe

Vorstände 15 Jahre im Amt

Ofner und Jäger sind seit September 2011 und somit seit 15 Jahren als Vorstandsdirektoren der Flughafen Wien AG im Amt. Sie verweisen u. a. auf die Entschuldung des Unternehmens und da­rauf, dass Investitionen vermutlich bis inklusive 2028 aus eigenen Mitteln vo­rangetrieben werden können. Auch sei es gelungen, die Zusammenarbeit mit der AUA als Home-Carrier und als wichtiger Systempartner auf eine neue und gute Beziehung zu bringen. Das führe dazu, dass Wien seit Jahren der pünktlichste Lufthansa-Hub ist und der operative Betrieb mit hoher Qualität geführt wird.

Die Entwicklung der Airport City habe das Gesicht des Flughafens positiv verändert. Mehr als 250 Firmen mit etwa 23.000 Beschäftigten seien mittlerweile am Standort tätig, der Space Cluster sei in seiner Form einmalig in Österreich. Zu den Tiefpunkten in ihrer bisherigen Amtszeit zählt für Ofner und Jäger „jedenfalls Corona und die Tatsache, dass wir über Monate stillgestanden sind“. Aber die Pandemie sei auch der Beweis dafür gewesen, „dass das Unternehmen eine sehr hohe Krisenfestigkeit hat, weil wir am Ende stärker aus dieser sehr schlimmen Phase herausgekommen sind“. Man habe etwa gelernt, dass vieles auch ohne großes, „bürokratisches Brimborium“ besser funktioniere als vorher.

Grundsatzfrage Ticketsteuer

Die aktuell wieder aufkommende Diskussion rund um die Ticketsteuer ist für Ofner auch eine „ideologische Frage“. Die Ticketsteuer – offiziell Flugabgabe – wird auf Flugtickets bei Abflügen von österreichischen Flughäfen erhoben. Sie beträgt zwölf Euro pro Passagier, bei Kurzstreckenflügen unter 350 Kilometern 30 Euro. Die Fluggesellschaften führen die Abgabe an den Staat ab, die Kosten sind üblicherweise im Ticketpreis enthalten.

Für Ofner zählt sie zu jenen Abgaben, deren Reduktion „möglicherweise dem Fiskus sogar höhere Einnahmen“ bringen kann. Man sehe, dass in diesem Jahr etwa zwei Millionen Passagiere wegfallen. „Das reduziert schon einmal das Steueraufkommen um 25 Millionen Euro.“ Gewinne man einen Teil dieser Fluggäste zurück, würden die in Hotels übernachten, Restaurants und Sehenswürdigkeiten besuchen. Die Umwegrentabilität würde „weitestgehend zumindest den Steuerausfall kompensieren“.

Beim Flughafen Wien ortet man eine ideologische Frage. Es gebe immer noch einen „Nachhall dieser unseligen grünen Flugfeindlichkeit“. Manche in der Politik würden glauben, „dass sie damit punkten, wenn sie das weiterführen“. Dennoch gibt es derzeit einen grundsätzlichen Kurswechsel in der österreichischen Luftfahrtpolitik. „Die Bundesregierung hat zugesagt, im Doppelbudget 30 Millionen Euro pro Jahr für die Luftfahrt zur Verfügung zu stellen. Und auch wenn wir uns noch eine Steigerung dieses Volumens erhoffen, freuen wir uns, dass seit vielen Jahren wieder ein positives Signal für die Luftfahrt gesetzt wird“, so Jäger.

Wir leben halt in der Situation, dass 55 Kilometer von uns in Bratislava, keine Ticketsteuer verlangt wird.

Günther Ofner, Flughafen-Vorstand

Diese Signale braucht es, um positive Impulse zu setzen, damit Österreich ein attraktiver Wirtschaftsstandort bleibt. Um attraktiv zu sein oder zu bleiben, müssten die Kosten reduziert werden. Ein ideologischer Streit wäre demnach „wirklich dumm, kontraproduktiv und schädlich für den Standort“. Ofner: „Wir leben halt in der Situation, dass 55 Kilometer von uns, in Bratislava, keine Ticketsteuer verlangt wird.“

Für die Low-Cost-Carrier mache das rund ein Drittel ihrer Kosten aus. „Also ist es eine wirtschaftlich nachvollziehbare Entscheidung, dass jemand sagt, wenn ich ein Drittel meiner Kosten vermeiden kann, dann tue ich es.“ Laut Jäger spielt die Flugabgabe für die Standortentscheidung von Airlines, wo sie investieren und wachsen wollen, eine wesentliche Rolle: „Eine Zusatzbelastung von zwölf Euro pro Ticket ist auf der Kurzstrecke ein relevanter Faktor – für den Passagier und für die Airline.“

Reiselust ungebrochen

Gehe man davon aus, dass sich internationale Krisenherde „hoffentlich auflösen oder zumindest entspannen“, im Nahen Osten wie in der Ukraine, „sollte das positive Impulse und wieder Wachstum bringen“, blicken die Vorstände nach vorn. Viel schlimmer könne es ohnehin nicht mehr werden.

Im ersten Halbjahr sei fast die Hälfte des Nahostverkehrs weggebrochen. Mittlerweile habe sich dieser weitgehend, wenn auch nicht vollständig, erholt. „Was sich nicht geändert hat, trotz aller widrigen Umstände, dass die Reiselust ungebrochen ist“, attestieren Ofner und Jäger. Die Menschen würden eher bestimmte Anschaffungen zurückstellen als ihren Urlaub, sind Ofner und Jäger überzeugt.

Tatsächlich wurden am Flughafen Wien allein im Juli und August rund 6,3 Millionen Passagiere abgefertigt. An 35 Tagen waren es jeweils mehr als 100.000 Reisende. Allerdings lag das Passagieraufkommen im Sommer damit um 5,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Von Jänner bis August zählte der Airport insgesamt rund 20,6 Millionen Fluggäste, ein Minus von vier Prozent. Als Gründe nennt der Flughafen vor allem das reduzierte Angebot von Billigfluggesellschaften und die Auswirkungen der Nahostkrise.

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 © Waltl & Waltl

Luftfahrt wird weiter wachsen

Global gesehen werde die Luftfahrt „jedenfalls weiter wachsen“, so Günther Ofner. Man könne davon ausgehen, dass sich in den nächsten 20 Jahren die weltweiten Passagierzahlen zumindest verdoppeln werden. Selbiges gelte für die Zahl der großen Verkehrsflugzeuge, die unterwegs sein werden. Weltweit werde aktuell an 950 neuen Airports gebaut. Tausende neue Flugzeuge seien in Bestellung. „Die Luftfahrt bleibt insgesamt ein Wachstumstreiber. Vor allem Asien und Indien sind stark wachsende Märkte“, ergänzt Julian Jäger.

Und das hänge, so Ofner, auch damit zusammen, dass die Welt sich „insgesamt sehr positiv entwickelt“. Es sei „eine geradezu groteske Wahrnehmungsverzerrung, vor allem auch durch die mediale Berichterstattung, indem wir glauben, wir leben jetzt in einer ganz besonders schlimmen oder schwierigen Zeit“. Ganz im Gegenteil. Die Weltwirtschaft wächst um drei bis vier Prozent pro Jahr. „Viele Regionen, viele Länder entwickeln sich sehr gut, wachsen, bringen mehr Einkommen und ermöglichen damit ihren Bürgern das, was den Mittelstand kennzeichnet – nämlich dass er sich auf die Reise macht.“

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 42/2026 erschienen.

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