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Welt-Hepatitis-Tag - Alle 30 Sekunden ein Hepatitis-Todesfall

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Es gibt Behandlungsmöglichkeiten, aber keinen nationalen Aktionsplan
©APA/APA/Schneider/HARALD SCHNEIDER
Die Österreicher - wie auch die Menschen weltweit - haben ein heftiges Leberproblem. Alle 30 Sekunden stirbt ein Mensch an einer chronischen virusbedingten Hepatitis. 25 bis 30 Prozent der Österreicher sind von einer Fettlebererkrankung betroffen, erklärten jetzt österreichische Experten aus Anlass des Welt-Hepatitis-Tages am kommenden Dienstag (28. Juli).

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An der Spitze der Prioritäten bei den gefährlichsten Lebererkrankungen stehen weiterhin die durch chronisch verlaufende Virusinfektionen verursachten Leberentzündungen (Virus-Hepatitis). Weltweit sind davon laut Berechnungen 287 Millionen Menschen betroffen. "Chronische Hepatitis B und C sind die weltweit führende Ursache für Leberkrebs. Mehr als 1,3 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an Hepatitis B oder C - das ist die häufigste Infektionskrankheit. Jedes Jahr gibt es fast zwei Millionen neue Fälle", hieß es jetzt in einer Aussendung der Hepatitis Hilfe Österreich (HHÖ; https://www.gesundeleber.at).

An sich wären de facto alle Mittel vorhanden, um das weltweite Problem in den Griff zu bekommen. Virus-Hepatitis ist vermeidbar, behandelbar und sogar heilbar. "Wir haben schnelle und genaue Tests, wirksame und erschwingliche Behandlungen und einen bewährten Impfstoff gegen Hepatitis A und B. Wir haben bereits alles, was wir brauchen, um sie zu beseitigen", stellten der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH), Markus Peck-Radosavljevic (Klinikum Klagenfurt), und HHÖ-Vorsitzende Angelika Widhalm fest.

2011 hat sich auch Österreich der weltweiten Initiative angeschlossen, die virale Hepatitis bis zum Jahr 2030 zu eliminieren. Das Ziel dürfte jedoch in weite Ferne gerückt sein. "Dies liegt daran, dass die Hepatitis-Elimination nur durch staatlich organisierte Screening-Programme erfolgreich sein kann, wofür das Vorliegen und die praktische Umsetzung eines Nationalen Hepatitis-Aktionsplans Voraussetzung wäre: einen solchen Aktionsplan gibt es in Österreich jedoch bisher nicht", stellten die Proponenten in der Aussendung fest.

"Lebererkrankungen sind auch in Österreich stark im Steigen begriffen und bilden somit eine große finanzielle Herausforderung für das Gesundheitssystem", erklärten Peck und Angelika Widhalm und verwiesen darauf, dass virale Hepatitis A, B, C und Delta in Österreich gut behandelt werden können - "Hepatitis C ist sogar heilbar, wenn man sie rechtzeitig erkennt".

Der am Klinikum Klagenfurt tätige Gastroenterologe und Hepatologe: "Hepatitis B wird über Blut und alle Körperflüssigkeiten übertragen. Häufige Ansteckungswege in Österreich sind ungeschützter Sexualkontakt, unsauberes Besteck wie Spritzen bei i.v.-Drogengebrauch und sehr selten die Geburt (wenn die Mutter infiziert ist; Anm.). Diese Fakten sind vielen Menschen nicht ausreichend bekannt, was zu Vorurteilen und falschen Annahmen führt."

Bei der Hepatitis B ist die auch im österreichischen Kinderimpfprogramm enthaltene Impfung als Vorbeugung ganz besonders wichtig. Dies hat mittlerweile einen doppelt bedeutsamen Grund. Peck: "Eine vollständige Immunisierung gegen Hepatitis B schützt gleichzeitig vor dem gefährlichen Hepatitis-Delta-Virus, das nur gemeinsam mit Hepatitis B auftreten kann. Wer nie geimpft wurde, sollte dies dringend nachholen. Die chronische Hepatitis Delta ist vermutlich die gefährlichste chronische Virusinfektion, ist jedoch seit einigen Jahren in Österreich behandelbar. Eine Kombi-Infektion mit Hepatitis B und Delta kann jedenfalls sehr rasch zum Leberkrebs führen."

Heilen lässt sich eine chronische Hepatitis-B-Infektion derzeit noch nicht, aber die modernen Medikamente können die Virusvermehrung effektiv unterdrücken und das Risiko für Spätfolgen wie Leberzirrhose oder Leberkrebs erheblich reduzieren. Das Problem: Viele Infizierte wissen gar nichts von ihrer chronischen Erkrankung. Deswegen rät Peck zur Vorsorgeuntersuchung, zumindest in Risikogruppen.

In Deutschland können sich gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren einmalig kostenlos auf Hepatitis B und C testen lassen. Das wäre auch in Österreich angebracht, so Angelika Widhalm: "Wir müssen endlich weg vom Tabu rund um Hepatitis B. Nur wer über Risiken und Chancen informiert ist, kann sich schützen oder rechtzeitig behandeln lassen."

In der jüngeren Vergangenheit ist bei den Lebererkrankungen - vor allem in den hoch entwickelten Staaten der Welt mit westlichem Lebensstil - auch die sogenannte Fettleber (Steatotic Liver Disease/SLD) zu einer besonders weit verbreiteten Krankheit geworden. Peck: "Diese nicht infektiöse Lebererkrankung, die weltweit, aber vor allem in Europa, Amerika und Australien viele Todesopfer fordert, wird von Vielen noch unterschätzt: Die Fettleber ist die neue Volkskrankheit Nr. 1."

Zumeist wird die Fettlebererkrankung durch ein metabolisches Syndrom (Varianten einer Kombination aus Übergewicht, Diabetes mellitus, Bluthochdruck und erhöhten Blutfetten) und/oder Alkohol verursacht und kann im Falle einer Entzündung der Fetteinlagerungen (MASH) zu schweren Folgen wie Leberzirrhose bis hin zum Leberkrebs führen. In Österreich sind etwa jeder dritte Mann und jede vierte Frau von einer Fettleber betroffen, von denen ein bis zwei Prozent wiederum eine dadurch bedingte Leberentzündung (Steatohepatitis) aufweisen. Diese Steatohepatitis ist mittlerweile der häufigste Grund für notwendige Lebertransplantationen weltweit.

Laut Angelika Widhalm hat die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) in Zusammenarbeit mit der HHÖ und ÖGGH ein Präventions- und Screeningprogramm zur Früherkennung mit einer Informationskampagne in Vorbereitung. Man werde darüber in nächster Zukunft berichten.

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