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Studie: Wahlfreiheit bei Kinderbetreuung weiter "Mythos"

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Nicht immer gibt es genug Betreuungsangebote
Dass Familien sich entscheiden können, ob sie ihre Kinder selbst betreuen oder in den Kindergarten schicken, bleibt in Österreich ein Mythos, haben Forscherinnen am Dienstag bei einer Online-Pressekonferenz betont. Die "Wahlfreiheit" habe Ungleichheiten vielmehr verstärkt: Es gebe gar nicht genug Betreuungsangebote, um zu wählen. Gleichzeitig erwarte die Gesellschaft, dass Mütter sich intensiv um die Kinder kümmern und parallel arbeiten, was den Druck auf Frauen erhöht.

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Den Familien werde zwar erklärt, jede könne das für sie beste Modell der Kinderbetreuung finden. Mögliche Folgen vor allem für Frauen wie Altersarmut würden allerdings "auf das Individuum übertragen", so Eva-Maria Schmidt vom Österreichischen Institut für Familienforschung (ÖIF) bei der Pressekonferenz des Wissenschaftsnetzwerks "Diskurs".

In Österreich ist es nach wie vor die Norm, dass Väter Vollzeit arbeiten und Mütter ihre Arbeitszeit reduzieren, um zusätzlich die Kinder betreuen zu können. Auch wenn die Kinder älter sind, bleibt ein großer Teil in der Teilzeit. Das Kindergartenangebot wurde zwar ausgebaut, auch mit dem Hinweis, dass dadurch mehr Frauen eine Berufstätigkeit ermöglicht und die Gefahr von Altersarmut unter Frauen gesenkt werden soll. Allerdings hinkt das Angebot immer noch dem Bedarf hinterher, wie Schmidt betonte. Nur 60 Prozent der Plätze für Kinder unter drei Jahren seien mit einem Vollzeitjob beider Eltern vereinbar.

Dass nur ein Drittel der unter-Dreijährigen eine elementarpädagogische Einrichtung besucht, hat laut Schmidt aber auch mit den in Österreich starken "kulturellen normativen Vorstellungen" zu tun, dass Kinder unter der Betreuung durch "Fremde" eher leiden würden und bei ihrer Familie - in der Regel gleichgesetzt mit der Mutter - besser aufgehoben wären.

"In Österreich ist eine gute Mutter eine für die Familie sorgende Mutter", erklärte Soziologin Fabienne Decieux (Uni Innsbruck). Die Anforderungen sind dabei seit den 1970ern, als es zunehmend weniger Hausfrauen und mehr zumindest in Teilzeit berufstätige Mütter gab, deutlich gestiegen. Eltern verbringen heute mehr Zeit mit ihren Kindern und bekommen mehr Verantwortung für die Entwicklung ihrer Kinder zugeschrieben als je zuvor. "Sie werden haftbar gemacht für die Kindesentwicklung", so Decieux, die auf die im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Gruppen hohen Erschöpfungsquoten unter Müttern hinwies.

Von Müttern werde heute erwartet, dass sie sich am Wohl und der positiven Entwicklung ihrer Kinder ausrichten. Weil negative Gefühle oder Stress sich negativ auf ihre Kinder auswirken könnten, werden schon vor der Geburt Kurse besucht, negative Emotionen vermieden und intuitive Gefühle unterdrückt, fasste die Forscherin Ergebnisse aus qualitativen Interviews und Gruppendiskussionen mit Müttern zusammen. Dazu kommen Ansprüche von Außen, durch Arbeit etwas für die eigene Altersvorsorge zu tun, aber gleichzeitig die eigenen beruflichen Ansprüche zu Wohle des Kindes herunterzuschrauben.

Müttern werde auch von Außen aufgetragen, dass sie auf ausreichend Selbstfürsorge wie genügend Schlaf achten sollen. Im Zentrum stehe aber auch hier, dass sie dadurch gut für ihre Kinder sorgen können - und dass sie nicht, etwa durch eine körperliche oder psychische Erkrankung, "der Gesellschaft zur Last fallen".

Mütter seien heute auf jeden Fall stärker belastet als früher, sagte Schmidt. Die gestiegenen gesellschaftlichen Erwartungen, die Frauen ja auch schon lange vor einer Schwangerschaft über das Umfeld mitbekommen, könnte aber ein Grund sein, wieso sich mehr Frauen gegen eigene Kinder entscheiden.

Auch der Trend zum Leben als Hausfrau sei als Reaktion auf die gestiegenen Erwartungen und Belastungen zu sehen, so Schmidt auf Nachfrage. In Österreich sei diese Entwicklung allerdings kein Bruch wie in anderen Ländern, ergänzte Decieux. In Österreich seien traditionelle Mutterschaftsnormen nämlich immer stark vorhanden gewesen und deshalb seien schon bisher vergleichsweise weniger Mütter ins Berufsleben eingetreten.

20.01.2021, Niedersachsen, Hannover: Ein zweijähriges Kind malt ein Bild, während seine Mutter Zuhause im Homeoffice an einem Laptop arbeitet. Der Rückzug vom Arbeitsplatz ins Homeoffice soll ein zentraler Baustein im Kampf gegen die Corona-Pandemie werden. Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++ dpa-Bildfunk +++.

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