ABO

SOS-Kinderdorf: Forschung soll Licht in eigene Geschichte bringen

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
3 min
Die Rolle Hermann Gmeiners wird untersucht
©APA, dpa
Die Wissenschaft soll nun Licht in die Organisationsgeschichte von SOS-Kinderdorf bringen. Wie SOS-Kinderdorf Österreich am Dienstag mitteilte, wird ab 1. November eine internationale wissenschaftliche Studie ausgeschrieben, bei der die Organisationsgeschichte aufgearbeitet und insbesondere die Missbrauchsvorwürfe gegen Gründer Hermann Gmeiner sowie der Umgang damit untersucht werden sollen.

von

News auf Google bevorzugen

SOS-Kinderdorf Österreich kooperiert dabei mit den SOS-Kinderdörfern weltweit und mit SOS-Kinderdorf International. Im Blickpunkt steht nach Angaben der Organisation auch die Frage, welche institutionellen Strukturen Gewalt und Missbrauch ermöglicht und deren Aufdeckung verhindert haben.

"Wir haben uns in den vergangenen Monaten intensiv mit den Fehlern unserer Vergangenheit auseinandergesetzt und einen umfassenden Reformprozess eingeleitet. Die unabhängige wissenschaftliche Aufarbeitung unserer Gründungsgeschichte ist ein weiterer wichtiger Schritt auf diesem Weg", kommentierte Brigitte Lueger-Schuster, Aufsichtsratsmitglied von SOS-Kinderdorf Österreich. "Niemand steht über der Verantwortung."

Die Studie ist auf zwei Jahre angelegt. Sie soll "die Rolle Hermann Gmeiners und seines langjährigen Nachfolgers (Helmut Kutin, Anm.) sowie deren Einfluss auf die Organisation untersuchen", hieß es. Im Fokus werden "insbesondere Macht- und Abhängigkeitsstrukturen" stehen. Weiters sollen "mögliche Netzwerke" von Täterinnen, Tätern und Mitwissenden sowie "Mechanismen der Verschleierung von Gewalt- und Missbrauchsfällen" im Mittelpunkt sein. Die Untersuchung soll international angelegt werden und neben Österreich und Deutschland auch weitere Länder umfassen.

Eine internationale wissenschaftliche Jury soll das Forschungsteam auswählen. Ein unabhängiger Beirat mit wissenschaftlichen Expertinnen und Experten sowie "Care Leavern" (also Menschen mit stationärer Jugendhilfeerfahrung, Anm.) wird die Untersuchung begleiten. "Die Forschenden werden uneingeschränkten Zugang zu relevanten Archivunterlagen und Unterstützung bei der Kontaktaufnahme mit Zeitzeuginnen und -zeugen erhalten", betonte SOS-Kinderdorf und versprach, die Ergebnisse zu veröffentlichen.

Dies steht im Unterschied zu früheren Vorgangsweisen: Zwei Studien zu Missbrauchs- und Misshandlungsvorwürfen in Tirol und Kärnten hatte SOS-Kinderdorf in Auftrag gegeben, die Ergebnisse aber für sich behalten. Erst durch die Veröffentlichung im Vorjahr durch die Wiener Stadtzeitung "Falter" war der Skandal ans Tageslicht gekommen.

Die Studie knüpfe "an den bereits begonnenen Reformprozess von SOS-Kinderdorf Österreich an", wurde betont. Auch die unabhängige Reformkommission habe die "Notwendigkeit einer konsequenten Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und den dahinterliegenden Organisationsstrukturen unterstrichen". "Wir wollen unsere Gründungsgeschichte weder ausblenden noch beschönigen, sondern vollständig und wissenschaftlich aufarbeiten - auch wenn die Erkenntnisse unbequem sind", sagte Lueger-Schuster.

Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER