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"Zweitens: Wenn eine Chemotherapie läuft, wird diese unterbrochen, wenn jemand krank ist", sagte der Mediziner. Es könne sein, dass die Patienten zwei, drei Wochen ihre Chemotherapie auslassen müssen, weil sie gerade eine Influenza durchmachen. "Letztlich ist das dann auch für die Krebserkrankung nicht förderlich." Eine Impfung führe auch nicht zu einer Überforderung des Immunsystems während einer Krebsbehandlung, widerlegte er eine falsche Annahme.
Aktuelle österreichische Zahlen zu Impfraten bei onkologischen Patienten gibt es nicht. Die Impflücken zeigen sich jedoch in eigenen Beobachtungen und jenen seiner Kolleginnen und Kollegen, berichtete Széll im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur.
Onkologische Patienten, die in der Notfallambulanz der Klinik Donaustadt mit Influenza ankommen, seien oft ungeimpft, betonte der Infektiologe. "Das ist insofern auch verständlich, weil wenn ein Patient eine Krebsdiagnose bekommt, dann bricht in ihm die Welt zusammen und er ist in erster Linie auf seine Krebserkrankung fokussiert und denkt einfach nicht mehr an Impfungen." Hier brauche es daher mehr Aufmerksamkeit - sowohl bei den Patienten als auch bei den Fachärztinnen und -ärzten sowie bei den Hausärzten, sagte Széll.
Er empfiehlt Krebspatienten besonders alle Impfungen gegen respiratorische Infekte, also jene gegen Atemwegserkrankungen. Das sind die Vakzine gegen Influenza ("echte Grippe") Covid-19, RSV und jene gegen schwere Lungenentzündungen auslösende Pneumokokken. "Von den vier Impfungen sind drei gratis", betonte Széll. Nur die RSV-Immunisierung ist für die betroffenen Patienten nicht kostenlos erhältlich. Im nationalen Impfplan sind diese und weitere Impfungen ebenfalls speziell für onkologische Patienten empfohlen.
Auch Herzinfarktpatienten sollten auf ihren Impfstatus achten, ergänzte der Infektiologe. Es gebe internationale Daten und klare Empfehlungen von Fachärztegesellschaften, dass Patienten mit hohem Risiko für einen Herzinfarkt unbedingt gegen Influenza geimpft werden sollen. "Das senkt die Wahrscheinlichkeit eines neuen Infarkts", erläuterte Széll. "Respiratorische Viren führen auch zu einer Entzündung der Gefäße und es kann dadurch neuerlich zu einem Verschluss kommen."
INFO: Nationaler Impfplan: www.sozialministerium.gv.at/Themen/Gesundheit/Impfen/impfplan.html
