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Unabhängig von den "für einen Umweltminister (Norbert Totschnig, ÖVP, Anm.) enttäuschenden", nun vorgestellten Plänen gebe es große Lücken bei der Finanzierung im Bereich Renaturierung und Artenvielfaltschutz: Die Budgetknappheit habe im Umweltbereich "überproportional" durchgeschlagen. Der österreichische Biodiversitätsfonds sei mit nur mehr fünf Millionen Euro jährlich viel zu klein dimensioniert, betonte Essl.
Wie wichtig renaturierte, widerstandsfähigere Landschaften wären, zeige sich etwa anhand der heurigen Hitze- und Dürrewellen. "Der Renaturierungsbedarf - letztlich auch für die Landwirtschaft und gesamte Gesellschaft - ist immens." Für Österreich habe die EU-Kommission 2025 in einer Analyse ein Finanzierungsdefizit in Umwelt- und Biodiversitätsthemen von nahezu einer Milliarde Euro pro Jahr festgestellt. Es brauche hier ein "nationales Commitment" und einen Biodiversitätsfonds, "der Gewicht hat", so Essl, der es als "politischen Fehler" bezeichnet, dass der damals innerkoalitionäre Streit zwischen der ÖVP und den Grünen rund um die Renaturierungsverordnung das Thema bis heute überschattet.
Mit einem "Dämonisieren" der Thematik komme man nicht weiter. Renaturierung bringe auch der Landwirtschaft als ÖVP-Kernklientel viel: Böden, die mehr Wasser halten können, bringen gerade in extremen Sommern wie heuer einiges. Hecken, die den Wind und damit die Verdunstung einbremsen, erhöhen die Erträge auf Feldern um rund zehn Prozent. "Intaktere Landschaften" würden sich auch rentieren, so der Ökologe, der für ein Ablegen "ideologischer Scheuklappen" plädiert.
Im Vorfeld der heutigen Vorstellung des nationalen "Wiederherstellungsplanes" habe es zwar einen von der EU vorgeschriebenen Konsultationsprozess gegeben, bei dem sich auch der Biodiversitätsrat, dem Essl angehört, eingebracht hat. Die Rückmeldungen zu den Eingaben ließen allerdings sehr zu wünschen übrig, so der Forscher, der von einer Art "Blackbox" spricht.
Dass man nicht nachvollziehen könne, ob und wie die rund 1.000 bisher eingebrachten Stellungnahmen berücksichtigt wurden, "entspricht nicht dem Geist der Verordnung", um die in Österreich und EU-weit bekanntlich politisch hart gerungen wurde. Bei Rückmeldungsprozessen zu globalen Klimaberichten, erhalte man zu jeder Eingabe auch eine auf den jeweiligen Inhalt bezogene Antwort. "Das würde ich mir hier auch erwarten", sagt Essl: "Das ist also keine Einbeziehung, die wirklich die doch sehr erheblichen Interessen, die geäußert wurden, auch adäquat und transparent darstellt."
