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Welthandel wird immer mehr zur Bedrohung für Artenvielfalt

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++ ARCHIVBILD ++ Globale Warenströme gefährden Artenvielfalt
©APA, dpa, Hauke-Christian Dittrich
Einen "eskalierenden Trend" zur Gefährdung von immer mehr Tier- und Pflanzenarten durch globale Warenströme ortet eine im Fachjournal "PNAS" erschienene Studie. Vor allem nach dem Jahr 2010 habe die Anzahl an bedrohten Arten durch wirtschaftliche Aktivitäten merklich zugenommen, berichtet ein Team um u.a. am Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien tätige Forschende.

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In einer umfassenden Analyse hat die Gruppe um Erstautor Ling Zhang (Universität Peking und IIASA) die Verbindungen zwischen den globalen Handelsströmen und gefährdeten Spezies in 185 Staaten zwischen den Jahren 1990 und 2025 untersucht. Fokussiert hat man sich dabei auf 21.207 Pflanzen, Amphibien, Säugetiere oder Vögel, die die International Union for Conservation of Nature (IUCN) in ihren Listen führt.

In einer komplexen Analyse wurde abgeschätzt, wie sich die Produktion von vor allem landwirtschaftlichen Gütern, aber auch die zunehmende Bevölkerungszunahme und Verstädterung sowie Verwerfungen durch den Klimawandel auf die Artenvielfalt (Biodiversität) auswirken. Dazu kamen Simulationen darüber, wie stark die Nachfrage in den jeweiligen Ländern und die Nachfrage nach Produkten aus einem Land in anderen Staaten damit zusammenhängt.

Gerade in einigen Ländern mit großer Artenvielfalt, wie Brasilien, Indonesien, Papua-Neuguinea oder Madagaskar, wirken sich etwa Ausweitungen von landwirtschaftlichen Flächen besonders stark aus. Wenn im Amazonas-Regenwald - wie in den vergangenen Jahrzehnten - große Flächen von Wald in Weideland umgewandelt werden, bringt das entsprechend viele Spezies in Bedrängnis. Angetrieben werden diese Entwicklungen meistens nachfrageseitig, wie die Studienautorinnen und -autoren festhalten. Wenn etwa in den USA, im arabischen Raum oder in Europa der Fleischkonsum ansteigt, wird aus anderen Ländern - oft aus dem globalen Süden - mehr davon exportiert. Die Experten sprechen von exportorientierter Ressourcenentnahme, die oft auch mit dem Ausbau der dortigen baulichen Infrastruktur, möglicherweise wieder zulasten der Tier- und Pflanzenwelt, einhergeht.

Im Vergleich der Entwicklungen vor 2010 mit dem untersuchten Zeitraum danach sehe man eine "substanziell erhöhte Zahl an gefährdeten Spezies". Die Anzahl der gefährdeten Spezies, die durch neuere wirtschaftliche Entwicklungen zu solchen wurden, ist demnach u.a. auch in höher entwickelten Ländern und im Nahen Osten stark gestiegen. Zudem habe die ökonomische Entwicklung in Lateinamerika und der Karibik laut den Berechnungen zu vielen neuen Artengefährdungen geführt.

Auf Ländervergleichsebene erweisen sich die Anforderungen der Endverbraucher in den USA für die Tier- und Pflanzenwelt Madagaskars am problematischsten, so die Forschenden: Durch die Exporte von der afrikanischen Insel mit ihrer einzigartigen Flora und Fauna Richtung Vereinigte Staaten gerieten dort fast 200 Arten unter Druck. Insgesamt bringen demnach Exporte aus Madagaskar heraus dort rund 750 Spezies in Bedrängnis. Rein rechnerisch tragen auch die wirtschaftlichen Verbindungen mit Frankreich, Deutschland, China und Japan viel zu der Entwicklung bei.

Der Verbrauch in den USA wiederum hat überdies besonders starke Auswirkungen auf die Tiere und Pflanzen in Australien, Mexiko oder Kolumbien, schreiben die Studienautoren. Insgesamt ist auch die Nachfrage nach Gütern großer und bevölkerungsreicher Industrieländer wie Japan oder Deutschland ein großer Treiber der Gefährdung. Umgekehrt wird neben Madagaskar auch das sehr artenreiche Papua-Neuguinea als Land genannt, in dem vor allem Begehrlichkeiten von außen die negative Entwicklung stärker antreiben.

Beim Blick auf diese sich zuspitzenden Entwicklungen - der weltweite Artenverlust wird als eines der global dringendsten Probleme angesehen - helfe es bei weitem nicht nur, wenn man in den Ländern mit großen Verlusten Naturschutzmaßnahmen einführt oder weiterentwickelt. Es müssten auch Marktregulierungen gestartet oder ausgebaut werden, die dem Biodiversitätsverlust Einhalt gebieten. Auch auf personenbezogener Ebene brauche es mehr Anreize, den Lebensstil so zu gestalten, dass weniger Ressourcen verbraucht werden, so die Forschenden.

(S E R V I C E - https://dx.doi.org/10.1073/pnas.2604868123 )

ARCHIV - 13.07.2026, Bremen, Bremerhaven: Containerbrücken stehen auf dem Gelände von MSC Gate, einem Gemeinschaftsunternehmen von Eurogate und TIL Terminal Investment, im Containerhafen in Bremerhaven. (zu dpa: «Demokratische Bundesstaaten klagen gegen Trumps neue Zölle») Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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