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Montanuniversität Leoben - Erste "Tiefenbohrung" zur NS-Zeit

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Rektor Peter Moser mit Univ.-Prof. Dr. Barbara Stelzl-Marx
Die obersteirische Montanuniversität Leoben wird mit Unterstützung des Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung die Zeit des Nationalsozialismus von der Montanistik von 1938 bis 1945 aufrollen. Die Ergebnisse der Forschung sollen binnen einem Jahr fertiggestellt und präsentiert werden, hieß es am Mittwoch in einer Pressekonferenz in Leoben. Die Leiterin des Boltzmann-Instituts, Barbara Stelzl-Marx, sprach von einer ersten "Tiefenbohrung" zur NS-Zeit an der Montanuni.

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"Die Montanuniversität stellt sich ihrer historischen Verantwortung, ein belastetes Kapitel wie das von 1938 bis 1945 darf man weder ausblenden noch relativieren. Verantwortung beginnt mit Wissen", sagte Rektor Peter Moser, der das Projekt angestoßen hatte. Die Universitäten seien in der NS-Zeit nicht nur ein Ort der Forschung und Bildung gewesen, sondern waren auch in politische, wissenschaftliche und ideologische Strukturen des NS-Staates eingebunden gewesen.

"Uns geht es dabei nicht nur um das Institut, sondern auch um Menschen - jene, die profitierten und vor allem jene, deren Lebenswege zerstört, die entrechtet, ausgestoßen, ermordet wurden", sagte der Rektor. Der externe Beirat und das Boltzmann-Institut sollten zu belastbaren Ergebnissen kommen. Damit gewinne man ein möglichst vollständiges und differenziertes Bild dieser Zeit, das trage zu einer reflektierten Erinnerungskultur bei.

Für Barbara Stelzl-Marx, Leiterin des Boltzmann-Instituts, setze dieses gemeinsame wichtige Forschungsprojekt einen ersten, wichtigen Schritt der bisher nicht erfolgten Aufarbeitung der NS-Zeit an der Montanuni Leoben. "Diese war ein Rädchen in der NS-Maschinerie, welche Rolle es spielte, schauen wir uns an. Die Spuren sind auf den ersten Blick unsichtbar, wir wissen aber aus anderen Projekten, sie sind eingebrannt in das Gebäude und die Biografien der Menschen hier", so die Professorin für Zeitgeschichte an der Uni Graz. Ziel sei die Betrachtung der Zeit von 1938 bis 1945, eine Vorschau und ein Blick danach, auf Kontinuitäten und Graubereiche, in einer Zeit, als die Montanuni dem Reichserziehungsministerium in Berlin unterstellt gewesen war.

Es gehe laut der Wissenschafterin um Fragen des Hochschulalltags, die Involvierung in die NS-Kriegswirtschaft und die Rüstungsindustrie. Das dritte sei das Personelle: "Wie hat die Makro- in die Mikrogeschichte hineingespielt? Wir wissen, dass rund 86 Prozent der Studenten der Montanuni NSDAP-Mitglieder waren", so Stelzl-Marx. Man wolle auch hinterfragen, welche Handlungsspielräume es gegeben habe, wer verfolgt wurde. "Diese Fragen stellen bisher Forschungslücken dar", sagte die Zeitgeschichtlerin.

Das Projektteam des Boltzmann-Instituts unter Katharina Bergmann-Pfleger werde sich der Archive der Uni, des Stadtarchivs Leoben, des steirischen Landesarchivs, des Staatsarchivs in Wien und der bundesdeutschen Quellen in Berlin bedienen. Man wolle auch mündliche Berichte und Quellen privater Natur aufnehmen. Die Ergebnisse des einjährigen Projekts soll in einem renommierten Verlag publiziert werden. Die Präsentation solle im Juni 2027 erfolgen. Laut Bergmann-Pfleger solle der Endbericht öffentlich einsehbar sein. Das Projekt kostet rund 200.000 Euro. Ein Teil ist für die Arbeit des Boltzmann-Instituts, ein anderer für die Uni-Personal- und Archivressourcen, wie es auf Journalistenfragen hieß.

Zur laut "Kleine Zeitung" (Mittwoch-Ausgabe) möglichen Teilnahme eines dem rechtsextremen Spektrum zugeordneten deutschen Politikers am Festkommers einer Burschenschaft in Leoben am Samstag sagte Moser auf Journalistenfragen: "Wir distanzieren uns klar und in aller Schärfe. Wir distanzieren uns von einzelnen rechtsradikalen Verbindungen", so Moser, der auch das Wort widerwärtig verwendete. "Das kommunizieren wir noch einmal mit Nachdruck."

(S E R V I C E - Für das Projekt werden auch Zeitzeugenberichte bzw. Dokumente und Erinnerungen aus privater Hand gesammelt, Kontakt unter zeitzeugen@unileoben.ac.at )

LEOBEN: FOTO: APA/Armin Russold/Armin Russold

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