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Mammografie erkennt Herz-Kreislauf-Erkrankungen

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Mammografie
©APA, Themenbild, Barbara Gindl
In Österreich werden pro Jahr mehr als 800.000 Mammografien bei Frauen zur Brustkrebs-Früherkennung durchgeführt. Israelische Wissenschafter haben jetzt ein auf Künstlicher Intelligenz beruhendes System entwickelt, das einen Zusatznutzen ermöglicht: die Entdeckung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Studie wurde beim Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in München (bis 31. August) vorgestellt.

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"Obwohl Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit die häufigste Todesursache bei Frauen ist, werden Frauen bezüglich dieser Krankheiten ständig unterdiagnostiziert und unterbehandelt. Ein häufiger Befund in unserem medizinischen Zentrum und weltweit ist, dass Herz-Kreislauf-Erkrankung jeweils bereits fortgeschritten ist, wenn Frauen medizinische Hilfe suchen. Andererseits nehmen viele Frauen regelmäßig an der Brustkrebsvorsorge teil. Wir untersuchten, ob die Mammografie mit der Hilfe Künstlicher Intelligenz in dieser Gruppe einen weiteren Zweck erfüllen könnte - die frühzeitige Erkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das könnte präventive Strategien ermöglichen", sagte Viana Copeland vom Chaim Sheba Medical Center in Tel Aviv.

Die israelischen Experten führten eine neuerliche Analyse der Daten von 29.921 Frauen durch, die insgesamt 97.364 Mammografie-Untersuchungen gehabt hatten. Die Frauen hatten ein mittleres Alter von 54 Jahren. Klinische Informationen über das Vorhandensein von drei häufigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen - Bluthochdruck, ischämische Herzkrankheit (auch bekannt als koronare Herzkrankheit) und Schlaganfall - wurden aus verschiedenen Quellen gewonnen, darunter elektronische Patientenakten, Medikamentenverschreibungen sowie weitere klinische und bildgebende Befunde. 16 Prozent der Frauen hatten eine Hypertonie, je 2,5 Prozent hatten eine diagnostizierte koronare Herzkrankheit bzw. bereits einen Schlaganfall erlitten.

Dann wurde ein Deep-Learning-Modell so trainiert, dass es aus Merkmalen der Mammografien Frauen mit Bluthochdruck, ischämischer Herzerkrankung oder Schlaganfall identifizieren konnte. Daraus wurden dann sogenannte AUROC-Kurven berechnet: Dabei bedeuten Werte von 0,5 einen Zufallsbefund, ein Wert von eins hingegen perfekte Vorhersagen, ob nun eine solche Erkrankung wirklich vorlag oder nicht. Schon die erste Variante des Modells schnitt laut der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie gut ab und ergab AUROC-Werte von 0,79 für Bluthochdruck, 0,78 für eine koronare Herzkrankheit und 0,86 für einen bereits überstandenen Schlaganfall.

Viana Copeland: "Da Mammografie-Untersuchungen bereits weit verbreitet sind, könnte die Analyse derselben Bilder für kardiovaskuläre Informationen potenziell einen Ansatz bieten, ohne eine zusätzliche bildgebende Untersuchung erforderlich zu machen. Die Mammografie erreicht auch viele Frauen in der Lebensmitte, eine wichtige Phase, um ein Herz-Kreislauf-Risiko zu erkennen und ihm zu begegnen."

Die Forscher arbeiten nun daran, die Genauigkeit des Modells zu verbessern und sowohl falsch-positive als auch falsch-negative Ergebnisse zu reduzieren. Sie planen außerdem zu untersuchen, ob Mammografien helfen könnten, andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu identifizieren.

Ende des Jahres 2024 haben kanadische Wissenschafter einen ähnlichen Zusatznutzen für das Lungenkrebs-Screening bei starken Rauchern mittels Niedrig-Dosis-Computertomografie belegt. Damals erschien ihre wissenschaftliche Untersuchung im "Canadian Medical Association Journal" (DOI: https://doi.org/10.1503/cmaj.231602). Marcella Cabral Claires (Kardiologie/Universität von Ottawa) und ihre Co-Autoren wollten die Effekte des Lungenkrebsscreenings in ihrem Fachgebiet bestimmen. Sie analysierten die CT-Untersuchungen von 1.486 Personen, die an der Früherkennungsaktion zwischen März 2017 und November 2018 teilgenommen hatte. Das erste Ergebnis: Eine Verkalkung der Herzkranzgefäße wurde bei 82,9 Prozent der Untersuchten nachgewiesen. Bei 439 (29,5 Prozent) der Probanden war der "Verkalkungsgrad" sogar ausgedehnt.

Im Dezember 2023 holten die Autoren dann die Krankenakten der Teilnehmer noch einmal aus dem elektronischen Register und verknüpften die Sterbedaten mit den Untersuchungsergebnissen der Niedrig-Dosis-Computertomografien. Eine ausgeprägte "Verkalkung" der Herzkranzgefäße ging jedenfalls innerhalb des Beobachtungszeitraums von im Mittel 50 Monaten mit einer Verdoppelung der Sterblichkeit infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt etc.) einher. Die Gesamtsterblichkeit (alle Ursachen) war sogar um den Faktor 2,39 erhöht.

So stellten die Wissenschafter schließlich fest: "Bei Personen, die sich zur Lungenkrebsvorsorge einer Niedrigdosis-Brustkorb-CT unterziehen, war eine ausgeprägte Verkalkung der Koronararterien ein unabhängiger Vorhersagefaktor für Todesfälle aller Art sowie durch Herz-Kreislauf-Zwischenfälle, selbst nach Berücksichtigung nicht-kardiovaskulärer Todesfälle. Die Möglichkeit, Risiken einer koronaren Herzkrankheit zu erkennen und zu reduzieren, kann einen zusätzlichen Nutzen der Lungenkrebsvorsorge darstellen."

In Österreich fordern Experten seit Jahren die Etablierung eines Lungenkrebs-Screening-Programms für starke Raucher. Das blieb bisher ohne Erfolg.

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