ABO

Klimawandel verschärfte Hochwasserspitzen 2024 erstaunlich stark

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
4 min
Bildkombination zeigt das Ausmaß der Flut im Tullnerfeld 2024
©HELMUT FOHRINGER, APA, ERNST WEISS
Das verheerende Hochwasser im Herbst 2024 hat eine markante Spur der Verwüstung vor allem im Nordosten Österreichs hinterlassen und zahlreiche Haushalte stark in Mitleidenschaft gezogen. Dass derart große Regenmengen in wenigen Tagen in unseren Breiten fallen konnten, hing auch mit dem Klimawandel zusammen, wie Analysen ergeben. Eine neue Studie zeigt nun, dass die neuen klimatischen Bedingungen die Hochwasserspitzen überraschend stark angehoben haben, berichten Forschende.

von

News auf Google bevorzugen

Im Fachjournal "Science Advances" ging ein Team unter der Leitung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig daran, das Ereignis im September 2024 unter verschiedenen Annahmen und mit verschiedenen Methoden mehrfach in einer hypothetischen Welt ohne und mit Klimawandel durchzuspielen. Neben Österreich sorgte der Sturm "Boris" auch vor allem in Polen und Tschechien für starke Überflutungen in Folge von Niederschlägen mit mehreren hundert Millimetern Wasser pro Quadratmeter. In Teilen Niederösterreichs fielen sogar knapp über 400 Millimeter in besagtem Zeitraum Mitte September vor zwei Jahren - mit entsprechenden Folgen.

Bereits in früheren Arbeiten zu der Katastrophe konnten Forschende darlegen, dass der fortschreitende Klimawandel einen durchaus erklecklichen Anteil am Ausmaß der Ereignisse hatte bzw. Regenmengen in diesem Ausmaß in Mitteleuropa ohne die bereits erfolgte Temperaturzunahme und die entsprechend höhere Aufnahmekapazität der wärmeren Luft für Feuchtigkeit weit unwahrscheinlicher gewesen wären. Das Team um Studienerstautor Peter Miersch, dem auch der an der Interdisciplinary Transformation University (IT:U) Austria in Linz tätige Daniel Klotz angehörte, hat sich nun auf die Entwicklung der Höchstpegelstände bzw. Hochwasserspitzen konzentriert.

Das zentrale Ergebnis der Untersuchung ist, dass die Niederschläge im Zuge des Sturmes "Boris" ohne den vom Menschen verursachten Klimawandel im Schnitt um sechs bis neun Prozent geringer ausgefallen wären. Beim Blick auf die Hochwasserspitzen zeigte sich ein nochmals verschärftes Bild: Diese hätten der Analyse zufolge ohne Klimawandeleinfluss im Mittel um 14 bis 22 Prozent niedriger gelegen, berichten die Forschenden in ihrer Arbeit und einer UFZ-Aussendung.

Gerade entlang des österreichischen Abschnittes der Donau oder im Einzugsgebiet des Kamp sowie im Mostviertel, Industrieviertel und im Wienerwaldgebiet weist die Analyse besonders hohe Werte aus. An vielen Messständen wären demnach die Pegel ohne menschgemachten Klimawandel über 25 Prozent bzw. sogar bis um die Hälfte niedriger ausgefallen.

Der Grund für die markanten Unterschiede zwischen Regenmenge und Hochwasserhöhe liegt in der Fähigkeit der Böden, Wasser aufzunehmen und in der Dimensionierung des Hochwasserschutzes jeweils vor Ort. "Der Boden kann zunächst einen Teil eines Starkregenereignisses abfangen. Aber irgendwann ist er voll, und dann gelangt jeder zusätzliche Millimeter Wasser direkt in den Fluss", so Miersch. Letztlich sehe man an der Studie: "Wenn der Klimawandel zu zehn Prozent mehr Extremniederschlag führt, bedeutet das nicht, dass das Hochwasser ebenfalls nur zehn Prozent stärker wird. Es können auch zwanzig Prozent sein", wird Co-Studienautor Jakob Zscheischler zitiert. Vor allem, wenn die Kapazitäten der Hochwasserrückhalteanlagen erschöpft sind, können Pegelstände und Schäden bekanntlich übermäßig hoch ausfallen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, erhöht sich unter den neuen Gegebenheiten entsprechend.

(S E R V I C E - https://doi.org/10.1126/sciadv.aef7703 )

Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER