Ein rosafarbener Stein aus der Sahara gehört zu den ältesten Stücken vom Mars, die je auf der Erde gefunden wurden. Eine neue Analyse zeigt, was Teghaza 001 über die Kruste und das Wasser des jungen Planeten verrät.
Ein Stück der ältesten Marskruste
Der Meteorit Teghaza 001 ist laut dem Jet Propulsion Laboratory der NASA vor mehr als 4,1 Milliarden Jahren entstanden und damit einer der drei ältesten Marsmeteoriten, die bisher auf der Erde gefunden wurden. Der knapp 800 Gramm schwere, rosafarbene Stein wurde 2022 in der Sahara entdeckt und ist nach der Salzebene Teghaza in Mali benannt, wo er gefunden wurde. Eine erste ausführliche Beschreibung ist am Donnerstag im Fachjournal Science erschienen.
Das Besondere daran: Der Stein stammt nach Einschätzung des Forschungsteams aus einer Region des Mars, von der es bisher keine Probe gab. „Das ist unser erstes Stück Marskruste aus einem Teil des Mars, von dem wir noch nie eine Probe hatten“, sagt Lee Saper, an der Studie als zweitgenannte Person beteiligt und inzwischen am Ames Research Center der NASA tätig. Das Gestein halte fest, wie Wasser und Fels aufeinander einwirkten, und vielleicht sogar einen Abdruck der Marsatmosphäre aus der Zeit, als sie Wasser verlor.
Was der Stein über das Wasser auf dem jungen Mars verrät
Nach der Analyse entstand das Gestein aus abkühlendem Magma und wurde später durch Wasser im Untergrund verändert, und zwar etwa vor 4,1 Milliarden Jahren. Das deutet darauf hin, dass der Stein selbst noch früher gebildet wurde. Hinweise in den Sauerstoffisotopen, der Struktur und der Chemie seiner Minerale sprechen laut JPL für einen deutlich dynamischeren Wasserkreislauf auf dem frühen Mars. Den Wassergehalt des Meteoriten hatte bereits im Juni eine eigene Studie im Fachjournal Science Advances beschrieben.
„Einer der Gutachter des Fachartikels nannte ihn einen Stein von Rosette für den Mars“, sagt Yang Liu vom JPL, die federführende Person hinter der Studie. Der Vergleich spielt auf jene Steintafel an, mit deren Hilfe die ägyptischen Hieroglyphen entziffert wurden.
Warum der Meteorit zuerst unscheinbar wirkte
Dass der Stein vom Mars stammt, erkannten Forschende der University of New Mexico anhand seiner Sauerstoffisotope. Zunächst sah Teghaza 001 aus wie ein Shergottit, die häufigste Klasse von Marsmeteoriten. Erst bei genauerer Untersuchung fielen ungewöhnliche Strukturen und Minerale auf. „Erst als wir genauer hinsahen, wurde uns klar, dass dieser Meteorit wirklich einzigartig ist“, sagt Liu.
Von den rund 435 bekannten Meteoriten vom Mars gehört Teghaza 001 laut JPL zu den drei ältesten. Ähnlich alt ist ALH84001, der fast vollständig aus einem einzigen Mineral besteht. Der dritte, als „Black Beauty“ bekannte Meteorit entstand laut JPL vor etwa 2,1 Milliarden Jahren und besteht aus kleinen vulkanischen Gesteinsbruchstücken.
Wie das Alter bestimmt wurde
Für die Datierung nutzte das Team eine Rubidium-Strontium-Altersbestimmung direkt an einzelnen Mineralkörnern, entwickelt von der Gruppe um Francois Tissot am California Institute of Technology. Untersucht wurde ein Stück, das kleiner als ein Fingernagel war. Hinweise lieferten auch Zirkonkristalle, die Spuren ihrer Entstehung bewahren und sich besonders genau datieren lassen.
„Wir gehören zu den sehr wenigen Labors weltweit, die diese Art der Altersbestimmung durchführen können, und sind die ersten, die einen so alten Marsmeteoriten datiert haben“, sagt Tissot. Ziel sei, künftig weitere Marsmeteoriten zu datieren, ebenso Proben, die von anderen Planeten, ihren Monden oder von Asteroiden zur Erde gebracht werden.
Woher auf dem Mars der Stein stammen könnte
Um die Herkunft einzugrenzen, verglich das Team die Zusammensetzung mit Daten der Marsmissionen Viking, Curiosity und Perseverance. Laut JPL passen 13 Orte auf dem Mars zur Mineralogie und Chemie des Meteoriten, infrage kommt vor allem das stark verkraterte südliche Hochland. Wo genau der Stein herausgeschlagen wurde, wird sich laut JPL allerdings nie mit Sicherheit sagen lassen.
Die Arbeit in Science versteht sich als erste Charakterisierung, weitere Untersuchungen sollen folgen. „Wir haben erst an der Oberfläche gekratzt“, sagt Liu. Einen Überblick über den Planeten und die laufenden Missionen bietet die Mars-Seite der NASA.
Quellen
NASA Jet Propulsion Laboratory: NASA-funded Study Details One of Oldest Mars Meteorites Ever Found (29. Oktober 2026)
NASA Science: Mars (2026)
