von
Die Forscherinnen vom Department für Neurowissenschaften und Entwicklungsbiologie der Universität Wien haben gemeinsam mit Kollegen des Alfred-Wegener-Instituts, der Universität Oldenburg (beide Deutschland) und des Forschungsinstituts IFREMER (Frankreich) erstmals Muscheln der Art " im Labor gehalten und ihre Zellen gezüchtet. Diese Tiefseebewohner gehören zur Familie der Miesmuscheln.
"Lustigerweise musste die Zellkultur im Kühlschrank wachsen, da dort die Temperatur am ehesten jener in der Tiefsee entspricht, wo die Muscheln normalerweise leben", erklärte Kristin Tessmar der APA: "Dabei haben wir herausgefunden, dass die Tiere eine innere Uhr in den Fußzellen haben."
"Eigentlich wird die Umgebung dort unten in 1700 Metern Tiefe durch Gezeiten bestimmt", sagte sie. Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter gehen daher davon aus, dass die Muscheln am Meeresboden hauptsächlich dem 12,4-Stunden-Gezeitenrhythmus folgen. Im Labor "tickt die innere Uhr der Muscheln aber mit einer täglichen 24-Stunden-Rhythmik", so Tessmar. Das sei freilich eine überraschende Erkenntnis gewesen und deute auf eine erhebliche Flexibilität ihrer inneren Uhr hin.
Die Tiefseemuscheln besitzen auch die zentralen Gene der täglichen (zirkadianen) Uhr, die auch etwa bei Menschen und Fliegen Grundlage den Takt angeben. Die Uhr der Muscheln hat aber noch eine Zusatzfunktion, die bei letzteren fehlt: Sie kann zwischen Gezeiten- und Sonnentagzeitgebung umschalten. "Möglicherweise ist demnach die Gezeitenuhr 'nur' eine abgewandelte Form der zirkadianen Zeitgebung", meint die Biologin.
Service: Link zur Studie - https://doi.org/10.1038/s44319-026-00970-7 )
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Ifremer/Momarsat
