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Die im deutschen Bundesgesundheitsblatt erschienene wissenschaftliche Arbeit "Gesundheit 65+" (DOI: 10.1007/s00103-026-04290-y) belegt das riesige Problem, das solche Unfälle für Betagte darstellen. Bei der Basisbefragung zu Beginn der Studie gaben 38,1 Prozent der Befragten ab 80 Jahren an, in den vorangegangenen zwölf Monaten mindestens einmal gestürzt zu sein, 24,2 Prozent hatten zwei oder mehr Stürze erlitten. Bei einer weiteren Befragung ein Jahr später gaben 46,7 Prozent an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens einmal gestürzt zu sein. "33,6 Prozent gaben zwei oder mehr Stürze an", schrieb jetzt das Deutsche Ärzteblatt zu der Untersuchung mit 3.694 Senioren, von denen etwas mehr als 1.700 älter als 80 Jahre gewesen waren. Die Studie lief zwischen Juni 2021 und April 2023.
Das Team um die Epidemiologin Giselle Sarganas vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin hatte untersucht, ob die Einnahme von Arzneimitteln, welche als Nebenwirkungen Schwindel, Sedierung, niedrigen Blutdruck und/oder Störungen des Gleichgewichtssinnes auslösen können (Fall-Risk-Increasing-Drugs - FRID), für die Unfälle mitverantwortlich sind. Oft landen die Hochbetagten nach Stürzen im Spital, was schließlich ihr Gesundheitsrisiko durch Immobilisierung, Infektionen etc. noch einmal erhöht.
Eine erste Analyse zeigte, dass die Einnahme der FRID-Medikamente mit einem fast doppelt so hohen Risiko für einen Sturz assoziiert war: plus 93 Prozent. Es gab allerdings noch andere Risikofaktoren wie Adipositas (Risiko 2,29-fach erhöht), depressive Verstimmungen (2,17-fache Gefährdung), Mehrfacherkrankung (Verdopplung des Risikos), Sehbeeinträchtigung (plus 85 Prozent), Harninkontinenz (plus 79 Prozent) und Gedächtnisprobleme (plus 71 Prozent), so die deutsche Ärztezeitung.
Am häufigsten seien die Hochbetagten mit Diuretika (Entwässerungsmittel; 37,9 Prozent) behandelt worden. Es folgten Opioide (11,9 Prozent), Alphablocker zur Behandlung einer gutartigen Prostatavergrößerung (neun Prozent), Antidepressiva (8,8 Prozent), Antiepileptika (8,1 Prozent) und gefäßerweiternde Mittel zur Behandlung von Herzerkrankungen (5,3 Prozent). Diese Arzneimittel werden häufig als FRIDs genannt.
Als man schließlich alle Faktoren gemeinsam berücksichtigte, blieb eine große Palette an Risikofaktoren für ein erhöhtes Sturzrisiko übrig: Ein statistisch signifikant erhöhtes Risiko war für die Harninkontinenz (plus 65 Prozent), Sehbeeinträchtigung (plus 41 Prozent) und Depressionen (plus 61 Prozent) nachweisbar. Bei den FRIDs gab es in dieser Analyse ein um 59 Prozent erhöhtes Risiko, was knapp unter der statistischen Relevanz lag.
Für die häufigen Stürze von Hochbetagten bestehen nach Ansicht von Giselle Sarganas zumeist mehrere Gründe. Eine Sturzprävention sollte daher gleich an mehreren Faktoren ansetzen: durch Überprüfung der verschriebenen Arzneimittel auf Notwendigkeit und potenziell sturzfördernden Effekt, Sehkontrollen, Behandlung von Inkontinenz und Depression sowie individuell angepasste Bewegungsprogramme.
PRODUKTION - 24.01.2023, Hessen, Frankfurt/Main: Irina Uschakowa, Pflegefachkraft aus der Ukraine, geht im GDA Wohnstift Frankfurt am Zoo mit einer Bewohnerin über den Gang. Tausende von Ukrainerinnen und Ukrainern haben nach ihrer Flucht vor dem Krieg in ihrer Heimat in Hessen Arbeit gefunden. Eine von ihnen ist Irina Uschakowa, eine ausgebildete Krankenschwester. (zu dpa-KORR Beruflicher Neubeginn nach Flucht: «Jetzt beginnt ein neues Kapitel») Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++.
