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Wissenschafter des World Climate Research Programme haben einen Fachartikel veröffentlicht, in dem sie verschiedene Szenarien für die fortschreitende Erderwärmung skizzieren. Das Ausmaß an Treibhausgasemissionen im bisher gravierendsten Szenario sei "unplausibel geworden".
Das erklärt der niederländische Hauptautor Detlef van Vuuren in einem erläuternden Beitrag unter anderem mit den gesunkenen Kosten erneuerbarer Energien, die in den vergangenen Jahren schneller als erwartet zugelegt haben, wodurch der Verbrauch fossiler Brennstoffe wie Öl und Gas weniger rasant zulegen dürfte. Zudem werde etwas für den Klimaschutz getan, wenn auch in begrenztem Umfang.
Doch auch wenn die Emissionen im schlimmsten Szenario niedriger ausfallen, bedeute das nicht, dass ein gefährlicher Klimawandel abgewendet wurde, schreibt van Vuuren. Denn in dem angepassten Worst-Case-Szenario gehe man immer noch von einer Erhitzung des Planeten um etwa 3,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit aus, "ein Wert, bei dem sehr schwerwiegende Klimafolgen zu erwarten sind". Zum Vergleich: Das Vorgänger-Szenario ging laut Deutschem Wetterdienst von einer Erwärmung von deutlich mehr als vier Grad bis zum Ende des Jahrhunderts aus.
Zudem verweist van Vuuren auf Unsicherheiten: Es sei durchaus möglich, dass der globale Temperaturanstieg vier Grad bis 2100 übersteige. Außerdem sei danach ein weiterer Anstieg zu erwarten, das zuvor für 2100 prognostizierte Niveau werde dann voraussichtlich 2150 erreicht sein.
Der neue Ansatz sei keinesfalls als Entwarnung zu verstehen, erläutert auch Klimaforscher Niklas Höhne vom New Climate Institute. "Die Wissenschaft geht heute von sehr viel gravierenden Auswirkungen für ein bestimmtes Temperaturniveau aus als noch vor zehn Jahren." Insbesondere die Wahrscheinlichkeit von Kipppunkten sei heute erheblich höher, also Punkten, ab denen sich negative Entwicklungen deutlich beschleunigen. "Damit sind die Auswirkungen des aktuellen Szenarios mit den höchsten Emissionen in etwa so gravierend, wie es vor zehn Jahren vom Worst-Case-Szenario erwartet wurde."
Die Welt steuere laut UNO-Umweltprogramm immer noch auf rund 2,8 Grad globale Erwärmung bis 2100 zu, mit immer noch verheerenden Folgen, so etwa das deutsche Umweltministerium. "Was eine Welt allein mit 1,5-Grad Erwärmung bedeutet, ahnen wir bereits heute: mehr Dürren, Hitzewellen, Waldsterben, Überschwemmungen oder anderen Wetterextreme."
Die Forscher haben auch eine Erklärung für die neuen Szenarien: Erneuerbare Energien seien jetzt so stark, dass ein unendliches Wachstum der fossilen Energien ausgeschlossen werden könne. "Früher war das tatsächlich wahrscheinlich, weil es keine Alternativen zu den fossilen Energien gab. Die Wissenschaft lag also nicht falsch oder hätte gar Hysterie verbreitet." Die Wissenschaft habe mögliche zukünftige Entwicklungen an die geänderte Realität angepasst.
Das sieht auch Johannes Emmerling vom European Institute on Economics and the Environment in Mailand so. Die Wissenschaft habe sich nicht widerlegt. "Vielmehr hat sich im vergangenen Jahrzehnt dank politischem Momentum, technologischem Fortschritt und ökonomischen Anreizen schon einiges bewegt, um zumindest dieses Worst-Case-Szenario zunehmend unrealistisch erscheinen zu lassen."
Weil der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen in den vergangenen Jahren weiter gestiegen ist, wie van Vuuren erläutert. "Selbst die optimistischsten Szenarien erreichen erst gegen Ende dieses Jahrhunderts wieder etwa 1,5 Grad, nach einem deutlichen Überschreiten dieses Ziels um mindestens 0,2 bis 0,3 Grad."
Das bedeute, dass dem Klimawandel und der Anpassung an ihn mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden müsse. Neben intensiven Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen müssten auch Anstrengungen unternommen werden, CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen.
12.08.2024, Niedersachsen, Hannover: Menschen verweilen auf dem Kronsberg, während am Horizont die Sonne untergeht. Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++ dpa-Bildfunk +++.






