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KI als "Game Changer" im Gesundheitswesen

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KI wird künftig immer mehr Aufgaben übernehmen
©APA/APA/AFP/DAMIEN MEYER
Die Künstliche Intelligenz (KI) ist dabei, die Gesundheitsversorgung völlig zu verändern. Entscheidend wird ihr Einfluss auch auf genauere Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen sein. Dies erklärten Experten am Freitag bei den Praevenire Gesundheitsgesprächen in Alpbach (bis 12. Juli).

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"Schon vor neun Jahren war die KI besser im Vermeiden von falsch negativen Befunden in der Brustkrebs-Früherkennung. In Zukunft werden beispielsweise medizinische Dokumentationspflichten weitgehend automatisiert sein", sagte Reinhard Riedl, Digitalisierungsexperte der Fachhochschule Bern.

Artificial Intelligence bringe eine enorme Beschleunigung der Verarbeitung komplexer Daten. "Die Swiss Re (zweitgrößter Rückversicherer der Welt; Anm.) setzt massiv auf Künstliche Intelligenz. Sie erspart sich ein paar hundert Millionen an Auszahlungen. Aber der eigentlich dramatische Effekt ist die Berechnung von Polizzen. Die Berechnung einer Prämie verkürzt sich von fünf Wochen auf einen halben Tag", sagte Riedl. Solche Systeme könnten im Gesundheitswesen sowohl Finanz- als auch Personalprobleme lösen und gleichzeitig die Versorgungsqualität erhöhen.

Prinzipiell wird bei den unterstützenden KI-Systemen zwischen zwei Philosophien unterschieden: Entweder bereitet das Computerprogramm eine Entscheidung vor, der Mensch trifft sie dann zum Schluss oder der Mensch trifft die Entscheidung - und das Computerprogramm warnt vor schwerwiegenden Fehlern. Im Gesundheitswesen könnte Künstliche Intelligenz zum Beispiel die Früherkennung von sich anbahnenden Erkrankungen nach vorne verlegen und/oder Hochrisikopersonen so gut identifizieren, dass viele Tests unnötig werden.

Der Salzburger Labormediziner Hans Georg Mustafa stellte beispielsweise solche Systeme zur Berechnung des Risikos von Menschen vor, in ein endgültiges Nierenversagen mit Dialyse oder Nierentransplantation zu rutschen. Anhand von wenigen Parametern und den entsprechenden Berechnungsmodellen ließen sich gut und frühzeitiger Gefährdete identifizieren.

Im frühesten Stadium einer sich entwickelnden Niereninsuffizienz kann durch eine entsprechende medikamentöse Behandlung eine solche Entwicklung im günstigen Fall sogar gestoppt werden. "Da bin ich nicht mehr beim Verzögern des Fortschreitens, sondern beim Verhindern (eines endgültigen Nierenversagens; Anm.", sagte Mustafa.

Eine Revolution könnte sich durch KI auch bei der Dickdarmkrebs-Vorsorge ankündigen. "Mit dem Programm LGI-Flag versuchen wir, aus dem Blutbild ein Dickdarmkrebsrisiko zu errechnen", erklärte der Labormediziner. Das könnte zum Beispiel zu einer Konzentration der weiteren Vorsorgeuntersuchungen (Koloskopie etc.) auf jene Personen führen, bei denen die Blutbildauswertungen für eine erhöhte Gefährdung sprechen.

Aus den Vereinigten Staaten gibt es dazu bereits Daten aus der realen Welt. Dort wurden knapp 26.000 Blutbilder auf ein mögliches Dickdarmkrebsrisiko analysiert. Bei 706 Personen zeigte sich eine "rote Flagge" (2,76 Prozent). 370 Betroffene stimmten einer Dickdarmspiegelung zu. 29 Prozent davon hatten Darmpolypen, weitere 22 Prozent fortgeschrittene (noch) gutartige Adenome, elf Prozent sonstige Befunde und acht Prozent ein Dickdarmkarzinom. Damit wurde die Koloskopie achtmal zielgenauer durchgeführt als sonst.

Mustafa: "Man könnte die Blutbildanalyse zum Beispiel bei Personen durchführen, die keinen FIT-Stuhltest machen wollen." KI könnte also zu einer größeren Beteiligung an Vorsorgeuntersuchungen durch Konzentration auf die am meisten gefährdeten Personen fördern.

Fazit, so der Vorstand der Urologischen Universitätsklinik der MedUni Wien/AKH, Shahrokh Shariat: "Wenn ein Patient zu einem Arzt kommt, fragt, ob dieser Künstliche Intelligenz verwendet und dieser sagt 'Nein', dann sollte der Patient schnell wieder gehen." Auch in der Urologie sei bei der Prostatakrebs-Früherkennung weitaus mehr Zielgenauigkeit möglich und notwendig. Shariat: "In Österreich werden 50 Prozent der PSA-Tests bei Männern über 70 durchgeführt. Aber die Männer unter 70 Jahren bekommen nur 20 bis 30 Prozent dieser Untersuchungen." Dabei ist die jüngere Gruppe am ehesten durch diese Krebserkrankung gefährdet.

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