ABO

Hitze in der Schule wird zur Belastungsprobe

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Bauliche Maßnahmen in Schulen können Abhilfe schaffen
Das Problem der Hitzebelastung wird sich in nächster Zeit weiter verschärfen. Auch in den Schulen werden die hohen Temperaturen als Belastung gesehen, wie 88 Prozent bei einer Umfrage unter mehr als 1.500 Personen angaben. 74 Prozent hatten Konzentrationsschwierigkeiten, 74 Prozent litten unter Müdigkeit und Erschöpfung und 58 Prozent unter Kopfschmerzen. 66 Prozent fällt es schwer, dem Unterricht zu folgen, sagten die befragten Kinder laut Wissenschafter Martin Schneider.

von

Die Umfrage unter 1.500 Personen an fünf Schulen wurde im Rahmen des vom Austrian Institute of Technology (AIT) und der Technischen Universität Wien (TU) geleiteten Citizen-Science-Projekts namens "Climate Ready Schools" erstellt, in dem untersucht wird, wie Hitzebelastung wahrgenommen wird, wie sie sich auf das Lernen auswirkt und welche Maßnahmen ergriffen werden können. Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Direktionen sollen dabei gemeinsam an Lösungen arbeiten - von Verhaltensanpassungen wie morgendlichem Querlüften bis zu Investitionen in die Gebäudeinfrastruktur, also beispielsweise die Anschaffung von Sonnenschutz und Lüftungssystemen.

97 Prozent der im Mai und Juni 2025 Befragten sagten, dass es im Juni mindestens eine Woche zu heiß in der Schule ist. Aktuelle Klimaprojektionen deuten laut Schneider sogar darauf hin, dass in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts Mai und September ähnliche Temperaturmuster aufweisen werden, wie aktuell der Juni. Deshalb sind 91 Prozent der Befragten überzeugt, dass an der Schule etwas gegen Hitze unternommen werden sollte. "Wir sollten jetzt schon beginnen, Schulen hitzeresilient zu machen", betonte Schneider im APA-Gespräch.

Laut dem Meteorologen haben sich seit der Klimaperiode 1961 bis 1990 die Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad in Wien von zehn auf 30 verdreifacht und auch die Sommertage mit Temperaturen über 25 Grad sind um rund 70 Prozent angestiegen. Seit den 2000er-Jahren nehme ihm zufolge deren Anzahl auch in den Übergangsmonaten Juni und September merkbar zu und betrifft somit auch vermehrt den Schulalltag.

Messungen an sechs am Projekt beteiligten Schulen sollen nun wissenschaftliche Daten zur Situation in den Klassenzimmern liefern. Es wurden Messgeräte installiert, die Lufttemperatur und -feuchtigkeit dokumentieren. Zudem mussten Schülerinnen und Schüler genau Protokoll führen: Wie ist das eigene Empfinden, wann und wie gelüftet wird, wie ist die Außenbeschattung, wann ist der Raum nicht besetzt, weil die Kinder und Jugendlichen etwa im Physik- oder Turnsaal sind?

Eine erste Messkampagne gab es im vergangenen Jahr am Camillo Sitte Bautechnikum in Wien und am Don Bosco-Gymnasium in Unterwaltersdorf in Niederösterreich. Dort wurden Temperatur- und Luftfeuchtemessungen in fünf Klassenzimmern durchgeführt. Der überwiegende Anteil der Unterrichtszeit im Juni wurde in der Darstellung eines Behaglichkeitsfeldes als "nicht behaglich" klassifiziert. An zahlreichen Tagen lag die Innenraumtemperatur jenseits der 27 Grad. Derzeit findet eine weitere Messkampagne am GRG23 in Wien und im BG/BRG Bruck an der Leitha in Niederösterreich statt. "Am 26. Mai hatten wir den ersten 30er im Klassenraum", so Schneider.

Dabei stellten die Forschenden kein Stadt-Land-Gefälle fest, sagte Schneider. Während die Nachtlüftung im ländlichen Raum vielleicht effizienter ist, weil es nachts stärker abkühlt, war die Sonneneinstrahlung im städtischen Raum weniger heftig, weil rundherum mehr Gebäude als Beschattung fungierten. Die Ergebnisse des Projekts zeigen bisher, dass es in der Klimaanpassung an Schulen keine universelle Einzelmaßnahme gibt. Das sei auch nicht das Ziel gewesen, sagte der Wissenschafter. Vielmehr sollten "möglichst viele Lösungen" gefunden werden, um "für jeden eine passende" zu finden, sagte Schneider.

"Junge Menschen reagieren besonders empfindlich auf Hitzebelastung, weil sie schneller Flüssigkeit verlieren und ihr Körper schlechter abkühlt im Vergleich zu Erwachsenen. Hitze in Schulen ist daher kein Komfortproblem, sondern ein evidenzbasiertes Gesundheits- und Bildungsrisiko", warnte die Umweltmedizinerin Daniela Haluza.

(S E R V I C E - Informationen zu dem Thema unter www.climatereadyschools.at)

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER