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Großstädte könnten bis 2100 weniger wachsen als gedacht

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Forscher richten Blick auf Entwicklung von Metropolen
Wenn Länder sich dahin entwickeln, dass mehr Menschen in Städten leben, schwächt sich der Zuzug in die allergrößten Städte mit der Zeit etwas ab, berichten Wiener Komplexitätsforscher und Kollegen im Fachjournal "PNAS". Dieser bei zunehmender Urbanisierung auftretende Effekt führe dazu, dass bis 2100 deutlich weniger Personen in Städten mit über einer Million Einwohnern leben, als in bisherigen Prognosen vermutet. Demnach gäbe es dort 450 Millionen weniger Millionenstädter.

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Die Komplexitätswissenschafter Andrea Musso, Diego Rybski, Dirk Helbing und Frank Neffke haben auf Basis von Satelliten- und Meldedaten die Urbanisierung in zahlreichen Ländern der Erde im Zeitraum von 1975 bis 2025 erfasst. So entstand u.a. ein Raster mit einer Auflösung von einem mal einem Kilometer, in dem es für jedes Quadrat eine Einschätzung dazu gibt, ob es eine städtische oder ländliche Fläche ist. Die Entwicklung von urban geprägten Arealen über die Zeit half den Forschenden von der ETH Zürich, vom Complexity Science Hub (CSH) Wien, vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung in Dresden und der Interdisziplinären Universität für digitale Transformation (IT:U) in Linz abzuleiten, nach welchen übergeordneten Regeln sich die Bevölkerungsverteilung entwickelt.

Die zentrale Erkenntnis aus der Analyse ist, dass ein reines Fortschreiben der aktuell zu beobachtenden Urbanisierungstrends die künftige Bevölkerung in Millionenstädten eher überschätzen dürfte. In den Daten zeige sich nämlich eine Entwicklung, die sich in vielen Ländern wiederholte: Mit zunehmender Verstädterung wachsen die größten Städte nicht mehr über Gebühr weiter und kleinere Städte werden attraktiver, berichten die Forscher.

Setzt die Urbanisierung in einem Land richtig ein, erhalten die größten Metropolen zunächst tatsächlich einen veritablen Wachstumsschub: Sie legen im Schnitt um 7,3 Prozent schneller zu als kleinere Ballungsräume. Mit der Zeit nimmt ihre anziehende Wirkung aber ab, und große wie kleine Städte wachsen durchschnittlich gleich rasch. Das zeigen vor allem Daten aus den USA und Europa, wo die Verstädterung schon weiter fortgeschritten ist.

Während die weltweite Bevölkerung in Millionenstädten von geschätzt elf Prozent im Jahr 1975 auf aktuell vermutlich um die 24 Prozent anstieg, wie es in einer CSH-Aussendung heißt, würde sie - den neuen Analysen folgend - bis zum Jahr 2100 auf voraussichtlich 38 Prozent anwachsen. Damit läge der Millionenstädter-Anteil um vier Prozentpunkte oder 450 Millionen Menschen unter jenem Wert, der sich aus dem reinen Fortsetzen der momentanen demographischen Entwicklung ergeben würde, rechnet das Team in der Publikation vor.

"Die Erkenntnis, dass das Wachstum von Städten einem berechenbaren Lebenszyklus folgt, ist für Entscheidungsträger von großer Bedeutung. Das Wissen kann als Grundlage für die Infrastrukturplanung, Klimaanpassungsstrategien und Prognosen des künftigen Wirtschaftswachstums dienen", zeigt sich Neffke überzeugt.

Service: Die Publikation online: https://doi.org/10.1073/pnas.252943012 ; Darstellung mit Datenvisualisierungen der Forschenden: https://megacities.ch

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