ABO

Für mehr Wirkung: Klima-News müssen individuelle Bedürfnisse decken

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
3 min
Seit zehn Jahren wird intensiver und differenzierter über Klima berichtet
©SCHNEIDER, APA, HARALD SCHNEIDER
Der Klimawandel war in den vergangenen Jahren immer wieder ein Kernthema der medialen Berichterstattung. Doch wie reagieren Nachrichtenkonsumenten darauf? Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Uni Graz versuchte herauszufinden, welche Effekte Medienberichte über das Klima beim Publikum auslösen. Geht es nach den Ergebnissen, können Nachrichten durchaus zum klimafreundlichen Verhalten ihrer Rezipienten motivieren - allerdings unter bestimmten Bedingungen.

von

News auf Google bevorzugen

Allen voran müsse die Berichterstattung eine ausgewogene Balance zwischen Bedrohung und Lösungen beim Thema Klimawandel finden. Medien würden Menschen auch eher dann motivieren, wenn sie bei den "Lebensbedingungen differenzieren", so Projektleiterin Marie Kogler zur APA. Das könne bedeuten, auf bereits vorhandene Infrastruktur und Maßnahmen hinzuweisen, "oder man erklärt, warum es wichtig ist, Angebote gerade in dieser Region zu etablieren". Beim oft wichtigen Autoverkehr am Land hieße das etwa, neben den Klimafolgen der erzeugten Abgase auch kritisch auf fehlende Verkehrsangebote hinzuweisen.

Mit immer neuen Hitzerekorden und anderen Klimaphänomenen spitzen sich auch die Schlagzeilen zu. Zwar müssten Redakteure "über Hitzetage sprechen und Leuten die Konsequenzen erklären", so die Forscherin vom Institut für Umweltsystemwissenschaften der Uni Graz. Nachrichten zur Systemebene, also über politische Maßnahmen oder Technologien, seien aber für "viele Personen nicht greifbar". Neben den Systemdebatten könne ein zusätzlicher Perspektivenwechsel, "was für Individuen möglich ist, wie sie ihr Leben ausgestalten können", zu mehr Aktivität motivieren.

Ambivalente Ergebnisse zeigen Untersuchungen mittels Magnetresonanztomografie (MRT), die ergänzend von einem neurowissenschaftlichen Team der Medizinischen Universität Wien durchgeführt wurden. Vorläufige Befunde würden zwar darauf hindeuten, dass das Gehirn negative Klimaaussagen etwas schwerer verarbeiten könnte. Allerdings seien die Reaktionen auf lösungs- und bedrohungsorientierte Nachrichten ähnlich ausgefallen.

Bei manchen Lesern entstünde Unmut durch die Wiederholung, so die Forscherin: "Jetzt ist schon wieder ein Hitzetag, jetzt ist schon wieder der heißeste Sommer." Allerdings stimme es nicht, dass Zeitungen besonders die Bedrohungsszenarien ausmalen würden. Die Zahl lösungs- und bedrohungsorientierter Artikel seit 2016 sei nämlich ausgeglichen, wie eine Medienanalyse von circa 100.000 Klimanachrichten aus den neun auflagenstärksten Medien in Österreich von 2002 bis 2023 nahelegt. Seit zehn Jahren werde intensiver und differenzierter über Klima berichtet, wie die Analyse ergab.

Eine umweltpsychologische Masterarbeit im Rahmen des vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts soll noch weitere Hinweise zum Phänomen "climate news avoidance" liefern. Menschen, die Klimanachrichten eher meiden, kritisieren den Expertinnen und Experten zufolge oft eine Bedrohungsorientierung. Aber: "Diese Leute haben in unserer Studie diese bedrohungsorientierten Nachrichten trotzdem gelesen", erklärte Kogler. Warum das so sei, müsse weiter erforscht werden. Eine Unzufriedenheit mit der Berichterstattung bedeute nicht, dass Menschen kein Interesse daran hätten, sich über den Klimawandel zu informieren. Das Forschungsprojekt läuft noch bis Jahresende, die Ergebnisse will man an Journalisten und NGOs sowie an Politiker weitergeben.

++ THEMENBILD ++ ZU APA0125 VOM 3.8.2026 - Die anhaltende Trockenheit, Hitze und Dürre setzen der Vegetation in Österreich weiter zu. Im Bild: Eine Sonnenblume auf einem bereits großteils ausgetrocknetem Sonnenblumenfeld, am Montag, 03. August 2026 in Niederösterreich.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER