ABO

Bücher und Lehrerfortbildung für neue AHS-Fächer in Arbeit

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Wiederkehr will Schulbücher auch für die neuen Fächer
©APA/APA/HELMUT FOHRINGER/HELMUT FOHRINGER
An den AHS-Oberstufen bringen die neuen Lehrpläne ab dem Schuljahr 2027/28 zwei Stunden "Demokratie und Medien", Informatik wird um eine Stunde und das Thema KI erweitert. Trotz der kurzfristigen Einführung, die erst Anfang Juli im Nationalrat abgesegnet wurde, soll es schon für den ersten Jahrgang qualitätsgesicherte Unterrichtsmaterialien und entsprechend ausgebildete Lehrkräfte geben. Die Vorbereitungen dafür laufen laut Bildungsressort bereits.

von

Durch eine verlängerte Frist sollen Verlage noch bis Herbst Schulbücher für die neuen Gegenstände zur Approbation einreichen können. In der Regel können nur vom Ministerium abgesegnete Bildungsmedien später über die Schulbuchaktion kostenlos von den Schulen bezogen werden. Normalerweise dauert dieser Prozess ein bis zwei Jahre. Diesmal ist, 13 Monate bevor das Buch - gedruckt oder digital - in den Klassen liegen soll, noch nicht einmal die dazugehörige Lehrplanverordnung veröffentlicht. Sie ist noch bis Dienstag (11. August) in Begutachtung.

Trotzdem arbeiten schon jetzt mehrere Bildungsmedienanbieter intensiv daran, möglichst schnell passende Angebote zu entwickeln, wurde der APA aus der Allianz Bildungsmedien Österreich (ABÖ) versichert. Sollen sie rechtzeitig zu Beginn des Schuljahrs 2027/28 zur Verfügung stehen, bräuchte es jedenfalls "pragmatische Sonderregelungen im Bereich der Qualitätssicherung und der Approbation".

Zusätzlich zu klassischen Schulbüchern will das Ministerium für "Medien und Demokratie" noch "ergänzende Unterrichtsmaterialien" entwickeln lassen, für "Informatik und KI" sei hingegen schon jetzt "ein breites Angebot unterschiedlicher Unterrichtsmaterialien" vorhanden. Ergänzend sollen die Schulen über die "Plattform Lernapps" des Ministeriums qualitätsgesicherte digitale Lernanwendungen abrufen können, mit denen die Jugendlichen die Lerninhalte interaktiv vertiefen und üben können.

Auch mit der Lehrerausbildung für die neuen Fächer soll schon bald begonnen werden: An fünf der 14 Pädagogischen Hochschulen (PH), die für die Fort- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer zuständig sind, ist ab Herbst ein berufsbegleitender Hochschullehrgang für "Medien und Demokratie" im Umfang von 30 ECTS (Arbeitspensum von einem Semester Vollzeitstudium) geplant. Die Inhalte sollen flexibel an die Bedürfnisse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer angepasst werden können. Die in den neuen Oberstufen-Lehrplänen vorgesehenen KI-Inhalte sollen, geht es nach dem Ministerium, von Lehrkräften mit Informatik-Lehramt unterrichtet werden. Deshalb sind für diese statt eines eigenen Hochschullehrgangs nur einschlägige Fortbildungen geplant.

In der AHS-Lehrergewerkschaft sieht man den Zeitplan des Ministeriums skeptisch. Die Schulen müssten etwa schon im Herbst entscheiden, ob sie die neuen Inhalte als eigenes Fach oder integrativ in einem bestehenden Unterrichtsgegenstand anbieten wollen, obwohl die Schulungen zu den neuen Lehrplänen erst danach stattfinden. Und die PHs wüssten derzeit noch nicht einmal, was genau sie den Lehrkräften in ihren Fortbildungen vermitteln sollen, kritisierte der Vorsitzende Georg Stockinger (FCG) im APA-Gespräch. Er befürchtet ähnliche Probleme wie beim 2022 eingeführten Pflichtfach "Digitale Grundbildung", wo es laut dem Lehrervertreter immer noch zu wenige dafür geschulte Lehrkräfte gibt und für das immer wieder einfach jene Kolleginnen und Kollegen eingeteilt werden, denen noch Stunden fehlen. "Es fehlt uns mindestens ein Jahr für eine seriöse Umsetzung, wenn nicht zwei."

Die Einführung der neuen Fächer war von Beginn an durchaus umstritten. Der Widerstand richtete sich dabei nicht so sehr gegen das Anliegen von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS), die Jugendlichen intensiver im kritischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz und Medien zu schulen, sondern gegen die im Gegenzug geplanten Stundenkürzungen bei Latein bzw. der Zweiten lebenden Fremdsprache (zwei Stunden) und den Wahlpflichtfächern (eine Stunde).

Nach Protesten von Lehrergewerkschaft, Politik und Prominenz aus Kultur und Wissenschaft einigte Wiederkehr sich mit den Schul- und Koalitionspartnern schließlich darauf, dass AHS mit schulautonomer Stundentafel - das sind 90 Prozent der Standorte - die entsprechenden Stunden alternativ in anderen Fächern kürzen bzw. "Medien und Demokratie" oder "Informatik und KI" schulautonom im Rahmen anderer Gegenstände integriert unterrichten können. Nur die Gesamtstundenzahl muss gleich bleiben.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER