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Die bahnbrechende Amerikanische Revolution, die letztlich zur Unabhängigkeit führte, ihre Folgen oder auch der Freiheitsgedanke seien das Einzige, worüber Trump sprechen wolle, so Politikwissenschafterin Ljiljana Radonić zur APA: "Er will nicht über die Sklaverei, über Kolonialismus sprechen, und er erträgt gar nicht, dass Geschichte immer zwei Dinge zugleich ist." Natürlich sei die Amerikanische Revolution als "Geschichte der Emanzipation und des Freiheitskampfes" tatsächlich zu feiern. "Auf der anderen Seite sind wir in der schwierigsten Zeit für die USA seit sehr langem, und das Verständnis von Demokratie, das Trump prägt, ist wirklich gefährlich", so die stellvertretende Direktorin des ÖAW-Institutes für Kulturwissenschaften (IKW).
"Wenn man auf die Geschichte der USA blickt, zumindest im späten 20. sowie im 21. Jahrhundert, sieht man, dass sich das Geschichtsbewusstsein der Amerikaner und die Erinnerungskultur verändert haben", sagte IKW-Direktor und Historiker Johannes Feichtinger. Die Nation habe sich ab den 1980er Jahren - gleich wie Europa - "ein postheroisches, reflexives Erinnern" angeeignet, also viel in die Aufarbeitung der Geschichte investiert. "Vor diesem Hintergrund könnte man sagen, dass das mit Trump vielleicht eine Episode ist. Es gibt ständige Veränderung, und auch nach Trump wird sich wieder etwas verändern."
Aber, so ergänzte Radonić, sei der aktuelle US-Präsident immerhin zum zweiten Mal gewählt worden: "Es ist nicht das erste Hoppala." Man habe gewusst, wen man wählte. "Das heißt, das Mindset jener Menschen, die ihn ein zweites Mal ins Amt hievten, wird nicht so schnell weggehen. Das bleibt eine Herausforderung. Aber für konkrete Maßnahmen wie zum Beispiel Museenumgestaltung ist es sicher nur eine Phase."
Trump hatte per Dekret im Vorjahr versucht, seinen Slogan "Make America Great Again" auch US-Museen wie jenen der Smithsonian Institution aufs Auge zu drücken und damit in die Darstellung der Historie einzugreifen - also eine "Wiederherstellung der Wahrheit" durchzusetzen. Manche auf Grundlage des Dekrets erfolgten Aktionen, zum Beispiel die Schließung einer Ausstellung über Sklaverei, wurden letztlich von der US-Justiz wieder aufgehoben.
Die Versuche einer "Wiederherstellung der Wahrheit" irritieren. Radonić, die selbst viel zu Osteuropa forscht, fühlt sich zum Beispiel an Polen unter der nationalkonservativen, populistischen PiS-Partei. Hier sei "erstmals in unserer Zeit die Idee prominent geworden, dass man die polnische Wahrheit in Bezug auf die Geschichte statt polnische Schande vertreten soll". Das alles gehe einher mit einer illiberalen Demokratie, wie sie auch Trump jetzt prägt. Was dieser zudem gar nicht ertrage, sei, "dass jede Geschichte positive und negative Seiten hat".
Im Jahr 1776 erklärten sich 13 britische Kolonien mit der Unterzeichnung der von Thomas Jefferson verfassten Erklärung für unabhängig und sagten sich damit von der Mutternation los. Im Jahr 1783 fand der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg sein Ende, 1789 trat die US-amerikanische Verfassung in Kraft, George Washington wurde der erste Präsident der USA. Mit der Geburtsstunde der USA ist das in der Verfassung festgehaltene Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück ("life, liberty, and the pursuit of happiness"), auf Basis des Grundsatzes, dass alle Menschen gleich sind ("all men are created equal"), verbunden.
Doch die Geschichte der USA schreibt auch düstere Kapitel zu Sklaverei, Rassismus und Massenmorden an der indigenen Bevölkerung. Eine entsprechende Aufbereitung sei vor allem im späten 20. Jahrhundert massiv vorangetrieben worden. "Das ist mittlerweile derart tief im kollektiven Bewusstsein der Menschen eingedrungen, dass hier keine totale Trendwende zu erwarten ist", so Feichtinger. Zudem sei der Stand der Forschung zu den historischen Schattenseiten der USA "hervorragend", sagten die Experten. Es gebe viele engagierte Wissenschafter, Pädagogen und Lehrkräfte sowie Vermittler, die sich um den klaren Blick bemühen.
Sie erinnerten auch an das US Holocaust Memorial Museum in Bezug auf die Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs - "ein Vorreitermuseum". Auch hier versuche der US-Präsident, etwa über bereits erfolgten personellen Austausch im Leitungsgremium, die Narrative in eine Richtung zu lenken, die den großen Beitrag der USA im Kampf gegen Hitler und die Befreiung Europas in den Vordergrund stellen - und keine heiklen Fragen wie "Warum haben wir Auschwitz nicht bombardiert?" thematisieren.
Trump ist derzeit der 47. Präsident der USA. "Mir ist kein Präsident in den letzten Jahrzehnten bekannt, der sich selbst derart in den Vordergrund stellt, was das Umstellen eines Geschichtsbilds angeht - also im negativen Sinne", sagte Feichtinger. Bei der Umgestaltung hin zu einer konstruktiven Erinnerungskultur, etwa beim Umgang mit Schwarzen oder Indigenen, gebe es hingegen mehrere, darunter auch Lyndon B. Johnson (36. Präsident), Jimmy Carter (39.) oder auch Barack Obama (44.). "Das absolut Neue und Gefährliche an Trump ist diese Verzahnung von Demokratieeinschränkungen und aufoktroyiertem Geschichtsbild", so Radonić.
Die Geburtsstunde der USA ist stark verknüpft mit dem Versprechen der Freiheit, dem oft gefeierten "American Dream" - doch das habe noch nie gegolten, so Feichtinger mit Verweis auf die Situation der Sklaven und "ihren Sklavenhaltern". "Gleichzeitig ist es revolutionär, dass es für diesen auserwählten Kreis der Leute quasi eingeführt wurde", so seine Institutskollegin: "Dass es hier überhaupt Ideale von Freiheit und Gleichheit gibt, ist geschichtlich ein Meilenstein." Andererseits sei es eben auch eine große Geschichtslüge.
Mythos und Meilenstein - "es ist beides zugleich". Das seien eben diese Ambivalenzen, die es in der Geschichte auszuhalten gibt, so die Experten. Und dieser Spirit werde auch Trump standhalten, denn man dürfte die Macht der Institutionen - der Universitäten, der Museen, der Schulen - in den USA trotz der Interventionen nicht unterschätzen. "Es sind nicht alle Museen Smithsonian-Museen und Nationalparks, für die der Kongress zuständig ist, sondern es gibt ja unzählige Initiativen darüber hinaus, also in den Bundesstaaten, aber auch privater Art - und hier hat die Regierung nicht im geringsten Maße einen Zugriff", so Feichtinger: "Das schützt im Grunde genommen eine pluralistische Erinnerungskultur."
PASADENA, CALIFORNIA - JUNE 17: The stars and stripes, the national flag of the USA flutters during the FIFA Club World Cup 2025 group E match between CF Monterrey and FC Internazionale Milano at Rose Bowl Stadium on June 17, 2025 in Pasadena, California. Stu Forster/Getty Images/AFP (Photo by Stu Forster / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP)
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA
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