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Regisseurin Rabl deckt Borkenkäfer und Geheimnisse auf

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Katharina Rabl beleuchtet Borkenkäfer und Familiengeheimnisse
©APA, GEORG HOCHMUTH
Katharina Rabl katapultiert in ihrem Langfilmdebüt "Erinnerungen eines Waldes" eine Doktorandin nach dem Tod ihrer Großmutter zurück auf den kriselnden Hof der Eltern. Dort geht es in den Wald zum Bäume fällen, während Borkenkäfer und Familiengeheimnisse unter der Oberfläche lauern. Im APA-Interview spricht die gebürtige Waldviertlerin über Erbe als Bürde, philosophiert über Leerstellen und warnt vor der Mühle der Selbstausbeutung.

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APA: "Erinnerungen eines Waldes" ist Ihr Langfilmdebüt, und damit sind Sie sogleich auf der Viennale gelandet. Wie fühlt sich das an?

Katharina Rabl: Ich habe es gar nicht glauben können. Es fühlt sich ein bisschen nach Homecoming an, weil ich jetzt auch wieder von München zurück nach Wien gezogen bin. Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als ich selbst zur Viennale gegangen und in den Ticketschlangen gestanden bin. Jetzt freue ich mich umso mehr, in der schönsten Stadt der Welt auf diesem tollen Festival den Film präsentieren zu dürfen.

APA: Sie kommen ursprünglich aus dem Waldviertel, und der Film spielt im ländlichen Niederösterreich. Inwieweit spielen eigene Erfahrungen mit in das Werk hinein?

Rabl: Natürlich sind Beobachtungen und persönliche Erfahrungen im Film drinnen. Aber ich bin nicht Frieda, die Hauptfigur des Films. Der Film basiert auf einem dramatisierten Drehbuch, das ich mit Autorin Karla Cristóbal gemeinsam geschrieben habe. Die Geschichte hat ihren Ursprung in der Region, in der ich aufgewachsen bin. Aber wir haben uns ganz grundsätzlich die Frage gestellt, was passiert, wenn sich Erbe, materiell oder emotional, als eine Bürde herausstellt.

APA: In Ihrem Film ist auch abseits davon ganz schön viel drinnen: die große Entscheidung für einen Lebensweg, geplatzte Träume, Geheimniskrämerei, Traumata, Mutter-Tochter-Beziehungen, das harte Leben am Land, die vom Borkenkäfer gebeutelte Forstwirtschaft. Ist Ihnen eines dieser Themen ein besonderes Anliegen?

Rabl: Es ging mir nicht darum, ein spezielles Thema herauszugreifen. Ich wollte weder einen klassischen Stadt-Land-Konflikt erzählen noch einen Film über Klassismus machen. Auch wollte ich nicht transgenerationale Traumata abhandeln. Ich wollte mich vor allem mit der Frage beschäftigen, wie frei wir in unseren Lebensentscheidungen eigentlich sind. Wie wirken gesellschaftliche oder familiäre Erwartungshaltungen auf uns ein, wie kann man weitergehen, ohne Menschen zurückzulassen, für die man sich verantwortlich fühlt, und ist es überhaupt möglich, sich von der Herkunft zu lösen, ohne auch etwas Wichtiges zu verlieren?

APA: Mit dem Abholzen des geerbten Waldes und dem parallelen Aufdecken von Familiengeheimnissen wurden dafür sehr schöne Bilder gefunden ...

Rabl: Der Wald war Projektionsfläche für die Erzählung, die Geheimnisse, die Ideen, die die Familie verhandelt. Mit dem Wald schauen wir in die Vergangenheit. Wie ich begonnen habe, an dem Stoff zu schreiben, war ich selbst im Waldviertel, und da war die Borkenkäferkrise sehr akut. Die Landschaft dort ist stark von Wäldern geprägt. Und plötzlich wurde sehr viel gerodet, es entstanden Leerstellen. Womit füllen wir diese? Ist eine Leerstelle notwendig, um von vorne anfangen zu können oder mit einer neuen Idee durchzustarten? Und der Borkenkäfer brodelt unter der Oberfläche - wie auch die Geheimnisse in der Familie.

APA: Wenn man zurück zu den Eltern kommt, rutscht man häufig, ohne es zu wollen, in die Rolle von damals zurück. Frieda muss dann aber ihrer Familie aushelfen, weil sie nicht mitansehen kann, wie Vater und Mutter leiden. Wie viel schuldet man der eigenen Familie? Darf man sich ein Leben in Wien aufbauen, wenn der Hof daheim gehörig strauchelt?

Rabl: Das ist ein Thema, das man ein Leben lang verhandelt. Inwieweit kann ich autonom sein und meinen eigenen Bedürfnissen nachgehen und wann ist es notwendig, als soziales Gefüge zu denken? Es ist ein Balanceakt, und speziell im Falle von "Erinnerungen eines Waldes" gibt es einen Punkt, an dem Frieda ihre eigenen Bedürfnisse zu stark vernachlässigt. Es gibt kein Vorankommen, sie tritt gewissermaßen in die Fußstapfen ihrer verstorbenen Großmutter. Sie opfert ihre eigenen Ideen von dem Leben, wie es für sie aussehen sollte, und gerät in eine Mühle der Selbstausbeutung. Das ist ein sehr weiblich tradiertes Narrativ.

APA: Sie entführen an einen wortkargen, traurigen Hof. Gefühle und Vergangenheit werden hier zumindest aktiv nicht thematisiert. Die Gesichter sind steinern und kalt. Das ist nicht gerade der einfachste Stoff. War der Dreh anstrengend?

Rabl: Der Dreh war anstrengend, aber nicht aufgrund des Inhalts. Ich empfinde diesen Hof auch als gar nicht so traurig. (lacht) Er trägt sehr viel Last aus der Vergangenheit mit sich. Aber es wird dort noch etwas verhandelt, den Menschen bzw. Figuren geht es zumindest noch um etwas! Die Dreharbeiten waren vor allem schwierig, weil wir die Handlung in einem Dürresommer angesiedelt haben. Wir haben im Juli 2025 gedreht - der war von Unwettern geprägt. Von 23 Drehtagen hatten wir vier mit Sonne. Der Rest waren Regentage. Das ist für ein Filmteam, das viel mit Außenmotiven und in Wäldern arbeitet, ohne großen Puffer extrem herausfordernd. Im Wald zu drehen, ist auch gefährlich. Holzarbeit ist sehr spannungsgeladen, es kann jederzeit was passieren. Julia Windischbauer und Lukas Walcher haben das Holzfällen selbst in einem Workshop mit meinem Vater gelernt. Sie hatten keine Stuntdoubles. Mein Vater hat sie dahin gebracht, dass sie mit einer Motorsäge einen Baum fällen konnten. Das hat schon ziemlich lange gedauert, bis wir diese Szenen sicher drehen konnten.

APA: Der Schweiß von Julia Windischbauer ist also echt?

Rabl: Der Schweiß ist echt! (lacht)

APA: Das Verhältnis von Mutter und Tochter ist sehr angespannt, wobei es nicht viele Worte braucht, um das deutlich zu machen. Julia Windischbauer und Johanna Orsini-Rosenberg transportieren die schwierige Beziehung der beiden zueinander sehr gut. Ein Glücksgriff?

Rabl: Der Castingprozess war sehr intensiv und lange, weil wir viel ausprobiert haben. Als die Figuren entstanden, hatte ich noch keine konkrete Besetzungsidee, habe aber Julia Windischbauer schon lange gekannt. Beim Casting war dann klar, dass sie Frieda spielen wird. Mit ihr haben wir dann in mehreren Runden die Mutterfigur gecastet. Zwischen Julia und Johanna Orsini hat sich schnell eine sehr gute Zusammenarbeit entwickelt, man hat bereits im Casting gemerkt, dass da etwas Spannendes entstehen kann.

APA: Sie greifen die Hoffnung vieler Menschen auf, dass es die Kinder und Enkelkinder mal besser haben werden. Die Oma pflanzte dafür einen Wald. Mit dem Borkenkäfer zerfrisst ein Klimawandelgünstling diesen und macht ihn wertlos. Versteckt sich darin ein Kommentar?

Rabl: Es steht jedem frei hineinzuinterpretieren, was man möchte. Der Film gehört allen. Zugleich war mein Interesse, anhand der Familie etwas Parabelhaftes zu erzählen. Wie haben Entscheidungen von damals Auswirkungen auf das Jetzt? Das kann auf einer klimatischen Ebene betrachtet werden, andererseits aber auch auf einer tiefen emotionalen Ebene. Was geben wir unseren Kindern weiter, ohne es überhaupt auszusprechen? Welche Sehnsüchte, Ängste und unerfüllten Wünsche werden zu Erwartungen, die die nächste Generation glaubt erfüllen zu müssen?

APA: Rund um die Filmbranche und speziell Förderungen gab es zuletzt immer wieder Wirbel. Wie lebt es sich gegenwärtig als junge Filmemacherin in dieser Branche?

Rabl: Ich kann nicht für ein gesamtes System sprechen. Aber die Filme, die wir jetzt sehen, sind ein Blick in die Vergangenheit. Sie wurden zu einem anderen Zeitpunkt finanziert. Wir müssen auf die staatliche Filmförderung gut aufpassen und sie bewahren. Filme, die man auf der Viennale sieht, sind zum Teil erst dadurch realisierbar. Mein erster langer Film landet in einer Zeit, in der man hört, dass es sich um Krisenjahre handelt. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als weiterzumachen und Geschichten zu erzählen. Ich hoffe, dass die Regierung sieht, dass Filmkultur etwas ganz Besonderes ist, das unterstützt gehört.

APA: Nach der Viennale kommt der Film im ersten Quartal 2027 regulär in die Kinos. Arbeiten Sie zu dem Zeitpunkt schon an etwas Neuem?

Rabl: Ich arbeite an einem neuen Projekt, kann aber thematisch noch nichts Genaueres dazu zu sagen. Dazu steht es noch zu sehr am Anfang.

(Das Gespräch führte Lukas Wodicka/APA)

(S E R V I C E - www.viennale.at/erinnerungen-eines-waldes ; www.polyfilm.at/erinnerungen-eines-waldes/ )

Regisseurin Katharina Rabl am Dienstag, 27. Oktober 2026, im Rahmen eines Interviews mit der APA - Austria Presse Agentur, anlässlich der 64. Viennale in Wien.

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