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Akademie vergibt Lieben- und zweimal Bader-Preis

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Der Ignaz L. Lieben-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) geht heuer an den Biophysiker Edouard Hannezo vom Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg. Ihm wird die älteste Auszeichnung der Akademie am Mittwoch (13. Mai) überreicht, teilte die ÖAW mit. Zudem verleiht die Gelehrtengesellschaft den Bader-Preis heuer zweimal, nämlich an Svit Komel und Tijana Rupčić. Die Preise sind mit je 36.000 US-Dollar (30.586,24 Euro) dotiert.

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Edouard Hannezo, der seit 2017 am ISTA forscht und seit 2022 als Professor tätig ist, wird für seine interdisziplinäre Arbeit "an der Schnittstelle von theoretischer Physik und Biologie, insbesondere für seine Beiträge zum Verständnis kollektiver Zellbewegungen und der Entstehung komplexer Gewebestrukturen" ausgezeichnet. Mit mathematischen und computergestützten Modellen untersuche er die physikalischen Prinzipien der Selbstorganisation von Zellen zu Organen und Embryonen. Seine Gruppe habe zeigen können, dass eine Vielzahl biologischer Phänomene auf chemischen Reaktionen durch mechanische Energie basiert - von Signalwellen in Epithelgeweben bis hin zu Verzweigungsmustern in Drüsen und Nieren, hieß es seitens der Akademie. Mit dem Lieben-Preis würdigt sie herausragende Forschungsleistungen von Forschenden unter 40 Jahren aus Österreich, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und der Ukraine.

Den "Bader-Preis für die Geschichte der Wissenschaft und Technik", eine Ehrung "ausgezeichneter" wissenschaftlicher Arbeiten, erhält Svit Komel von der Universität Ljubljana (Slowenien) für seine Dissertation, in der er die Abschaffung von Grundlasten und kollektiven Landnutzungsrechten in der Habsburgermonarchie zwischen 1853 und 1895 unter die Lupe nahm. Komel zeige laut ÖAW die agrarpolitische Bedeutung der Grundentlastung - also die Auflösung gemeinschaftlicher Rechte von Bauern an Wäldern und Weiden -, aber auch wie diese mit den veränderten Verhältnissen zwischen Staat, Wissenschaft und lokaler Gesellschaft zusammenhängt.

Tijana Rupčić wird ebenfalls mit einem Bader-Preis für ihre an der Central European University (CEU) abgeschlossene Dissertation geehrt, in der sie die politische und ideologische Dimension elektrischer Infrastruktur im sozialistischen Jugoslawien untersuchte. Ihre Studie belege, dass Stromleitungen und Wasserkraftwerke nicht nur technische Modernisierungsprojekte waren, sondern auch strategische Instrumente, die der Festigung staatlicher Autorität, der Positionierung Jugoslawiens zwischen Ost und West im Kalten Krieg und der Teilnahme an internationalen Kooperationen dienten. Außerdem arbeitete Rupčić heraus, wie der Infrastrukturausbau die wirtschaftlichen Ungleichheiten innerhalb der Föderation verschärfte.

Der nach dem Gründer des Bankhauses Lieben benannte Ignaz L. Lieben-Preis wurde ursprünglich 1863 gestiftet. Seine Vergabe wurde 1938 wegen Verfolgung der Stifterfamilie durch die Nationalsozialisten eingestellt. Durch finanzielle Unterstützung des US-amerikanischen Stifter-Ehepaares Isabel und Alfred Bader konnte der Lieben-Preis reaktiviert und 2004 erstmals neu ausgeschrieben werden. Der 1924 in Wien geborene Chemiker und Kunstmäzen Alfred Bader musste 1938 selbst im Rahmen eines Kindertransports vor dem NS-Regime nach England fliehen.

(S E R V I C E - https://www.oeaw.ac.at/ )

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