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"John & Paul", Harrison und "Rubber Soul": Beatles-Vollkost

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Die Beatles bei einem Auftritt 1966
©APA/APA/dpa/Gerhard Rauchwetter
Gute Zeiten für Beatles-Fans: Das viel gepriesene Buch "John & Paul", das die Beziehung der Ausnahmemusiker Lennon und McCartney beleuchtet, erscheint am Mittwoch auf Deutsch. Autor Ian Leslie hat damit ein neues Standardwerk geschaffen. Mitte Oktober folgt der Bildband "George Harrison: The Third Eye", kuratiert von der Witwe des Beatles-Gitarristen. Schon Anfang Oktober kommt die Neuauflage des Albums "Rubber Soul" in neuem Stereomix und mit Bonusmaterial.

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Der Untertitel von "John & Paul" in der soliden Übersetzung von Conny Lösch - "Eine musikalische Liebesgeschichte" - fasst den Inhalt zusammen, jener des englischen Originals aber präziser: "A Love Story In Songs". Denn Leslie erzählt die Freundschaft, Rivalität und Kreativität (und zwischendurch Feindschaft) zwischen Lennon und McCartney anhand von 43 Songs. Dabei räumt der Autor mit dem weit verbreiteten Narrativ auf, Lennon sei der geistreiche Rocker und die kreative Seele der Band gewesen, McCartney sein Handlanger und bloß der liebe Balladensänger.

"Dieses Buch handelt von zwei jungen Männern, die ihre Seelen miteinander verbanden und ihre Talente dadurch vervielfachten, um schließlich eines der großartigsten Gesamtwerke der Musikgeschichte zu schaffen", schreibt Leslie im Prolog. Jedes Kapitel arbeitet den Zustand der Beziehung der beiden Liverpooler zur jeweiligen Zeit anhand eines Songs auf. Entweder verrät der Text einiges darüber, oder die Art, wie das Lied entstanden ist. Manchmal geht er bei der Liedbeschreibung sehr in die Tiefe, man ist geneigt, den jeweiligen Song sofort nachzuhören, um die detailreiche Theorie nachzuvollziehen.

"John & Paul" besteht aber nicht nur aus (brillanten) Songanalysen, sondern rollt chronologisch die Beatles-Geschichte faktenbasiert und unterhaltsam auf. Vieles wird Fans bekannt vorkommen, aber in Konzentration auf Lennon und McCartney erhält die originelle Biografie eine besondere Dynamik. Auch die Soloarbeiten der beiden Protagonisten bis zum Tod Lennons sind Teil der Erzählung, schließlich verraten diese sehr viel über das damalige Verhältnis der beiden Männer (zwischen feindselig und Versöhnung).

Die Komplexität der Beziehung zwischen den Ikonen wird fast psychoanalytisch aufgearbeitet, aber nie zu trocken, sondern mit lebhaften Schilderungen. Nebenbei verrät der Verfasser u.a., was er für den spektakulärsten Moment im gesamten Beatles-Repertoire hält, wie sich der Drogenkonsum auswirkte, welche Langzeitfolgen der Besuch der Beatles beim Yogi in Indien hatte und welche Doppeldeutigkeit in der vielleicht besten Popsingle aller Zeiten ("Penny Lane"/"Strawberry Fields Forever") steckt. Nicht zuletzt beschäftigt sich Leslie, sachlich und beide Seiten beleuchtend, mit dem hässlichen Ende der Band, das die Freundschaft Lennon-McCartney endgültig vergiftete.

Leslie versteht es, positive Eigenschaften wie Schattenseiten gleichermaßen aufzuzeigen, auf Plattitüden und Klischees lässt er sich erst gar nicht ein bzw. erteilt ihnen eine Abfuhr. Er erklärt die komplexen Hintergründe für das jeweilige Handeln und Befinden der Protagonisten. Bei aller Bewunderung für John Lennon, Paul McCartney und deren Schaffen (der sich wohl auch weniger Beatlesaffine beim Lesen rasch anschließen) verliert sich Leslie nie in purer Heldenverehrung. Ein bisschen rührend darf es manchmal auch sein: "Think about me every now and then, old friend", soll John bei einem der letzten Treffen zu Paul gesagt haben.

Ganz im Zeichen eines dritten Beatle steht "George Harrison: The Third Eye". Der Band enthält mehr als 200, großteils unveröffentlichte Fotografien und Standfotos aus dem Archiv des Gitarristen, Sängers und Songschreibers. Kuratiert von Ehefrau Olivia Harrison soll der Band laut Verlag einen "intimen Blick auf eine Epoche, die die Welt veränderte" gewähren - "und auf die Menschen, die im Zentrum dieses kulturellen Ausnahmezustands standen".

Zwischen 1963 und 1969 nahm Harrison seine Pentax mit auf Reisen rund um den Globus. Er dokumentierte den Weg seiner Band von Liverpool hinaus in die Welt, von der ersten Reise in die USA über Fahrten durch das australische Outback bis hin zu Shoppingtouren in Paris. Die Aufnahmen zeigen die Beatles auf Flughäfen, in Hotelzimmern, Backstage, in Fernsehstudios, in Autos und Tourbussen, unterwegs "zwischen Aufbruch und Ankunft, Euphorie und Erschöpfung". Augenblicke, "die der Öffentlichkeit verborgen blieben", verspricht die Vorankündigung.

Und das sechste Beatles-Album "Rubber Soul" bekommt jetzt auch die lange erwartete Neuauflage. Giles Martin hat dafür einen neuen Stereomix verantwortet (auf LP im Half-Speed-Mastering erhältlich). Aus den Archiven kommen zahlreiche Bonustracks (davon viele instrumental), die Menge variiert je nach Produkt. Neben Boxsets (mit allen Outtakes, Buch, Mono- und Stereo-Version des Originalalbums sowie einstiger US-Fassung) stehen u.a. Doppel-LPs, Standardversionen und eine Blu-Ray (mit u.a. Atmos-Mix), die diesmal nicht in der Box enthalten ist, zur Auswahl. Ein besonderes Zuckerl wartet in Form des bisher weder offiziell noch auf Bootlegs veröffentlichten Lennon-Songentwurfs ("Little Girl").

(Von Wolfgang Hauptmann/APA)

(S E R V I C E - Ian Leslie: "John & Paul", Deutsch von Conny Lösch, Heyne Verlag, 544 Seiten, 29,50 Euro. George Harrison, Colm Tóibín: "George Harrison: The Third Eye", Prestel Verlag, 352 Seiten, 52,50 Euro; www.thebeatles.com )

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