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Der wirklich gute Böse: Christoph Waltz ist 70

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Christoph Waltz feiert einen runden Geburtstag
©Afp, APA, ALBERTO PIZZOLI
So mancher Filmbösewicht erzielt das Grauen mittels diabolischem Grinsen oder furchterregender Fratze. Christoph Waltz hingegen lehrt seine Gegenüber (und das Publikum) mittels kultiviertem Auftreten und vermeintlich konziliantem Lächeln das Fürchten. Damit hat es der gebürtige Wiener von der deutschsprachigen TV-Landschaft in den Olymp Hollywoods geschafft. Am heutigen Sonntag ist der zweifache Oscar-Preisträger nun 70 Jahre alt.

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Bereits früh erarbeitete sich der am 4. Oktober 1956 in Wien geborene Spross einer Theaterdynastie den Ruf eines prägnanten Filmbösewichts mit diabolischer Unbestimmbarkeit, der auch im komödiantischen Fach brillieren kann. Als Sohn des deutschen Bühnenbildners Johannes Waltz und der österreichischen Kostümbildnerin Elisabeth Urbancic entstammt Waltz einem kulturaffinen Haushalt. Seine Großeltern mütterlicherseits waren die Burgschauspielerin Maria Mayen und ein Psychoanalytiker. Zu den Gästen der Familie gehörten Sigmund Freud und Albert Einstein, erzählte Waltz' Mutter einst in ihren Memoiren.

Nach dem frühen Tod des Vaters wuchs der junge Christoph mit zwei Brüdern und einer Schwester primär bei den Großeltern in Wien auf, während die Mutter unter der Woche weiterhin in München arbeitete. Elisabeth Urbancic heiratete später den Dirigenten Alexander Steinbrecher, der zuvor mit Michael Hanekes Mutter Beatrix von Degenschild verheiratet gewesen war. Die beiden heimischen Filmgrößen teilen somit denselben Stiefvater.

Waltz selbst tat sich vor seinem Bühnendebüt am Zürcher Schauspielhaus ("Amadeus") und Engagements an verschiedenen Theatern zunächst mit einem unter älteren Semestern heute noch legendären Auftritt in der ORF-Kindersendung "Am dam des" im Regenbogen-Strickstrampler hervor (https://on.orf.at/video/). Mit einigem Respektabstand folgten Filme wie "Du bist nicht allein - Die Roy Black Story", "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit", "Lapislazuli" und der europäischen Großproduktion "Katharina die Große". Breite Bekanntheit erlangte er daneben nicht zuletzt mit Episodenauftritten in "Derrick", "Der Alte" oder "Kommissar Rex".

2009 dann kam die Karriere erst so richtig in Schwung: Waltz ging zum Casting zu Quentin Tarantino für die Kriegsgroteske "Inglourious Basterds" - und überzeugte den Hollywoodregisseur aus dem Stand, ohne dass die beiden sich zuvor gekannt hätten. Tarantino besetzte ihn als SS-Offizier Hans Landa und dann als Kopfgeldjäger Dr. King Schultz in "Django Unchained" (2012), und für beide Rollen erhielt Waltz neben dem Golden Globe auch den Oscar als bester Nebendarsteller und schuf vor allem mit dem konziliant-diabolischen SS-Offizier Landa eine ikonische Rolle der Filmgeschichte. Die beiden Oscars, sagte er später rückblickend, hätten ihm "totale Freiheit" gebracht, "ein unbeschreibliches Glücksgefühl". Mit dem Eintritt in den Hollywoodolymp wandte sich Waltz, der seine Ausbildung sowohl am Max Reinhardt Seminar in Wien als auch am Lee Strasberg Theatre Institute in New York genossen hatte, voll und ganz dem US-Kino zu.

Dem Rollenfach, das ihm zum späten Durchbruch verholfen hatte, blieb Waltz folglich treu, wobei er stets für namhafte Regisseure vor die Kamera trat. In Michel Gondrys "The Green Hornet" verkörperte er den Untergrundboss Benjamin Chudnofsky, in Paul W.S. Andersons "Die drei Musketiere" den intriganten Kardinal Richelieu, in Roman Polanskis "Der Gott des Gemetzels" den zynischen Anwalt Alan Cowan, in Tim Burtons "Big Eyes" den manipulativen Möchtegernkünstler Walter Keane, in Alexander Paynes Groteske "Downsizing" einen schmierigen Geschäftsmann und für David Yates den belgischen Kolonialisten Rom in "Tarzan".

Der Ritterschlag in puncto Antagonisten-Ehren erfolgte 2015 mit der Rolle des Franz Oberhauser/Ernst Stavro Blofeld im 24. James-Bond-Film "Spectre". Die Reaktionen auf Waltz' Darstellung waren hier ausnahmsweise verhalten - und auch der Schauspieler selbst äußerte sich im Nachhinein unzufrieden mit seiner Leistung. "Ich kann nicht behaupten, dass mir der Blofeld wirklich gelungen ist", sagte Waltz in einem Interview. "Es war nicht das, wonach ich gestrebt habe. Ich habe nach mehr Inspiration gesucht." Das bedeutete allerdings nicht, dass Waltz für "No Time To Die" in dieser Rolle 2021 nicht erneut verpflichtet worden wäre.

Auch seine Bemühungen, nach dem TV-Film "Wenn man sich traut" (2000) selbst wieder einmal einen Film zu inszenieren, waren Anlass für Frustration: Sein Hollywoodregiedebüt "The Worst Marriage in Georgetown", ein Kriminaldrama nach wahren Begebenheiten, brachte Unstimmigkeiten mit einem Produzenten. Mehr Glück hatte er im Opernfach: Seiner Inszenierung von Strauss' "Rosenkavalier" 2013 und Verdis "Falstaff" 2017 in Antwerpen folgte 2020 ein "Fidelio" im Theater an der Wien.

Im selben Jahr (2020) wurde Waltz, der seit 2010 primär in Los Angeles lebt, US-Amerikaner - zusätzlich zur deutschen und zur österreichischen Staatsbürgerschaft. Dabei kultiviert der Vater von vier Kindern gerne den Außenseiterstatus als distinguierter Europäer. In Late-Night-Shows wie jener von Jimmy Kimmel zeigt er sich von der Popcorn-Kultur in Kinos, Barbecue und Hot Dogs entsetzt; in einer Werbung für ein Smartphone macht er sich kongenial über den "American way of life" lustig, ehe er samt Familie, Hund, Griller und gehissten US-Flaggen selbst zum wandelnden Klischee mutiert. Der Oberböse kann eben auch lustig.

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