Immer mehr Menschen erklären ihren Kirchenaustritt über private Internetanbieter und zahlen dafür bis zu 89,90 Euro. Bei der Stadt Salzburg ist der Austritt gratis. Auch Linz warnt vor einer solchen Website.
Wer aus der Kirche austreten will, sollte das direkt bei der Behörde erledigen und nicht über eine private Website. Davor warnt die Stadt Salzburg. Bei der städtischen Bezirksverwaltung häufen sich laut einer Mitteilung der Stadt Salzburg vom 29. Oktober Fälle, in denen Bürgerinnen und Bürger ihren Austritt über einen privaten Internetanbieter abgewickelt haben. Dafür wurden ihnen bis zu 89,90 Euro in Rechnung gestellt.
Bei der Stadt selbst ist die Austrittserklärung kostenlos. Gebühren von 23,10 Euro fallen nur an, wenn ausdrücklich eine schriftliche Austrittsbestätigung angefordert wird. Die Kosten der privaten Anbieter ergeben sich laut Stadt aus deren Geschäftsbedingungen und haben nichts mit städtischen Gebühren zu tun.
So funktioniert die Masche
Das Vorgehen ist laut Stadt Salzburg meist ähnlich. Wer im Internet nach Informationen zum Kirchenaustritt sucht, stößt auf Angebote privater Dienstleister. Über ein Online-Formular wird der Austritt erklärt und anschließend an die zuständige Behörde weitergeleitet. Die Dienstleistung besteht also im Wesentlichen darin, ein Formular weiterzuschicken, das man auch selbst und kostenlos einreichen kann.
Für die Betroffenen ist das doppelt ärgerlich. Viele erfahren erst durch die Rechnung, dass sie einen kostenpflichtigen Dienst genutzt haben. Manche gehen davon aus, dass die Zahlungsaufforderung von der Stadt stammt. Dazu kommt, dass bei Erklärungen über private Anbieter häufig die nötigen Unterlagen fehlen. Das führt laut Stadt zu zusätzlichen Erhebungen und verzögert die Bearbeitung.
Auch Linz warnt vor kirchenbeitrag.com
Das Problem beschränkt sich nicht auf Salzburg. Die Stadt Linz warnt am 30. Oktober ausdrücklich davor, einen Kirchenaustritt über die Website kirchenbeitrag.com zu beantragen. Die Seite wird laut Stadt Linz in den USA gehostet und verrechnet für die Weitergabe des Austrittsgesuchs an die Behörde 89,90 Euro. Darauf hatte zuvor die Arbeiterkammer Tirol hingewiesen.
Beim Linzer Magistrat sind bisher zehn verdächtige Fälle eingegangen, die Stadt rechnet mit weiteren Austrittsgesuchen über diesen Umweg. In Linz kann der Austritt gebührenfrei beim Bürgerinnen- und Bürgerservice im Neuen Rathaus, Hauptstraße 1 bis 5, beantragt werden oder online über ein Formular mit digitaler Signatur.
Worauf Sie achten sollten
Die Stadt Salzburg rät, für den Kirchenaustritt ausschließlich die offiziellen Formulare der zuständigen Behörde zu verwenden. Wer online sucht, sollte genau prüfen, ob eine Seite tatsächlich von einer Stadt, einer Bezirkshauptmannschaft oder einem Magistrat stammt. Ein Hinweis auf einen privaten Anbieter ist, wenn vor dem Absenden eine Zahlung oder die Zustimmung zu Geschäftsbedingungen verlangt wird.
Vizebürgermeister Christoph Brandstätter (ÖVP), in Salzburg für die Bezirksverwaltung zuständig, will mit der Information Unmut vermeiden. „Mit einer gezielten Information über den städtischen Service schaffen wir Transparenz, vermeiden unnötigen Unmut und ermöglichen allen einen einfachen und kostenfreien Zugang zu dieser Dienstleistung“, sagt Brandstätter. Informationen zum Religions- und Kirchenaustritt bietet die Stadt auf ihrer Website unter stadt-salzburg.at/religionsaustritt.
Quellen
Stadt Salzburg: Stadt Salzburg warnt vor Kostenfalle beim Kirchenaustritt (29.10.2026)
Stadt Linz, Medienservice: Stadt warnt vor kostenpflichtiger Website zu Kirchenaustritt (30.10.2026)
Stadt Salzburg: Stadtregierung und Ressortverteilung (2026)
