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Wiener Böhler-Spital erhält wieder Bettentrakt

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Der neue Bauteil soll 2027 in Betrieb gehen
©APA/GERALD MACKINGER
Das Traumazentrum in der Brigittenau - besser bekannt als Lorenz-Böhler-Spital - hat der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) bereits Schlagzeilen beschert. 2024 wurde aufgrund von Brandschutzmängeln eine rasche Absiedlung notwendig. Der Standort wurde auf ambulanten Betrieb reduziert. In der Tagesklinik ist inzwischen Routine eingekehrt. Und der neue Bettentrakt wird bereits errichtet, wie der ärztliche Leiter, Thomas Beer, im Interview mit der APA erläuterte.

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Die spontane Teilschließung sorgte damals für gehöriges Aufsehen. Da die AUVA mit dem Traumazentrum Meidling über ein weiteres Unfallkrankenhaus in Wien verfügte, konnten Leistungen zumindest relativ rasch ausgelagert werden. Vieles wurde buchstäblich übersiedelt, auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. "Wir sind operativ mit all dem, was im stationären Bereich zu erfolgen hat, nach Meidling ausgewandert. Alles das, was man tagesklinisch machen kann, ist im Haus verblieben", erläuterte Beer.

Vieles, etwa die Nachsorge von Patientinnen und Patienten würde seither verschränkt passieren, berichtete er. Stationäre Aufnahmen oder Operationen würden aber nur mehr in Meidling stattfinden. "Das heißt, wenn wir eine verletzte Person hier aufnehmen, die einer stationären Behandlung bedarf, wird diese von uns so weit fertig administriert, dass es in Wahrheit nur die logistische Thematik gibt, also von A nach B zu kommen, sprich nach Meidling." Lediglich akuteste Fälle würden sofort in den 12. Bezirk oder in ein städtisches Spital kommen.

Doch das "Böhler" wird auch eine Art Comeback erleben - auch wenn der frühere Bettentrakt noch länger leer stehen wird. Denn: Auf dem Areal des einstigen Parkhauses wird ein völlig neues Gebäude errichtet. Inzwischen findet dort schon der Innenausbau statt. Im Dezember ist die Übergabe vom Generalunternehmer an die AUVA geplant, berichtete der Chef des Hauses. Dann sollen Personal und Gerätschaften von Meidling wieder zurück übersiedelt werden. Die Eröffnung des in Modulbauweise errichteten Trakts wird laut derzeitigen Plänen im Februar oder März kommenden Jahres erfolgen.

"Wir sind, soweit ich das beurteilen kann, baulich auf Schiene, es gibt keine Verzögerungen", betonte Beer. Insgesamt soll es dort dann drei OP-Säle, 56 Normalstationsbetten und vier Intensivbetten geben. "Man wird dann sehen, das ist ein hochmoderner Bau. Also wir sind sehr, sehr zufrieden mit dem, wie das konzipiert ist." Es handle sich keineswegs um ein Provisorium, beteuerte er. Jedoch wird das Objekt über weniger Betten verfügen, als bisher im alten Krankenhaus zur Verfügung standen. Laut Beer wird in etwa um die Hälfte reduziert.

Was als Notlösung interpretiert werden könnte, ist in Wahrheit eine strukturelle Maßnahme, die schon vor Jahren geplant war. Der Standort Meidling sollte die Versorgung Schwerstverletzter übernehmen. In der Brigittenau sollten vor allem planbare Behandlungen bzw. Eingriffe stattfinden. Allerdings habe man erkannt, dass es ganz ohne Akutmedizin nicht gehen wird, sagte Beer. "Es gibt kein halbschwanger, auch in der Unfallchirurgie nicht. Ich muss in Wahrheit jeden Patienten und auch den schwerstverletzten Patienten versorgen können."

"Damit werden wir auch jetzt immer wieder konfrontiert. Wenn eine Verletzung passiert, steuert man das nächste Krankenhaus an." Kommuniziert wurde bereits, dass es in der Brigittenau künftig keinen sogenannten Schockraum mehr geben wird, der spezielle Ressourcen für Schwerstverletzte aufweist. "Es wird aber auch in Zukunft die Möglichkeit bestehen, solche Patienten hier vollkommen adäquat zu behandeln, auch wenn es nicht die Priorisierung ist", beruhigte Beer.

Damit wisse auch die Rettung, dass sie ins Böhler fahren könne, ohne dies ständig hinterfragen zu müssen. "Es wird, wenn man so will, eine Art Schockraum-Lightvariante geben." Bei Personen in akuter Lebensgefahr soll aber Meidling die erste Anlaufstelle bleiben. Im Zentrum Brigittenau werde man sich vor allem auf die Extremitätenchirurgie konzentrieren, erläuterte der ärztliche Direktor.

Die Tagesklinik, die jetzt bereits besteht, wird hier eine wichtige Rolle einnehmen. Bisher wurden dort seit der Teilabsiedlung laut AUVA bereits rund 2.000 Eingriffe durchgeführt. Allein 680 arthroskopische Operationen an Knie-, Ellbogen- oder Handgelenken wurden verzeichnet. Auch mehr als 200 Kreuzbandoperationen sind in der Statistik zu finden. "Also man sieht, das sind durchaus Eingriffe, die komplex sind."

Die Fortschritte in der Medizin würden bereits ermöglichen, dass viele OPs ohne Übernachtung im Krankenhaus absolviert werden könnten, hob Beer hervor. Viele Patienten würden sich das auch wünschen. Gegenüber reinen Tageschirurgien habe man aber den Vorteil, dass man auf stationäre Einheiten, also jetzt in Meidling und künftig auch wieder in der Brigittenau, zurückgreifen könne.

"Wenn man sieht, dass aufgrund von zum Beispiel Kreislaufproblemen eines Patienten doch eine Aufnahme nötig ist oder es Komplikationen gibt, dann greift der stationäre Bereich." Grundsätzlich würden beide Einheiten aber - auch baulich - getrennt geführt. Es gebe im Neubau auch keine tagesklinischen Zimmer.

Der alte Bettentrakt ist aktuell großteils verwaist, auch Rettungshubschrauber landen nicht mehr auf dem Dach. Er wisse selbst noch nicht, was weiter mit dem Gebäude geplant sei, erläuterte Beer. Sanierungsmaßnahmen hätten sich bisher auf die Ambulanz beschränkt. Hier habe man durch bauliche Maßnahmen versucht, die Sicherheit zu gewährleisten und den Behördenauflagen gerecht zu werden. Diese sehen weiters auch die ständige Anwesenheit von Feuerwehrleuten vor.

Im tagesklinischen Bereich wolle man eine 50-Prozent-Quote erreichen, sagte Beer. Das sei das Langzeitziel. Was bedeutet: Die Hälfte aller für eine Tagesklinik geeigneten Operationen sollen auch in dieser Form stattfinden. Beim Rest gebe es gewisse Ausschlusskriterien. Vor allem betagte Menschen, die daheim keine adäquate Betreuung haben, würden dafür etwa nicht in Frage kommen.

(Das Interview führte Gerald Mackinger/APA)

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/GERALD MACKINGER

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