Spekulationen über ein Comeback des ehemaligen Kanzlers reißen nicht ab. Dafür gibt es Gründe. Dagegen sprechen jedoch nicht nur fehlende Aussichten auf große Erfolge.
Zuletzt hat sich der deutsche Spiegel der Frage gewidmet, ob Sebastian Kurz eine Rückkehr in die Politik vorbereite. Es ist fast schon eine journalistische Dauerbeschäftigung geworden. Jüngst wieder verstärkt durch einen profil-Bericht, wonach der ehemalige Kanzler und ÖVP-Chef mit Herbert Kickl (FPÖ) zusammengetroffen ist.
Veränderte Verhältnisse
Aus der Luft gegriffen sind die Spekulationen nicht: 2025 gab es unter Führung der niederösterreichischen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner Bemühungen in der Volkspartei, ihn zurückzuholen. Abgesehen davon liegt sie in Umfragen so schlecht, dass in ihren Reihen Erinnerungen an die Erfolge befeuert werden, die er ihr in den 2010er-Jahren beschert hat.
Auf der anderen Seite sind die Verhältnisse aber auch für ihn selbst nicht mehr vergleichbar mit den damaligen: Vor gut zehn Jahren gelang es ihm, Hoffnungen auf eine neue, saubere Politik zu wecken und durch eine entsprechende Migrationspolitik rechts der Mitte zu punkten. Geendet hat es mit Affären, die zu seinem Rücktritt führten, wobei jene zu Inseraten nach wie vor nicht ausgestanden ist für ihn – die Entscheidung über eine Anklage ist noch offen.
Und dann sind da noch Hunderttausende Wähler, die er der FPÖ abgenommen hat, und die nicht nur zu dieser zurückgekehrt, sondern zu noch festeren Anhängern der FPÖ geworden sind: Kickl bedient sie umfassend, beim Thema Migration genauso wie im Zusammenhang mit wahrgenommenen Wohlstandsverlusten.
Blau-schwarzes Comeback oder eigene Liste
Was will er da? Sehr wahrscheinlich würde es nach einem Comeback auf eine blau-schwarze Koalition hinauslaufen: Mit Sozialdemokraten kann er gar nicht. Der Preis wäre eine Rolle im Schatten von Kickl, der durch den Anspruch, „Volkskanzler“ zu werden, zum Ausdruck bringt, dass er niemanden neben sich duldet, der ebenfalls aufzeigen möchte.
Bleibt die Variante, dass Kurz zuwarten könnte, um schließlich eine eigene Liste zu gründen und eine Alternative anzubieten. Dagegen spricht jedoch, dass er nicht einmal in den 2010ern etwas davon wissen wollte, als er herausragende Persönlichkeitswerte hatte. Und dass Spendenregelungen mittlerweile so restriktiv sind, dass gerade neue Parteien keine so großen Kampagnen betreiben können wie etwa die ÖVP unter seiner Verantwortung 2017 und 2019.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 27/2026 erschienen.
