Wie auch immer die Neuaufstellung der SPÖ ausgeht: Die Volkspartei von Bundeskanzler Christian Stocker ist in einem Zustand, in dem sie befürchten muss, jedenfalls zu verlieren.
Der ÖVP kann nicht egal sein, dass die SPÖ zu einer Neuaufstellung stolpert. Wenn es der Heilungsprozess seiner Krebserkrankung zulässt, wovon Finanzminister Markus Marterbauer und Genossen ganz offensichtlich ausgehen, wird er Anfang des kommenden Jahres das Vizekanzleramt von Andreas Babler übernehmen und in weiterer Folge wohl auch den Bundesparteivorsitz.
Vorsicht vor Marterbauer
Damit ist etwas Bedrohliches verbunden für Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und Co.: Laut einer ATV-Umfrage vom Juni hätte die SPÖ unter Führung von Marterbauer Chancen, mit 25 Prozent vor der ÖVP (20) zu landen. Diese wäre dann Dritte.
Der Finanzminister spricht nicht nur linke, sondern auch Wähler in der Mitte an. Es ist eine Erklärung dafür, dass sich die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) schon vor Monaten gezielt an ihm abgearbeitet und ihm beispielsweise unterstellt hat, ausschließlich neue Steuern erfinden zu wollen, anstatt die Wirtschaft zu entlasten. Es war der Versuch, Menschen zu warnen, die sich der Mitte zuordnen: „Vorsicht bei dem Mann.“
Unter Zugzwang
Ob Marterbauer wirklich übernehmen kann und der Sozialdemokratie die Neuaufstellung gelingt, ist jedoch offen. Scheitert das Unterfangen, liefern Umfragewerte eine Ahnung zu einem Wahlausgang: Die FPÖ könnte an die 40 Prozent erreichen und die ÖVP hätte aufgrund ihrer eigenen Schwäche sowie der der SPÖ nicht einmal mehr eine ernstzunehmende Option, eine Koalition gegen sie zu bilden. Es würde ihre Verhandlungsposition zusätzlich untergraben, sie müsste Herbert Kickl das Kanzleramt buchstäblich schenken.
Das unterstreicht, wie sehr sie jetzt selbst unter Zugzwang steht. Bloß: Wer könnte Christian Stocker nachfolgen, der vor eineinhalb Jahren nur eingesprungen ist als Bundesparteiobmann, weil sich sonst niemand gefunden hat und er schon einmal Generalsekretär war? Diese Frage schiebt man vor sich her.
Dünne Personaldecke
Kein Wunder: Die Personaldecke ist so dünn wie bei der SPÖ: Salzburgs Landeshauptfrau Karoline Edtstadler etwa muss erst zeigen, was sie kann und 2028 ihre erste Landtagswahl schlagen. Und mit Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer oder auch Integrationsministerin Claudia Bauer ist nicht annähernd ein Effekt in Form von Zugewinnen zu erwarten, wie er mit Sebastian Kurz einst einhergegangen ist.
Johannes Huber, Journalist und Blogger schreibt jede Woche zu politischen Themen
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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 41/2026 erschienen.
