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SPÖ, was nun?

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Erschöpfend diskutiert: Stundenlang wurde um den Abgang Andreas Bablers gerungen. Mit dabei Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und SPÖ-Frauenchefin Eva-Maria Holzleitner.

©Georg Hochmuth, APA

Leichter werden die nächsten Monate für die SPÖ nicht. Sie muss bei ihrem Vorsitzwechsel auf Zeit spielen, bis Markus Marterbauer seine Krebsbehandlung beendet hat. Die Bereitschaft junger Roter, sich für die Partei zu exponieren, wird geringer. Und ihre Regierungspartner fürchten, dass sich die derzeit angeschlagene Partei zu schnell erholt.

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Andreas Babler hatte für seinen politischen Lebenstraum, SPÖ-­Chef zu sein, einen politischen Traumjob aufgegeben. Er war Traiskirchner Bürgermeister mit Wahlergebnissen jenseits der 70 Prozent. Doch er fühlte sich zu Höherem berufen und gewann unter turbulenten Umständen die Wahl zum Parteivorsitzenden.

Damals ritterten drei Personen – neben Babler die damalige SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner und Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil – um die Spitzenfunktion. Und jeder der drei hatte bei der Mitgliederbefragung eine namhafte Zahl von Parteimitgliedern und -funktionären hinter sich.

Ein grundlegendes Problem

Und heute? Gab es in den letzten Wochen mit Gerhard Zeiler einen selbsternannten Kandidaten – den sonst offenbar recht wenige Menschen in der SPÖ wollten. Und Babler, der sich in einer Krisensitzung letzten Sonntag wieder einmal Steher-Qualitäten bewies.

Es gibt Markus Marterbauer, der in den Tagen zuvor eher vorsichtig seine Bereitschaft bekundete, einzuspringen, wenn es um die Erholung seiner Partei geht – und nun darauf festgenagelt wurde, Anfang nächsten Jahres zumindest das Vizekanzleramt von Babler zu übernehmen. Wegen seiner Erkrankung muss die SPÖ bei der Veränderung an der Parteispitze auf Zeit spielen – was erst recht wieder für Kritik sorgt.

Die SPÖ hat ein grundlegendes Problem: Jüngere Rote, die als potenzielle Führungspersönlichkeiten infrage kämen, winken dankend ab. Es fehlt an Zukunftshoffnungen in der Partei oder an Zukunftshoffnung ihres Personals. Wer soll die SPÖ wollen, wenn sie sich nicht einmal selbst will? Wer außer Marterbauer, 61-jährig und vor eineinhalb Jahren in die Spitzenpolitik eingestiegen, könnte die Roten übernehmen?

Ist da jemand?

Ein Blick auf meineabgeordneten.at zeigt: Immerhin 98 der dort gelisteten Abgeordneten in Bund und Ländern, Bundes- und Landesregierungsmitglieder sind unter 50. 40 sind 40 Jahre oder jünger.

Darunter finden sich Namen, die auch in der jetzigen Führungsdebatte gefallen sind: SPÖ-Frauenchefin und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (33) und der Klubobmann im Nationalrat Philip Kucher (45) führen die Roten nun sogar interimistisch – haben aber bereits wissen lassen, dass sie das nicht auf Dauer tun möchten.

Andere Personen mit Führungserfahrung wie Wiens Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (49), der niederösterreichische SPÖ-Chef Sven Hergovich (37), der Steirer Max Lercher (49) oder GPA-Chef Barbara Teiber (49) meldeten gar nicht erst Interesse am Spitzenjob ihrer Partei an, sei es aus taktischen Gründen, sei es, weil SPÖ-Chef kein Traumjob ist, sei es, weil man es sich in seiner aktuellen Funktion gut eingerichtet hat.

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Gerhard Zeiler: Der Medienmanager preschte mit der Ankündigung vor SPÖ-Chef werden zu wollen. Babler und die SPÖ-Länderchefs gerieten unter Zugzwang.

 © APA-Images, APA, TOBIAS STEINMAURER

Doppelspitze

Mati Randow ist 22 Jahre alt und als deren jüngstes Mitglied Vorsitzender der Sektion Acht. Das ist jene rote Organisation, die 2007 aus Protest gegen die rot-schwarze Koalition gegründet wurde, die innerparteiliche Diskussionsfreude hochhält und Babler bei seinem Weg an die Parteispitze unterstützt hat.

Er sagt nach der Krisensitzung der SPÖ: „Das Bild war nicht gut – siehe den Tagungsort in einem Luxushotel. Aber dafür ist es überraschend positiv ausgegangen. Ich habe mich auf deutlich Schlimmeres eingestellt.“

Während sich medial und in der SPÖ die Stimmen mehren, dass Marterbauer im kommenden Frühjahr auch den SPÖ-Vorsitz übernehmen solle, tritt Randow für eine Ämtertrennung ein. Mit Marterbauer als Vizekanzler und Finanzminister in der Regierung und einer zweiten Person in der Löwelstraße, vorzugsweise eine Frau, die die Partei eint.

In unserer Generation herrscht ein anderes Politikverständnis: Uns geht es nicht nur um Personen, wir wollen auch über Positionen und Prozesse reden.

Mati RandowVorsitzender der Sektion Acht

Dafür gibt es internationale Beispiele. Und die Arbeitsteilung hat auch eine gewisse Logik. Die Regierungsarbeit allein ist schon fordernd genug. Und wer an der Parteispitze steht, muss zudem noch durch die Bundesländer tingeln und jene zarte Annäherung, die sich am Sonntag gezeigt hat, festigen. Mati Randow sagt, allgemein sei wichtig, dass die Bedingungen für die neuen Führungspersonen besser werden als jene, unter denen Andreas Babler agieren musste.

Dass keine jüngeren Menschen an die Spitze streben, erklärt Randow so: „In unserer Generation herrscht ein anderes Politikverständnis: Uns geht es nicht nur um Personen, wir wollen auch über Positionen und Prozesse reden. Nach der monatelangen Beschädigung der Parteiführung ohne erkennbares Gegenkonzept gibt es jetzt die Chance, die SPÖ auf die Höhe der Zeit zu bringen.“

Er sehe seine Aufgabe auch darin, seiner Altersgruppe die für ältere Generationen lange selbstverständliche Bedeutung der Sozialdemokratie zu vermitteln – und dazu mit der Sektion Acht einen entsprechenden Beitrag zu leisten. Die SPÖ bestehe bei Weitem nicht nur aus Betonierern und Männern mit zu großen Egos, so Randow. „Es kann nur besser werden, wenn man sich engagiert.“

Fragmentierte Partei

Politikexperte Thomas Hofer sagt zu den Absagen fürs höchste Amt der SPÖ: „Die Bereitschaft, sich die Partei und die Halbwertszeit in diesem Amt anzutun, ist sehr endenwollend.“ Er führt das allerdings auch auf die sichtbare Fragmentierung der früher so geeint auftretenden Roten zurück: „Es gibt in dieser Partei kein Zentrum, das den Lead übernehmen würde. Sie ist führungslos und ideenlos. Das Personalangebot ist ein Ausdruck dessen. Eine integrative Persönlichkeit in der SPÖ zu finden, gleicht der Quadratur des Kreises.“

Und Andreas Babler? „Ein klarer Schnitt wäre für ihn besser gewesen als dieser Rückzug auf Raten“, sagt Hofer. Von Sebastian Kurz bis Matthias Strolz – oft sehe man, dass Politiker ihren Abschied nicht freiwillig und nicht mit der nötigen Konsequenz nehmen. „Vielen geht es danach schlecht, weil Politik eben ein Beruf ist, der einen emotional sehr einnimmt.“

So sei es zu einer Lösung gekommen, die zwar in der Parteilogik nachvollziehbar, nach außen aber unerklärbar sei. Das Bild, das dabei entstanden ist: „Jemand krallt sich am Amt fest, es gibt keine Personen, die sich das antun wollen, und keine Aufbauarbeit für die Zukunft.“ Die Koalitionsregierung werde das nach unten ziehen. „Es ist das perfekte Drehbuch – aus Sicht der FPÖ.“

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Zwei von drei: SPÖ-Klubobmann Philip Kucher (li.) soll gemeinsam mit Eva-Maria Holzleiter als geschäftsführender Parteichef Markus Marterbauer (re.) unterstützen. An der Parteispitze will er jedoch nicht bleiben.

 © APA, ROLAND SCHLAGER

Schwieriger Abgang

Politikexpertin Heidi Glück sieht jene Art von Abgang, die Babler bevorsteht, als „die schwierigste. Du sitzt zwar noch in deinen Ämtern und an deinem Schreibtisch, wirst aber nicht mehr für voll genommen. Dazu bekommst du noch zwei Aufpasser an die Seite gestellt, das ist unwürdig“. Für Babler könnten das sehr lange drei Monate werden, „er wird jeden Tag spüren, dass man nichts mehr mit ihm zu tun haben will. Dass er sein Ministerium weiterführen darf, ist ein Gnadenakt“.

Auch wenn der Wechsel im Vizekanzleramt und an der Parteispitze erst nächstes Jahr ansteht, müsse die SPÖ bereits jetzt voll auf Marterbauer-Kurs gehen. Mit dieser Vorgeschichte brauche er ein Spitzenergebnis beim Sonderparteitag der SPÖ im März.

Neuwahlen ante portas?

Die jüngsten Ereignisse in der SPÖ lassen Glück zweifeln, dass die Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS bis 2029 halten wird. „Für ÖVP und NEOS wird das schwer. Andreas Babler war für sie leichter zu handeln, als es Markus Marterbauer sein wird.“ Dazu komme, dass Marterbauer das beliebteste Regierungsmitglied sei und auch bei Bürgerlichen gut ankomme, als einer, der das Geld zusammenhält.

Schon bald könnte man in der ÖVP mit Neuwahlen liebäugeln, auch wenn die FPÖ diese haushoch gewinnen würde, meint Glück. „Die Hälfte der ÖVP hat ohnehin kein Problem mit Herbert Kickl. Und: Die SPÖ darf sich unter Marterbauer nicht zu schnell erholen – sonst könnte die ÖVP bei der Wahl Dritte werden.“

Thomas Hofer rechnet noch nicht damit, dass die ÖVP die Reißleine zieht, weil eine krachende Niederlage droht. „Aber die Lähmungserscheinungen in der Regierung werden durch die Vorgänge in der SPÖ noch einmal verstärkt.“ Marterbauer trägt mit der ÖVP schon jetzt seine Scharmützel aus. Die Senkung der Einkommensgrenze für den Spitzensteuersatz von einer Million Euro jährlich auf 500.000 Euro, die er zur Gegenfinanzierung in den Gesetzesvorschlag zur der Sozialhilfereform geschrieben hat, war ein Vorgeschmack.

Rote Hoffnungen

Es gibt sie, die jüngere Generation in der SPÖ, die für höhere Weihen geeignet wäre. In der laufenden Personaldebatte spielte sie allerdings nicht mit.

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Barbara Teiber

 © SEPA.Media, APA-Images, Martin Juen
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Jürgen Czernohorszky

 © Karl Schöndorfer, APA-Images
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Julia Herr

 © APA-Images, APA, GEORG HOCHMUTH
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Sven Hergovich

 © Michael Indra, IMAGO

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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 41/2026 erschienen.

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