Anhänger der Muslimbruderschaft in Gaza bei Protesten gegen Israel im Jahr 2014.
©Anadolu Agency, ImagoWas hinter der islamistischen Bewegung steckt, welche Ziele sie verfolgt und warum ihre Strukturen schwer zu fassen sind.
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Die Regierung beendet die Zusammenarbeit mit der Deradikalisierungsstelle Derad, weil sie in dieser Gedankengut der Muslimbruderschaft vermutet. Diese islamistische Bewegung zu definieren, ist gar nicht leicht, tritt sie doch weniger als Gesamtorganisation als in lokalen Gruppierungen auf. Daher gibt es auch nur Schätzungen, wie viele Personen sich als Muslimbrüder definieren. In Österreich dürften es einige hundert sein, im Gründungsland Ägypten mehr als eine Million.
Ziel der 1928 von Hassan al-Banna etablierten Bewegung ist ein Gottesstaat: Die Trennung von Religion und Staat wird strikt abgelehnt. Erreichen will man eine Staatsordnung auf Grundlage der Scharia, jedoch nicht mit Gewalt, sondern durch eine Unterwanderung der Gesellschaft. Dazu dienen auch unterschiedlichste soziale Aktivitäten der Sympathisanten.
Gründung in Ägypten
Von Ägypten ausgehend hatte sich die Bewegung über viele Länder ausgebreitet, nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend auch in westlich orientierten Staaten. In Tunesien gehörte eine der Bruderschaft nahe stehende Partei nach dem „Arabischen Frühling“ etliche Jahre der Regierung an. In Ägypten stellte man nach dem Sturz des Mubarak-Regimes sogar den Staatspräsidenten, ehe ein Militärputsch den Höhenflug der Muslimbrüder in ihrem Gründungsland beendete.
Heute ist die Bruderschaft in Ägypten ebenso verboten wie beispielsweise in Saudi-Arabien, Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die USA haben regionale Ableger wie jene in Ägypten auf ihre Terrorliste gesetzt.
Wiewohl die Bruderschaft ihre Ziele auf legalem Weg umsetzen will, wird sie auch mit Gewalttaten verbunden. Das kommt einerseits daher, dass bewaffneter Widerstand gegen „Besatzer“ (gemeint im Regelfall Israel) dezidiert erlaubt ist und sich auch radikale Organisationen wie die Hamas aus der Bruderschaft entwickelt haben. Wiewohl es einen „Generallenker“ gibt, operieren die lokalen Interessensvertretungen der Brüder, die in rund 70 Staaten mit Zweigstellen vertreten sind, weitgehend autonom, was es ebenfalls schwierig macht die Bewegung zu definieren.
Keine offizielle Organisation in Österreich
In Österreich tritt die Bruderschaft nicht offiziell als Organisation oder Verein auf. Damit ist es de facto unmöglich, die Zahl der Anhänger hierzulande genau zu definieren. Meist wird von mehreren hundert Personen gesprochen, manchmal auch von einer niedrigen vierstelligen Zahl an Muslimbrüdern in Österreich. Verboten ist seit 2019 das Verwenden von Symbolen der Bewegung.
