Der Druck auf die Partei, sich neu auszurichten, wächst. Wenige Monate vor der nächsten Wahl ist es zu spät. Wenn, dann müsste es jetzt dazu kommen.
Bei der Nationalratswahl vor zwei Jahren musste sich die SPÖ mit einem Stimmenanteil von 21,1 Prozent begnügen. Knapp, aber doch war er damit so klein wie noch nie in der Geschichte der Partei. Und weiter? Im APA-Wahltrend werden ihr derzeit 14,4 Prozent ausgewiesen. Nicht viel mehr als den Grünen (12,6). Hält der Trend an, liegt sie in Kürze hinter diesen.
Noch größerer Absturz droht
Was der Partei dann droht, kann durch den Begriff „Fallbeileffekt“ zum Ausdruck gebracht werden: Im Hinblick auf die nächste Wahl würde es schwer bis unmöglich werden für sie, überzeugend darzulegen, dass es als Zeichen gegen einen Kanzler Herbert Kickl (FPÖ) auf jede Stimme für sie ankomme. Die Grünen könnten das als Stärkere und ihre unmittelbaren Mitbewerber links der Mitte viel eher behaupten. Warum sollen Kickl-Gegner also nicht diese unterstützen? Sprich: Die SPÖ müsste einen noch größeren Absturz befürchten.
Wichtiger: Selbst wenn man davon ausgeht, dass dieser Urnengang erst in drei Jahren stattfindet, rennt der Partei die Zeit davon: Kickl hat die FPÖ nicht von heute auf morgen nach oben geführt. Er hat Bindungen zu Wählerinnen und Wählern aufgebaut und gefestigt. Es wäre daher naiv, zu glauben, dass man sie ihm von heute auf morgen wieder abnehmen könne. Das ist das eine.
Die Folgen innerer Zerrissenheit
Das andere: Genauso naiv wäre es, festzustellen, dass allein der Vorsitzende, Vizekanzler Andreas Babler, den Zustand der Sozialdemokratie zu verantworten habe und es daher reiche, ihn abzulösen. Babler ist das Ergebnis einer inneren Zerrissenheit: Er ist an die Spitze gekommen, weil eine Mehrheit unter Führung des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig in ihren Reihen den burgenländischen Landeshauptmann Hans Peter Doskozil ablehnt. Dieser hatte sich ebenfalls beworben.
An der inneren Zerrissenheit hat sich bis heute nichts geändert, und solange es dabei bleibt, kann es zu keiner Neuaufstellung kommen. Kann vor allem auch alles Weitere nicht angegangen werden, was in Regierungsverantwortung ohnehin schwierig ist und wofür in jedem Fall eher Jahre als Monate notwendig sind: ein Weg zurück zu einer Erfolgsaussicht, der zunächst daraus besteht, ein Angebot für Wählerinnen und Wähler zu entwickeln und sie dann dafür zu gewinnen.
Johannes Huber, Journalist und Blogger schreibt jede Woche zu politischen Themen
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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 38/2026 erschienen.
