Matthias Strolz über seinen Traum von einer anderen politischen Kultur, die Fehler der eigenen NEOS-Vergangenheit und warum er die Politik trotz seines Rückzugs nicht loswird.
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Welche Partei fehlt Ihnen heute in Österreich?
Fiese Frage an einen Parteigründer! Mir fehlt weniger eine Partei, mehr eine Bürgerinnen- und Bürgerbewegung, die die Kraft und Fantasie hat, neue Wege zu gehen. Man kann Demokratie ganz anders leben. Das ist mein großer Traum. Bei NEOS hatten wir gute Vorsätze dazu: Amtszeitbeschränkungen, Politik nicht als reine Karriereoption zu sehen oder aus Machtgeilheit zu machen, sondern als Dienst am Land.
Das ist ein harter Beruf und darf auch gut bezahlt sein. Ich träume von Wertschätzung für die Politik und einem aufrechten Gang der Politiker. Die Politik ist auch deswegen so am Sand, weil kein anderer Beruf so wenig Haltung gegenüber sich selbst hat, sonst könnte man seine Mitbewerber nicht dauernd untergriffig beschädigen.
Diesen Wunsch hatte ich schon vor 15 Jahren. Ist es mir gut genug gelungen? Nein. Höre ich deswegen auf, diesen Wunsch zu haben? Nein. Werde ich es wieder versuchen? Nicht in der parteipolitischen Logik. Werde ich in der Politik sein? Ja, weil ich sie gar nicht verlassen kann, sie verfolgt mich. Das akzeptiert mittlerweile auch meine Frau.

Steckbrief
Matthias Strolz
Der gebürtige Vorarlberger studierte in Innsbruck Wirtschaft und Politik, war Unternehmensberater, ehe er 2012 NEOS gründete, deren Parteichef und Klubobmann im Parlament er bis 2018 war. Seit seinem Ausstieg aus der Politik ist er wieder als Unternehmer und Berater tätig. Er ist Autor mehrerer Bücher und führt ein Unternehmen für nachhaltige Holzbausteine.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 39/2026 erschienen.
