ABO

Markus Marterbauer zwischen Finanzministerium, Vizekanzleramt und SPÖ

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
2 min
Artikelbild

Markus Marterbauer will auch inhaltliche Akzente im Sinne der SPÖ setzen. Da würde allenfalls noch Platz für einen geschäftsführenden Vorsitzenden bleiben.

©APA-Images, Tobias Steinmaurer

Der Finanzminister ist dabei, zusätzlich Vizekanzler und zumindest praktisch auch SPÖ-Vorsitzender zu werden. Das unter einen Hut zu bringen, wird nicht nur zeitlich schwierig.

News auf Google bevorzugen

Es ist nicht selbstverständlich, dass Markus Marterbauer (SPÖ) Finanzminister bleibt, wenn es die Gesundheit infolge einer Krebserkrankung – wie von ihm erwartet – zulässt und er Anfang des kommenden Jahres Andreas Babler (SPÖ) als Vizekanzler ablöst. Das sind zwei mehr als ausfüllende Aufgaben. Abgesehen davon würde er dann auch den Parteivorsitz übernehmen.

Riskanter Spagat

Zumindest praktisch: In zahlreichen Interviews hat er bereits deutlich gemacht, dass er eine aktive Rolle einnehmen und inhaltliche Akzente setzen möchte; unter anderem in der Wirtschaftspolitik, im Sicherheitsbereich und in der Klimapolitik. Da bleibt für einen eigenen Parteivorsitzenden, eine eigene Parteivorsitzende nicht mehr viel Spielraum – eher nur eine geschäftsführende Tätig­keit, um Marterbauer in organisatorischen Fragen zu entlasten, die im Hintergrund laufen.

Dass er nicht daran denkt, als Finanzminister zurückzutreten, um ganz Vizekanzler und (De-facto-)SPÖ-Chef zu sein, ist natürlich naheliegend. Budget ist sein Fach, seine Kernkompetenz. Allerdings gehen auch Risiken damit einher: In den nächsten zwei, drei Jahren gibt es noch sehr viel Bedarf, zu sparen oder Steuern zu erhöhen; daran lassen IHS, WIFO und Fiskalrat keinen Zweifel.

Der Opposition Freud ist der Genossen Leid

Beides kann unpopulär sein. Und zwar sehr zur Freude von Oppositionsvertretern und zum Leidwesen eigener Genossen, aber auch Funktionäre der beiden anderen Koalitionsparteien (ÖVP, NEOS), die Landtagswahlen zu schlagen und ohnehin schon Verluste zu befürchten haben. Ihnen wird das nicht gefallen, um es vorsichtig auszudrücken: Marterbauer muss damit rechnen, dass sie sich an ihm abarbeiten, der als Finanzminister die Ressortverantwortung trägt für derlei, und dass sie damit immer auch den wichtigsten Mann der SPÖ in der Regierung treffen.

Banaler: Einen Vorgeschmack auf das, was kommt, hat er am vergangenen Wochenende bereits bekommen, als Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) gemeinsam mit Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) die Abschaffung der Flugabgabe gefordert hat: Da ist es sein Job, zu liefern. Sofern er sich keinen Ärger mit Ludwig einhandeln möchte, der ihm auch als letztem Hoffnungsträger der Sozialdemokratie zusetzen könnte.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 43/2026 erschienen.

Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER