Andreas Babler: Nicht nur bei Arbeitern, sondern auch bei Akademikern steht die SPÖ verhältnismäßig schlecht da.
©APA, GEORG HOCHMUTHDie Partei hat es verabsäumt, sich auch um Wählerinnen und Wähler zu bemühen, die den sozialen Aufstieg geschafft haben und eher sogar links der Mitte stehen – also gewinnbar sein sollten für sie.
Politik für diejenigen machen, die es sich nicht richten können: Unabhängig von der politischen Ausrichtung kann man den Anspruch, den die SPÖ unter Führung des scheidenden Vorsitzenden Andreas Babler hat, als grundsätzlich gut und wichtig bezeichnen.
Es gibt viele Menschen in Österreich, die zu kämpfen haben und keine starke Lobby haben. Zu Wahlerfolgen kommt die Partei damit jedoch schon lange nicht mehr. Dafür gibt es viele Gründe. Unter anderem hat es damit zu tun, dass sehr viele Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdete als ausländische Staatsangehörige nicht wahlberechtigt sind.
Abstieg zur Mittel- bis Kleinpartei
Dasselbe gilt für Arbeiterinnen und Arbeiter, die vergleichsweise wenig verdienen und die für das Selbstverständnis der Sozialdemokratie traditionell wichtig sind. Stichwort Arbeiterpartei. Bei ihnen kommt dazu, dass ein erheblicher Teil in Folge von Wirtschafts- bzw. Industriekrisen zur Überzeugung gelangt ist, Verlierer zu sein – und zur FPÖ abgewandert ist. Während diese bei Arbeitern bei der letzten Nationalratswahl 50 Prozent erreichte, musste die SPÖ sich mit 20 Prozent begnügen.
Dass die SPÖ zu einer Mittel- bis Kleinpartei abgestürzt ist, ist aber auch auf Versäumnisse der Partei zurückzuführen, die darüber hinausgehen: Sie hat auf positive gesellschaftliche Entwicklungen nicht entsprechend reagiert. Genauer: Hunderttausende Menschen in Österreich sind in den vergangenen Jahren sozial aufgestiegen, Kinder und Enkelkinder von Arbeitern haben studiert und sind heute Akademiker; die einen sind Angestellte, andere sind unternehmerisch tätig.
Keine Akademiker-Partei
Der SPÖ-Wähleranteil bei Akademikern ist jedoch relativ klein. Betrug er bei der Nationalratswahl vor zwei Jahren insgesamt 21 Prozent, so belief er sich in dieser Gruppe bei einer „Foresight“-Analyse auf gerade einmal 18 Prozent. Und das, obwohl sich hier viele selbst als eher links einordnen.
Relativ viele haben jedoch NEOS (19) und Grünen (16) den Vorzug gegeben. Kein Wunder: Die Sozialdemokratie vernachlässigt Inhalte, die bei diesen Parteien einen ungleich größeren Stellenwert haben und die bei diesen Leuten stärker gefragt sind – von Klima über Europa bis Bildung.
Johannes Huber, Journalist und Blogger schreibt jede Woche zu politischen Themen
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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 42/2026 erschienen.
