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Israel: Wer sind die Siedler?

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Jüdische Siedler im Westjordanland

©Zuma Press Wire, Imago

Hunderttausende Israelis leben in Siedlungen im Westjordanland und in Ostjerusalem. Doch hinter dem Sammelbegriff „Siedler“ verbergen sich unterschiedliche Lebensrealitäten und politische Überzeugungen – von langjährigen Bewohnern genehmigter Ortschaften bis zu militanten Extremisten, die mit Gewalt neue Fakten schaffen.

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Siedler sind Familien in den großen Vororten Jerusalems, religiöse Nationalisten auf abgelegenen Hügeln, Bewohner von Ortschaften, die seit Jahrzehnten existieren, und militante Aktivisten, die ohne Genehmigung einen Wohnwagen aufstellen und den nächsten Hügel besetzen.

Sie alle einfach „Siedler“ zu nennen, ist eine Verallgemeinerung, die den politischen, religiösen und gesellschaftlichen Unterschieden kaum gerecht wird.

1967

Begonnen hat alles mit dem Sechstagekrieg 1967. Israel eroberte Ostjerusalem und das Westjordanland – das Gebiet zwischen Jerusalem und dem Jordan –, das zuvor von Jordanien kontrolliert worden war. Hier entstanden die ersten israelischen Siedlungen.

Die von der Arbeitspartei geführten Regierungen begründeten deren Genehmigung mit Sicherheitsinteressen. Der Allon-Plan sah im dünn besiedelten Jordantal eine israelische Präsenz als strategischen Schutzgürtel vor. In manchen Gebieten, etwa Gusch Etzion, hatte es bereits vor 1948 jüdische Siedlungen gegeben.

Nach 1977 änderte sich die Politik. Mit dem Wahlsieg des Likud und dem wachsenden Einfluss der nationalreligiösen Bewegung Gusch Emunim wurde die Besiedlung nicht mehr nur mit Sicherheit begründet. Es ging jetzt um Judäa und Samaria – die biblischen Bezeichnungen für große Teile des heutigen Westjordanlands – als historisches und religiöses Kernland des jüdischen Volkes.

Heute verteilen sich israelische Siedlungen über weite Teile des Westjordanlands – entlang der Grünen Linie, rund um Jerusalem, im Jordantal und tief im Inneren des Gebiets. Es entstanden Schulen, Einkaufszentren, Industriegebiete, Straßen und Hochschulen. Mehr als eine halbe Million Israelis leben inzwischen im Westjordanland außerhalb Ostjerusalems – zählt man die israelische Bevölkerung Ostjerusalems hinzu, liegt die Zahl der Siedler bei etwa 750.000.

Gesetzeslage

Nach israelischem Recht muss zwischen genehmigten Siedlungen und nicht genehmigten Außenposten unterschieden werden. Israel argumentiert, das Westjordanland sei kein klassisch besetztes Territorium eines zuvor rechtmäßig souveränen Staates gewesen. Israelis würden freiwillig dorthin ziehen. Dies stelle keinen staatlichen Transfer der Zivilbevölkerung im Sinne von Artikel 49 der Vierten Genfer Konvention dar. Außerdem verweist Israel auf historische jüdische Ansprüche und frühere jüdische Gemeinden in Teilen des Gebiets.

Der UN-Sicherheitsrat erklärte 2016 in Resolution 2334, die israelischen Siedlungen in den seit 1967 besetzten Gebieten einschließlich Ostjerusalems hätten „keine rechtliche Gültigkeit“. Der Internationale Gerichtshof kam 2024 ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Israels Transfer von Siedlern in das Westjordanland und nach Ostjerusalem sowie die Aufrechterhaltung ihrer Präsenz gegen Artikel 49 der Vierten Genfer Konvention verstoßen.

Damit gibt es zwei unterschiedliche Ebenen des Begriffs „illegal“: Eine Siedlung kann von Israel genehmigt und nach israelischem Recht legal sein, während ihre Existenz nach der Rechtsauffassung des Internationalen Gerichtshofs und des UN-Sicherheitsrats gegen internationales Recht verstößt.

Auch wirtschaftlich sind die Verhältnisse kompliziert. Nach Angaben des palästinensischen Statistikamts arbeiteten im zweiten Quartal 2025 rund 15.700 Palästinenser in israelischen Siedlungen.

Außenposten

Anders verhält es sich mit den sogenannten Outposts. Sie wurden ohne die nach israelischem Recht erforderliche Genehmigung errichtet und bestehen manchmal aus kaum mehr als einigen Wohnwagen, Containern, Zufahrtswegen oder landwirtschaftlichen Gebäuden auf einem Hügel. Solche Außenposten gelten grundsätzlich auch nach israelischem Recht als illegal, wobei etliche nachträglich genehmigt wurden.

Peace Now zählte im August 2026 163 Outposts und 237 Farmen; mindestens 48 befanden sich allerdings bereits in einem Verfahren zur nachträglichen Anerkennung. Mit einem Teil dieser Außenposten ist die radikale Siedlerszene verbunden. Bekannt wurden vor allem die „Hilltop Youth“ (No’ar HaGva’ot), eine lose Szene überwiegend junger, nationalreligiöser Extremisten.

Mitglieder dieser Bewegung errichten Außenposten außerhalb bestehender Siedlungen, lehnen einen palästinensischen Staat ab und beanspruchen das gesamte Gebiet für jüdische Besiedlung. Sie sind verantwortlich für Überfälle auf Palästinenser, Brandstiftungen und die Zerstörung von Häusern und Feldern. Die Gewalt richtete sich immer wieder auch gegen israelische Sicherheitskräfte.

Extremisten

Eine pauschale Kritik an den „Siedlern“ ist daher problematisch. Hunderttausende Menschen leben in staatlich genehmigten Ortschaften, viele seit Jahrzehnten – zugleich existiert eine vergleichsweise kleine, jedoch gewaltbereite Szene mit etwa 300 bis 500 Mitgliedern.

Die Strategie der radikalen Außenposten folgt einem einfachen Prinzip – Tatsachen schaffen, bevor Politik und Justiz darüber entschieden haben. Erst steht ein Wohnwagen auf einem Hügel, die Palästinenser werden mit Gewalt vertrieben. Dann kommt ein zweiter. Danach kommen Strom, Wasser und eine Straße. Irgendwann steht auf der Landkarte eine Ortschaft, die nachträglich als Siedlung genehmigt wird.

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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 42/2025 erschienen.

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