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Die neue deutsche Unruhe: AfD, Wirtschaftskrise und Reformdruck

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Friedrich Merz

©Photothek, Imago

Deutschland wächst wieder – und wirkt doch so verunsichert wie lange nicht. Die AfD gewinnt Wahlen, die Regierung ringt um Reformen, das alte Wirtschaftsmodell steht unter Druck. Und zugleich muss Europas wichtigste Volkswirtschaft ihre Rolle in einer neuen Weltordnung finden.

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Der Innenpolitikchef der Presse blickt am Tag nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern genüsslich auf „diese Deutschen“ herab: „Diese Deutschen. Immer hinten nach. Im Bahnverkehr. Und in der Politik. Nun führen sie dort Debatten, die wir schon vor 30, 40 Jahren geführt haben …“

Kleiner, feiner Nachtritt

Zum zweiten Mal in Folge war die AfD als stärkste Kraft in einem ostdeutschen Bundesland durchs Ziel gegangen. In Mecklenburg-Vorpommern flog zudem die Kanzlerpartei CDU aus dem Landtag. Ein Novum in der Parteigeschichte. Die Logik, meint der Kollege, sage einem, „dass man Rechtspopulisten in (Regierungs-)Verantwortung einbinden bzw. deren Themen glaubwürdig aufnehmen muss“.

Aber da ist ja noch die Moral beim „Lieblingsnachbar“. „Und in Sachen Moral sind die Deutschen bekanntlich Weltmeister. Im Fußball nicht mehr …“, heißt es weiter. So wie immer halt. Ein Schenkelklopfer. Ein kleiner, feiner Nachtritt. Ein paar launige Einschätzungen zum Morgenkaffee.

Die Moral und die Folgen

Anderswo in Europa ist niemandem nach Schenkelklopfen zumute. Le Monde interessiert weniger die deutsche Lust an moralischen Debatten als deren Folgen. Die Sorge sei, dass ein innenpolitisch geschwächter Merz europäische Entscheidungen blockiert oder verzögert. „Ein geschwächter deutscher Kanzler ist für Brüssel nie eine gute Nachricht“, heißt es. Auch El País richtet den Blick auf das größere Problem: Aus Brüsseler Sicht treffen zwei Entwicklungen zusammen – die Stärke der europaskeptischen AfD und die Schwäche eines Kanzlers, auf dessen Regierung die EU angewiesen ist.

Im Ausland wird die Wahl weniger als regionales deutsches Beben gelesen denn als Test, ob Deutschland politisch noch verlässlich führen kann. Was ein weiterer Machtgewinn der AfD außenpolitisch bedeuten könnte, lässt sich an den Aussagen ihrer Parteispitze ablesen. AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel sagte im ZDF-Sommerinterview, Deutschland solle aus dem Schengen-Abkommen austreten. Und: „Deutschland ging es deutlich besser vor der Euro-Einführung.“ Auch in der Sicherheitspolitik sind die Signale eindeutig. Der zweite AfD-Vorsitzende, Tino Chrupalla, sagte im November bei „Markus Lanz“: „Ich sehe aktuell durch Russland keine Gefahr für Deutschland.“ Auf die Nachfrage, ob dann etwa auch Polen eine Gefahr sein könne, antwortete er: „Natürlich kann auch Polen für uns eine Gefahr sein.“

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 40/2026 erschienen.

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