ABO

Deutscher Ex-Geheimdienstchef Hanning festgenommen

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Ex-BND-Chef August Hanning (Archivbild)
©APA, dpa, Michael Kappeler
Der Ex-Präsident des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, ist am Dienstag unter Spionageverdacht festgenommen worden. Außer dem 80-Jährigen wurde auch sein ehemaliger Büroleiter festgenommen. Dieser soll Hanning nach Ende von dessen Beamtenlaufbahn jahrelang geheime Informationen weitergegeben haben. Es steht der Verdacht des Auskundschaftens von Staatsgeheimnissen im Raum. Es soll dabei aber nicht um eine Verbindung zu Russland gehen.

von

News auf Google bevorzugen

Nach Angaben der deutschen Bundesanwaltschaft steht Hanning unter anderem unter dem Verdacht des versuchten Landesverrats und der geheimdienstlichen Agententätigkeit. Seinem Mitarbeiter wird Beihilfe vorgeworfen. Der frühere Büroleiter Manfred D. soll dem ehemaligen BND-Chef auch nach dessen Dienstzeit Erkenntnisse des Nachrichtendienstes weitergegeben haben, die Hanning für seine Beratertätigkeit genutzt haben soll. Demnach soll er Hanning bis Juni 2022 gegen Geld fast 2.000 Dokumente zur Verfügung gestellt haben, darunter vielfach als Verschlusssache eingestufte Informationen für die Leitungsebene. Manfred D. sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft, wie am Dienstagnachmittag bekannt wurde.

In einem Fall soll Hanning die geheimen Informationen genutzt haben, um eine Analyse für den Mitarbeiter eines ausländischen Geheimdienstes zu erstellen. Zudem habe er über Jahre hinweg einen Angehörigen eines anderen staatlichen Nachrichtendienstes mit politischen Informationen versorgt.

"Der BND hat frühzeitig und unverzüglich umfangreiche interne Ermittlungen einleiten lassen, die den Verdacht erhärteten", teilte der aktuelle BND-Präsident Martin Jäger mit. "Für den BND und mich gibt es bei der internen Sicherheit keine Kompromisse. Keines meiner Ziele, keine meiner Prioritäten wird durch diesen Vorgang in Frage gestellt."

Erst am Montag hatte Jäger vor einer verschärften Sicherheitslage und einem möglichen gewalttätigen Konflikt mit Russland gewarnt. Er sprach im Bundestag von einem "Schattenkrieg", den Russland gegen den Westen und vor allem Deutschland führe.

Als möglich gilt, dass der ehemalige BND-Chef etwa Staaten wie Israel vertrauliche Papiere zugespielt haben könnte. Die deutschen Geheimdienste hatten seit längerem angekündigt, dass sie wegen der verschärften geopolitischen Lage sofort auf alle Verdachtsfälle auch in ihren Häusern reagieren würden.

Die Fraktionschefs der SPD- und CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Matthias Miersch und Thorsten Frei, äußerten sich entsetzt und forderten Aufklärung. Frei sprach von einer "verstörenden Nachricht". Mit Blick auf die Beratung im Parlament über die Geheimdienste-Reform fügte er hinzu, man werde von überall her angegriffen. Die Reform sei dringend nötig. Miersch sprach von einem "alarmierenden Vorgang". Er forderte eine Debatte über Karenzzeiten von ausscheidenden Geheimdienst-Mitarbeitern. Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete und Geheimdienstkontrolleur Daniel Baldy forderte schärfere Regeln für ehemalige Spitzenkräfte der Nachrichtendienste. Wer als BND-Präsident oder in einer anderen sicherheitsempfindlichen Funktion tätig gewesen sei, dürfe anschließend nicht in einer privaten Beratungsfirma arbeiten.

Die stellvertretende Linken-Fraktionschefin Clara Bünger sagte, die Ermittlungen gegen Hanning zeigten erneut, dass die Geheimdienste selbst ein Sicherheitsrisiko seien. Das wisse man nicht erst seit den Verstrickungen des Verfassungsschutzes in die Mordserie der Neonazi-Terroristen vom NSU.

Hanning leitete den deutschen Auslandsgeheimdienst von 1998 bis 2005, danach war er Staatssekretär im deutschen Innenministerium. Im Anschluss wechselte Hanning in die Privatwirtschaft und arbeitete als Sicherheitsberater.

Die Erkenntnisse stammen laut Medieninformationen aus den Ermittlungen gegen Hanning wegen einer möglichen Beteiligung an der Entführung der Kinder der Hamburger Unternehmerin Christina Block. Der frühere Präsident des Bundesnachrichtendiensts und ein pensionierter Beamter des Landeskriminalamts (LKA) Hamburg stünden im Verdacht, als Verantwortliche einer Sicherheitsfirma 2022 einen Auftrag von Christina Block zur Kindesentziehung angenommen zu haben, hatte die Staatsanwaltschaft im Herbst 2025 mitgeteilt. Die Steakhauserbin, gegen die derzeit ein Strafverfahren läuft, ließ laut Anklage ihre beiden Kinder, die beim Vater in Dänemark lebten, in der Silvesternacht 2023/24 von Mitarbeitern einer Sicherheitsfirma in ein Auto zerren und nach Deutschland bringen. Block bestreitet die Beteiligung an der Entführung.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER