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Sandra Gugić präsentierte Ausschnitte ihres neuen Romans "Niemand weiß, dass wir hier sind", der nun nicht von dtv, sondern vom Salzburger Verlag Jung & Jung herausgegeben wird. "Umso schöner, dass ich heute hier vorlesen kann", meinte die Autorin beim Literatur-Open-Air in Bezug auf die verlegerischen Anspannungen und die Verschiebung der Romanveröffentlichung, die nun für 25. Februar 2027 angekündigt ist. Gugić hatte im Vorfeld angegeben, dass "inhaltliche Differenzen" über ihr Buch Grund für den Wechsel gewesen seien. Aus vertraglichen Gründen könne sie sich diesbezüglich nicht näher äußern. Auch auf der Sommerbühne entgegnet sie Fragen zum Thema im selben Wortlaut.
Mutter, Vater, Kind, zuvor in Berlin lebend, wagen in Tel Aviv-Jaffa einen Neuanfang. "Wir sind drei, aber nicht mehr dieselben", fasst die Protagonistin die neue Lebensrealität zusammen. Um dem Gefühl des Fremdseins entgegenzuwirken, reist die Frau durch die Westbank und Israel. Unterwegs sammelt sie die Geschichten derer, denen sie begegnet. Dann kommt der 7. Oktober 2023. Die traumatischen Ereignisse reißen eine ganze Welt in einen Abgrund aus Gewalt und Zerstörung. Inmitten von Sirenenheulen und Raketenflug wird der Spielplatz zum Ort, an dem die Frau ihrem Kind ihre Geschichten erzählt. Als Berichtende und Zuhörerin zugleich versucht sie, in der gegenwärtigen Extremsituation Zeugnis abzulegen.
In fünf Leseblöcken führt die 49-jährige Wienerin durch ihr neuestes Buch, das einstweilen nur in Manuskriptform vorliegt. Im Gespräch mit "Falter"-Literaturkritiker Fasthuber spricht die Autorin über "die Illusion des Neuerfindens". "Neuanfänge sind meistens eine Lüge, denn es gibt einen Kern, der immer bleibt", hält Gugić fest. In ihrem Schreiben sei es zentral, möglichst viele Perspektiven zu recherchieren, das eigene Narrativ zu hinterfragen und den Blick zu öffnen. In diesem "autofiktionalen Botinnen- und Botenbericht", wie Gugić ihren Roman kategorisiert, vereine die Autorin "Recherchiertes, tatsächlich Erlebtes und Reportagenähnliches" zu einer vielstimmigen Erzählung. Ihr persönlicher Aufenthalt in Tel Aviv-Jaffa sei eine intensive und prägende Zeit gewesen, in der sie viel Material - Reisen, Gespräche, Interviews - gesammelt habe. Denn Literatur bedeute, "Erlebtes in eine verständliche Form zu bringen".
Sein Romandebüt präsentiert zuvor Hans-Joachim Gögl mit "Vatertag". Um einer lebenslangen Diskussion ein Ende zu setzen, schlüpft ein Sohn nach dem Tod seines Vaters drei Tage in der Woche in dessen Schuhe. Er will so der Frage, wer der besseren Lebensphilosophie folgt, auf den Grund gehen. Vom Moderator als Vorband angekündigt, erzählt Fasthuber von der Überwindung seiner eigenen Reaktanz einem weiteren Vater-Sohn-Roman gegenüber. Und Gögl beweist sich dessen würdig. Mit einer allegorischen Bowling-Szene bringt er die Beziehung seiner Protagonisten auf den Punkt. Da gibt es den leichtfüßigen Vater, dem der ehrgeizige Sohn gegenübersteht. Das rivalisierende Verhältnis zwischen Vater und Sohn spiegelt sich im sportlichen Wettkampf.
Eine präzise, humorvolle und sensible Sprache kennzeichnet auch die folgenden Passagen, für die der Autor lobendes Geflüster und amüsiertes Gelächter erntet. Ein bereits niedergeschriebenes Familienporträt liegt noch in Gögls Schreibtischlade, gibt er auf Nachfrage des Moderators, es könne sich bei "Vatertag" nicht um einen Debütroman handeln, preis. "Vielleicht kommt noch mehr", schließt der Autor hoffnungsvoll ab. Und wer bei seiner Lesung Lust auf mehr bekommen hat: Sein "Vatertag" ist ausgeliefert und kann gekauft und gelesen werden.
(Von Caterina Schiliro/APA)
(S E R V I C E - Hans-Joachim Gögl: "Vatertag", Klett-Cotta, 288 Seiten, 25,70 Euro, ISBN: 978-3-608-96730-2; Sandra Gugić: "Niemand weiß, dass wir hier sind", Jung und Jung, erscheint am 25. Februar 2027)
