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Wer es aber liest, stellt bald fest, dass es in dieser autofiktionalen Geschichte nicht nur um einen Immobilienkauf geht, der einen in vielen Details an Jaqueline Kornmüllers 2024 erschienenes Buch "Das Haus verlassen" erinnert, sondern um Fragen des geglückten Lebens an sich. "Haus, ich verkaufe dich!" lautet der erste Satz, und immer wieder empfindet die Erzählerin ihr Wochenendhaus am See, dessen Idylle sich rasch als brüchig erweist, als Ansprechpartner bzw. als Ding mit Eigenleben, dem sie Rechenschaft schuldet. Aber vorwiegend geht es um sie selbst. Es ist eine Zwischenbilanz darüber, wie ihr Leben bisher verlaufen ist und was besser gehen hätte können. Mit der Seele kann nicht gebaumelt werden, denn sie ist weder allein, noch in Ruhelage.
Es sei ein "ganz besonders vergnügter, überraschend krisenarmer Schreibprozess" gewesen, lässt die Autorin dieses Buches "über ein Haus und einen Garten in der ostdeutschen Provinz, in einer idyllischen Umgebung, bevölkert allerdings von einem rätselhaften Personal" die Buchhändler wissen, hält aber zugleich fest: "Die Erzählerin, die als Österreicherin zwischen all den erbittert verteidigten Ossi- und Wessi-Stühlen sitzt, ähnelt mir vermutlich in manchem. Aber das bin dennoch nicht ich, vergessen Sie's."
Die Erzählerin jedenfalls nimmt das Haus, das in DDR-Zeiten eine Gastwirtschaft in der Nähe eines noch immer auf Karten verzeichneten, aber schon lange aufgelassenen Campingplatzes war, als Metapher für das eigene Auf und Ab: Aufbruch in eine Ehe, in die man anfangs bereit war, alles zu investieren; das allmähliche Zerbröckeln eines schönen Traums, an dem man eines Tages nur noch Routine und Arbeit wahrnimmt, aber kein Glück mehr verspürt; die sich immer stärker aufdrängende Frage von Trennung und Neuanfang. Auch die neue Zweisamkeit, als "Habibi" mehrfach in Einschüben direkt angesprochen, scheint nicht haltbar gewesen zu sein. Der, mit dem man einmal doch "einen ganzen Arbeitstag lang knutschte", ruft nicht mehr zurück.
Nach all' den Geschichten über die "Sch'tis", wie die zugewanderte Ösi die alteingesessenen Ossis nennt, und die Wühlmäuse- und Abwasser-Probleme hat man als Leser (der sich nicht schweißtreibend und nervenaufreibend um die Lösung aller Probleme kümmern muss) das Haus am Ende richtig lieb gewonnen und bedauert es, dass die Erzählerin doch bei ihrem Entschluss, das Haus zu verkaufen, bleibt: "Denn ich muss noch einmal aufbrechen. Ich möchte herausfinden, ob meine neue, stabile Alleinruhelage nicht doch ein wenig mehr Bewegung verträgt." - Am 20. August liest Eva Menasse bei den O-Tönen im Museumsquartier aus ihrem Buch.
(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)
(S E R V I C E - Eva Menasse: "Alleinruhelage", Kiepenheuer & Witsch, 214 Seiten, 23,70 Euro, Lesung bei den O-Tönen: 20.8., 20 Uhr)
