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Uche Yara legt Debüt vor: "Wollte mich selbst überraschen"

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Mit "Bodyscanner" geht Uche Yara ab Mitte Oktober auf Tour
©goldendays FM, P. Gavrilova, Polina Gavrilova, APA
Uche Yara ist ein Phänomen. Als die junge Oberösterreicherin (Jahrgang 2002) vor drei Jahren als Headliner-Act auf der Seebühne am Popfest spielte, hatte sie noch keinen einzigen Song veröffentlicht. Trotzdem folgten internationale Auftritte, dann auch erste Singles und zwei EPs. Nun legt die frisch gebackene Bilderbuch-Gitarristin mit "Bodyscanner" ihr Debüt vor - ein dunkel-schillerndes wie tanzbares, facettenreiches wie anspruchsvolles Album.

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"Ich wollte mich selbst überraschen und nicht etwas machen, was es zuvor schon 50.000 Mal gegeben hat. Das war der Zugang zu jedem einzelnen Song", erzählt Yara im APA-Gespräch über die Arbeit an "Bodyscanner". Großen Druck habe sie - Erfolge und Erwartungshaltungen hin oder her - nicht verspürt: "Ich bin es eigentlich relaxt angegangen. Ich war selbst überrascht, als ich gespürt habe, dass ich bereit bin. Davor habe ich mich viel zu unreif für ein Album gefühlt. Ich habe hohe Ansprüche an ein Album. Da will ich Inhalt vermitteln und eine eigene Welt erschaffen und nicht einfach eine zusammengestückelte Playlist schreiben", meint die Multiinstrumentalistin.

Den Stein endgültig ins Rollen brachte eine Session mit dem Linzer Produzenten Alex The Flipper, der die Künstlerin im Herbst 2024 in ihrer Wahlheimat Berlin besuchte. In nur 20 Minuten war dann das Gerüst des Titeltracks "Bodyscanner" fertig. "Das war magisch. Wir hatten nur diesen mantraartigen Loop, sonst nichts. Aber er meinte: 'Hey, das ist ein Album-Opener.' Das hat alles aufgemacht in mir. Ich dachte: Ein Album in so einer Manier zu schreiben, darauf hab' ich Bock!", strahlt die Künstlerin.

Klassische Songwriting-Phasen hat sich Uche Yara dafür nicht freigeschaufelt. Vielmehr habe sie zwischendurch immer wieder Ideen "zusammenkuratiert", aus am Laptop abgelegten Skizzen, Schnipseln und Fragmenten ihre Klangtexturen gezimmert. "Der Sound hat sich aus Dingen, die schon da waren, gestaltet und ich habe gemerkt, dass das für mich voll Sinn ergibt", erklärt die Musikerin.

Elf Stücke sind es geworden. "Es kommt mit einer Kraft und Bestimmtheit daher", charakterisiert sie das Album selbst. Dunkler sei es geworden als die Songs zuvor - "und tanzbar", schießt Uche Yara noch nach. Das hat auch mit den Erfahrungen und dem Lebensgefühl der Musikerin im Entstehungsprozess zu tun. Sie habe sich nie wirklich wohlgefühlt in Clubs: beobachtet werden, urteilende Blicke, oberflächlicher Konsum, Unsicherheit. In Berlin, wohin sie gleich nach der Matura gezogen ist, hat die Oberösterreicherin mit nigerianischen Wurzeln dann Kontakte zur queeren und BIPoC-Community (Black, Indigenous and People of Color) geknüpft - und sich den Club zurückerobert. "Ich habe gemerkt, wie schön es ist, Musik präsent zu genießen", beschreibt sie die Erfahrung, die sie auch auf dem Album transportieren will. "Bodyscanner" als Begriff steht damit auch weniger für oberflächliche Fremd- als für Selbstwahrnehmung, für den Blick nach innen und den Spaß am eigenen körperlichen Ausdruck.

Würde sie, wie schon in einem früheren Interview, ihre Musik immer noch als sperrig bezeichnen? "Ja, auf jeden Fall", lacht Uche Yara. Tatsächlich sind die komplexen Songgebilde nicht unbedingt für schnelles Drüberhören geeignet. Beeindruckend ist nicht nur die stilistische Bandbreite mit pulsierenden Loops, elektronischen Texturen und gebrochenen Rhythmen, sondern auch die mächtige, tief grundierte Stimme der Sängerin. Im Titeltrack erinnert ihr Timbre an Grace Jones, in "hello hello" zeigt sie sich zerbrechlicher, im euphorischen "DIVA CLUB" nimmt sie gar die Rolle der anfeuernden Kapitänin eines FLINTA-Roller-Derby-Teams ein. "Solche Rollen machen mir voll Spaß. Wenn ich die ganze Zeit nur bei mir bleibe, habe ich das Gefühl, mich zu wiederholen", sagt die Musikerin.

Als wären Arbeit und Adrenalinausstoß mit Blick auf das erste Album nicht schon genug, hat Uche Yara bekanntlich seit Sommerbeginn noch einen zweiten Job. Sie wurde von Bilderbuch als Liveleadgitarristin angeheuert - und damit als Nachfolgerin für den ausgestiegenen Mike Krammer. "Die Geschichte kannst du dir nicht ausdenken, das ist so verrückt", meint sie. Bilderbuch sei eine der ersten Bands gewesen, die sie als junger Teenager live gesehen habe und sofort Fan davon geworden sei. "Das hat mich geflasht, das war ein Life-changing-Moment." Krammer sei "ein Gitarrenhero" für sie. Schon allein technisch könne sie das nicht spielen. "Aber das arge Vertrauen der Band war krass. Ich kann nicht Mike 2.0 sein, sondern muss meine eigene Sprache finden und gleichzeitig versuchen, mich nicht anzubiedern. Das ist ein interessantes Spannungsfeld."

Dass Uche Yara überhaupt einmal als Gitarristin auf der Bühne stehen würde, war sowieso lange nicht absehbar. Aus einer musikalischen Familie kommt sie nicht. "Eigentlich hat meine Kindergärtnerin gecheckt, dass ich auf Musik stark reagiere", erzählt sie. Im frühen Volksschulalter fing sie an, klassisches Schlagwerk mit allen damit verbundenen Instrumenten von Percussion bis Marimba zu lernen. Erst mit 13 kam die E-Gitarre dazu und drängte sich immer mehr in den Vordergrund. Im Linzer Pop-Borg stellte ein Lehrer, der ihr Talent erkannte, die Verbindung mit jenem Team - ebenfalls aus Oberösterreich stammend - her, das Bilderbuch managt. "Ich dachte mir damals, dass ich Ärztin werde und nebenbei ein bisschen spiele. Im letzten Schuljahr war dann klar: Okay, ich will Musik machen." Also brach sie auf nach Berlin, wo das Bilderbuch-Management schon war und sie nun ebenfalls unter seine Fittiche nahm.

Ihre außertourliche Stage-Premiere mit der mitunter angesagtesten Band des Landes gab sie 2022 vor dem Auftritt der Rolling Stones im Happel Stadion, das andere Mal im Rahmen eines Solidaritätskonzertabends für die Ukraine. In der neuen fixen Livekonstellation haben Maurice Ernst, Peter Horazdovsky und Philipp Scheibl gemeinsam mit Uche Yara kürzlich drei exklusive Gigs - von der Band selbst "öffentliche Proben" genannt - im Flex im Vorfeld des neuen Bilderbuch-Albums "∞+1" gespielt. Das letzte fand erst am 11. September statt. Wie war's? "Es war verblüffend, wie natürlich sich das Livegefühl mit den Boys angefühlt hat. Die Dynamik auf der Bühne war so, als hätten wir das schon immer gemacht. Das war echt crazy", freut sich Uche Yara.

Sie selbst startet ihre eigene Tour Mitte Oktober. Nach einer Handvoll UK-Terminen und Auftritten in Brüssel, Köln, Paris, Rotterdam, Hamburg und München beehrt sie am 5. November schließlich für ein Österreichkonzert die Wiener Arena. Wie beurteilt die Sängerin eigentlich selbst ihren steilen Karriereweg? "Ich bin vielleicht schneller auf so etwas wie einem Nährboden angekommen, aber dass da etwas sprießt, da fühle ich mich noch sehr am Anfang." Das Arena-Konzert ist längst ausverkauft. Nächste Chance: 16. Dezember im Wiener Club Grelle Forelle.

(Das Gespräch führte Thomas Rieder/APA)

(S E R V I C E - https://ucheyara.webflow.io/ )

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/goldendays FM/P. Gavrilova/Polina Gavrilova

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