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Louie Austen ist schlicht ein Phänomen. Bürgerlich Alois Luef, ist er wohl der coolste Opa der Wiener Musikszene. Geboren 1946 in Wien, verdiente er sich seine Sporen jahrelang als klassischer Barsänger und Jazz-Crooner, immer auf den Spuren des "Rat Pack" (Frank Sinatra/Dean Martin, Sammy Davis jr.) - unter anderem samstags in der Cascade Bar des Marriott Hotels. Für die jüngeren Semester: Ein "Crooner" ist ein Sänger mit sanfter, warmer und sehr melodischer Stimme, stilistisch meist im Jazz beheimatet. Der Ausdruck leitet sich vom englischen "to croon" her (sanft singen, säuseln).
Der eigentliche Clou von Louie Austens Karriere: 1998 entdeckte ihn der Elektro-Produzent Mario Neugebauer in - Überraschung - einer Hotelbar und brachte den damals schon ergrauten Sänger mit Techno-Beats zusammen. 1999 erschien sein Debütalbum "Consequences" - und plötzlich stand der Crooner mit der samtenen Stimme auf denselben Bühnen wie junge Elektro-Produzenten, u. a. in der "WMF-Lounge" - einem der einflussreichen Berliner Elektro-Clubs jener Zeit.
Legendär auch die Fotos vom über 50-Jährigen, der mit tätowierten Techno-Produzenten abhängt. Einen zusätzlichen Hype-Schub bekam Austen damals, als in der Folge der legendäre Wiener Elektro-Produzent Patrick Pulsinger mit einstieg. Austen nennt sein damaliges Genre selbst "Electrocrooning", quasi: Sinatra-Feeling trifft auf Clubsound.
Vom"Sinatra" war am Samstagabend viel zu spüren und hören, vom Electrocrooning nichts. Denn der sympathische Karriere-Rückblick umfasste eine beeindruckende Kaskade an Clubjazz-Standards: "That's Why the Lady Is a Tramp", "Sunny Side of the Street", "What a Difference a Day Makes", Honeysuckle Rose", "Embraceable You", das wundervolle "Smile" von Charlie Chaplin und vieles mehr.
Und Louie "Luef" Austen versteht es auch meisterhaft, das Wienerische mit dem Great American Jazz Songbook zu vermählen: Nach seinem Intro "Es is' so a gschi....nes Wetter" intonierte er lässig "Singin' in the Rain". Grandios auch Antonio Carlos Jobims Bossa-Nova-Welthit "Girl from Ipanema" und die beiden Duette mit der neapolitanischen Sängerin Loredana Iodicicco: "Something Stupid" und - natürlich - Dean Martins Italo-Hadern "That's Amore".
Aber selbst im Alter von 80 traut sich Louie Austen noch etwas: Den Abschluss des regulären Programms bildete eine Rap(!)-Version von George Gershwins "Summertime". Und natürlich ging es nicht ohne imposante Geburtstagstorte und zwei Zugaben zu Ende: Frank Sinatras "My Way" und "Fly Me to the Moon", ebenfalls von "Frankie Boy" in den 1960ern endgültig weltberühmt gemacht.
