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Der vielseitige Erwin Steinhauer feiert 75. Geburtstag

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Erwin Steinhauer (hier mit Kumpel Heinz Marecek) wird 75
©APA, GEORG HOCHMUTH
"Der Tragikomiker" - so betitelte Fritz Schindlecker seine Biografie von Erwin Steinhauer. Und wohl selten traf ein Titel so den Kern eines Porträtierten. Der Kabarettist, Theatermensch, Publikumsliebling und Filmschauspieler hat die verschiedensten Bühnen im Laufe seiner Karriere bespielt - in puncto Größe und in puncto Genre. Nun feiert der Wiener am Samstag (19. September) seinen 75er und steht auch jenseits des Pensionsantrittsalters weiterhin regelmäßig auf der Bühne.

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Dass er "intensiv und nachhaltig" das österreichische Kulturleben beeinflusst hat, wie es der damalige SPÖ-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny bei der Verleihung des Goldenen Wiener Verdienstzeichens 2010 formulierte, wird niemand ernsthaft bestreiten - schließlich hat Steinhauer seit der Gründung der Kabarettgruppe "Keif" 1974 (gemeinsam mit Wolfgang Teuschl und Erich Demmer) die österreichische Kabarettszene mitgeprägt, hat vom Burgtheater abwärts an nahezu allen wichtigen heimischen Theaterbühnen gespielt und ist u.a. als eigenbrötlerischer Landgendarm Simon Polt zum fixen Bestandteil österreichischer Fernsehunterhaltung geworden.

Dabei stammt Erwin Steinhauer keineswegs vom Land, sondern aus einem kulturellen Hotspot, wuchs der am 19. September 1951 Geborene doch im Bezirk Alsergrund auf, maturierte mit 17, brach das auf Wunsch des Vaters begonnene Studium (statt Jus wurde es allerdings Lehramt für Deutsch und Geschichte) ab - und wurde Kabarettist. Nach Engagements wie am Wiener Kabarett Simpl und am Düsseldorfer Kom(m)ödchen brachte er 1982 mit "Entlassen!" sein erstes Soloprogramm heraus, dem etliche weitere - darunter "Café Plem-Plem" (1984) und "Auf der Schaufel" (1989) - folgten. Zwischen 1992 und 2001 legte er mit der Begründung "Wenn sich bei dem Kabarett, das man macht, außer dem Bankkonto nichts bewegt, dann hat das keinen Sinn", eine Kleinkunstpause ein. Später hatte er u.a. mit dem Farkas/Grünbaum-Programm "Was lachen Sie?" mit Heinz Marecek großen Erfolg.

Steinhauer hat in Dutzenden Hörspielen und mehr als 100 Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt. Nicht alle waren Qualitätsprodukte, wie er in seiner 2007 erschienenen Biografie offen zugibt: "Auf meiner Filmliste ist Vieles darunter, das ich gemacht hab, um zu überleben. Nicht immer war ich relevant und oft nicht einmal besonders wichtig, sondern ich war einfach der, wegen dem die Leute gern lachen." Mit den Verfilmungen von Alfred Komareks "Polt"-Krimis durch Julian Pölsler, in den drei "Brüder"-Filmen von Wolfgang Murnberger, aber auch in der ORF-Krimiserie "Trautmann", in der TV-Satirereihe "Die 4 da" und der Fernsehserie "Die Toten von Salzburg" hat er jedenfalls an vielen Produktionen mitgewirkt, die Bestand haben. Zuletzt war er etwa zu erleben in Thomas Stipsits' Erfolgskomödie "Griechenland" (2023) oder als Erzbischof von München in der Miniserie "Himmel, Herrgott, Sakrament".

Als Regisseur inszenierte Steinhauer unter anderem für die Bühne "Muttertag" der Gruppe Schlabarett, aber auch Mitterers "Ein Jedermann" oder Nestroys "Liebesgeschichten und Heiratssachen" in der Josefstadt. Als Burgtheater-Ensemblemitglied (1982-88) spielte Steinhauer Rollen wie den "Herr Karl", am Volkstheater den Fortunatus Wurzel im "Bauer als Millionär", an der Volksoper und am Theater an der Wien den "Fledermaus"-Frosch, bei den Salzburger Festspielen den Mammon im "Jedermann" oder am Landestheater Niederösterreich den Bockerer. Und nicht zuletzt war Steinhauer regelmäßig am Theater in der Josefstadt zu erleben, etwa als Oskar in "Geschichten aus dem Wiener Wald" oder Bankier Natter in "Das weite Land".

Ein weites Feld ist indes der Raum, den die Preise in Erwin Steinhauers Karriere einnehmen. So darf der Jubilar unter anderem den Salzburger Stier, die Romy, den Karl-Skraup-Preis und Goldene Ehrenzeichen aus Wien und dem Burgenland sein Eigen nennen. Für die Rolle des traumatisierten Kriegsreporters in "Thank You For Bombing" (2016) erhielt er den Diagonale-Schauspielpreis, ein Jahr später wurde er zum Kammerschauspieler ernannt.

Und auch der ORF würdigt nun den nahenden Jubilar mit einem ganzen Feuerwerk an Formaten. Neben zahlreichen Sendungen im Vorfeld kommt Steinhauer vor allem am eigentlichen Geburtstag zu Ehren, wenn er etwa am Morgen in ORF 2 in "Mein Alsergrund" durch seinen Heimatbezirk zieht, bevor am Abend "Erwin Steinhauer - Ein Roadmovie zum Geburtstag" folgt, bei der das Geburtstagskind weitere Kreise zieht. Und in der Nacht ist auch ein Triple aus Alfred Komareks kultigen Polt-Filmen programmiert. ORF III lässt tags darauf einen Schwerpunkttag folgen. Und am 29. November ist dann etwas geburtstagsverspätet auch eine Premiere vorgesehen, wenn Steinhauer an der Seite von Adele Neuhauser im Thriller "Wenn das Licht gefriert" als potenzieller Mörder mit Alzheimer zu erleben ist.

(S E R V I C E - www.allesgute.at/ )

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