von
"Der Ansatz war, dass es wieder mehr nach uns klingt, dass es nicht so poliert klingt wie die Singles, die wir zuletzt gemacht haben", beschreibt es Sushon im APA-Gespräch. "Wieder weg vom Indie und zurück zum Garagen-Rock-Punk-Zeugs", ergänzt Schlagzeuger Leon Eder. Als sich die Gruppe 2022 mit ihrem Debüt "Krach" vorstellte, war der Titel Programm: raue, laute, getriebene, energievolle Songs. Dann folgten im Jahrestakt die Alben "Müde" (2023) und "Es kann sein dass alles endet" (2024).
Im Vorjahr kam der Motor dann aber etwas ins Stottern. "Wir waren so viel auf Tour, dass wir nur für die Shows geprobt haben. Da hat sich das gemeinsame Schreiben in Luft aufgelöst, weil der Proberaum nur noch ein Arbeitsplatz war und kein Ort mehr für Kreativität", erinnert sich Eder. Also haben die Bandmitglieder, zu denen auch noch Gitarrist Alex Waismayer und Bassistin Anna Grob gehören, begonnen, jeder für sich zu Hause Songskizzen am Laptop zu basteln. Aber so wirklich funktioniert hat das individuelle Vor-sich-Hinwerkeln nicht. "Es waren schon coole Ideen dabei, aber es ist was anderes, wenn es aus einem Guss kommt", sagt Grob.
"Also haben wir beschlossen, uns nicht mehr Dateien hin- und herzuschicken und die dann zu einem Monster zusammenzubauen, sondern wieder gemeinsam und organisch im Studio zu schreiben", führt Drummer Eder aus. Die an die 30 zuvor entstandenen Liedentwürfe habe man allesamt verworfen. Nur das Stück "Erwachsen" hat es letztendlich auf das insgesamt elf Songs umfassende, neue Album, das ab Freitag im Handel ist, geschafft. Kein Wunder, sei doch das Erwachsenwerden und der Umgang damit so etwas wie ein Grundthema der Platte, finden die Mittzwanziger. "Bleib für immer ein Kind und hör niemals auf zu tanzen / Bleib für immer ein Kind und hör niemals auf zu lachen", heißt es im Track. Ist das Älterwerden so schlimm? "Ich vermisse schon oft dieses Nichtsahnende, das man hat, wenn man jünger ist", gibt Eder zu: "Das Erwachsenwerden ist gar nicht das Problem, sondern zu bemerken, wie oft du Teil von etwas bist und wie wenig du daran ändern kannst. Du wachst auf, reibst dir zwei Mal die Augen und willst eigentlich schon jemand in die Gosch'n hauen, weil die Welt ist, wie sie ist. Das hatte ich früher weniger. Das ist - zumindest für meinen Teil - vielleicht auch der Grund, warum wir wieder wütendere Musik machen wollten."
Platz für Zorn gibt es auf dem Album genug. Gleich im Opener "Kiwara" wird die Exekutive ordentlich angebrüllt, in "Nasenbrecher" - gesungen von Grob - geht es um female rage an einem, der das Wort Nein nicht versteht: "Und ich schlag ihm ins Gesicht / Und die scheiß Nase bricht / Jetzt liegt er am Boden / Ich tret ihm nochmal in die Hahahaha". Ist der Albumtitel eigentlich auch so angriffslustig gemeint, wie er klingt? "Man kann ihn aggressiv deuten, aber auch tröstend - wenn man z.B. jemandem, der traurig ist, sagt: Schau nicht so! Was ist denn los?", versucht es Eder mit einer zweideutigen Lesart. Dass der Mittelfinger, der einem am Cover entgegengestreckt wird, aber eher doch für erstere Interpretation spricht, nimmt die Band lachend zur Kenntnis. Aber es gibt auch zurückhaltendere Songs wie "Es geht schon" oder "Das letzte Lied" auf dem Album.
Bisher vier Platten in fünf Jahren haben die Leftovers veröffentlicht - ein beachtlicher Output. "Wir sind halt vier Leute, die alle schreiben. Da sammelt sich schon was an", erklärt Sushon. "So lange man was zu sagen hat, muss man richtig viel raushauen. Dann muss dann reichen, bis man 70 ist", lacht Eder. Apropos hohes Alter: Wie war es jetzt eigentlich, vor Zehntausenden Leuten für die Hosen einzuheizen? "Leiwand" (Eder), "absolut insane" (Grob). "Mein Gitarrenkabel ist fünf Meter lang, aber die Bühne war 20 Meter breit", verweist Gitarrist Alex Waismayer auf die etwas anderen Dimensionen in der oberen Popliga.
Leon Eder meint aber auch, das sei "mehr so ein Ding", mit dem man vor der Oma angeben könne. "Ich persönlich finde es 1.000-mal geiler, wenn wir einen Gig spielen, wo nur 500 Leute wegen uns da sind, als die größten Shows, wo man nur Support-Act ist." Nachsatz: "Aber trotzdem voll geil, dass wir das machen durften." Kann man von den alten Hasen à la Campino und Co. was lernen? "Was man jedenfalls mitnehmen kann: Die Hosen waren zehn Jahre lang eine semierfolgreiche Band, bis es dann explodiert ist. Man muss einfach durchhalten und weitermachen", so Waismayers Motto.
Womit wir bei den eigenen Zielen wären. "Ich wär happy, wenn wir eine Nightliner-Tour machen, bei der wir was verdienen und in jeder Stadt vor ca. 1.000 Leuten spielen", sagt Sänger Sushon. Anna Grob sieht das ähnlich: "Seit wir mit Wanda im Nightliner mitgefahren sind, haben wir Blut geleckt. Die langen Fahrten fallen zwar nicht weg, aber man wacht dann wenigstens schon in der Stadt auf, in der man spielt, und kann sie vielleicht auch mal anschauen, anstatt nur die Hinterhöfe der Venues zu sehen, in denen man auftritt." Schlagzeuger Eder bringt noch einen anderen Aspekt aufs Tapet: "Für mich ist das Ziel eher, bekannt genug zu sein und so eine stabile Fanszene zu haben, dass wir komplett auf Social Media scheißen könnten. Und schön wäre es auch, von Spotify und Co. weggehen zu können. Das ist mir wichtiger als der Bus, mit dem wir rumfahren."
(Das Gespräch führte Thomas Rieder/APA)
(S E R V I C E - www.instagram.com/leftovers_unofficial/?hl=de )
Die Band Leftovers am Dienstag, 25. August 2026, im Rahmen eines Interviews mit der APA - Austria Presse Agentur in Wien.
