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Ruth Brauer-Kvam wählt für ihre Inszenierungen einen beinahe filmischen Ansatz der schnellen Szenenwechsel und amüsanten Bühneneffekte. Wie eine umgeblätterte Buchseite wechselt der Hintergrund beständig zwischen Burg und Wald, Frühling und Winter. Monika Rovans Bühnenbild erinnert dabei an Scherenschnitte und Schattenspiele, die von Georg Haselböck als Beatboxer und Live-Geräuschmacher akustisch belebt werden.
Vor diesem Hintergrund wächst die kleine Ronja (Hannah Severin), die Tochter des Räuberhauptmanns Mattis (Juergen Maurer), auf und lernt alsbald Birk (Eike Onyambu) kennen, Sohn des mit Mattis verfeindeten Räuberhauptmanns Borka (Daniel Ohlenschläger). Die beiden Kinder schmieden in dieser nordischen Romeo & Julia-Variante Wahlgeschwisterschaft und bringen am Ende so auch die rivalisierenden Familien zusammen. Die Räuber sind nicht die Hellsten, aber alle herzensgute Charaktere trotz ihrer ungehobelten Sitten. Und am Ende obsiegt der Wille zum Frieden untereinander.
Diese kleine Parabel in Form eines Abenteuermärchens erzählt Brauer-Kvam als Theaterstück mit musikalischen Nummern, die wiederum von Kyrre Kvam stammen. Zwischen nordischem Rumpelpop, klassischer Musicalnummer und zartem Terzett hat die neue "Ronja" alles in petto - und auch so manche hübsche Räuberchoreografie. Dabei hat das ab sechs Jahren empfohlene Stück durchaus hie und da gruselige Momente, wenn die Graugnome oder die Wilddruden angreifen. Die kultigen Rumpelwichte ("Wieso denn bloß?") sehen hingegen ein wenig aus wie Riesenspermien.
Die Botschaft und der wilde Freiheitsdrang seiner Hauptfigur zieht auch heute noch, 45 Jahre nach Erscheinen der Vorlage. Der einzige Kritikpunkt an der neuen Wiener "Räubertochter" ist, dass die Dauer mit rund eindreiviertel Stunden ohne Pause für manch junges Theatergeherhirn einen Ticken zu lange ausfällt. Wieso denn bloß?
(Von Martin Fichter-Wöß/APA)
(S E R V I C E - "Ronja Räubertochter" nach Astrid Lindgren für die Bühne bearbeitet von Stephan Lack, Musik von Kyrre Kvam. Musikalische Leitung: Maayan Franco, Regie: Ruth Brauer-Kvam, Bühnenbild: Monika Rovan, Kostüme: Alfred Mayerhofer. Mit Ronja - Hannah Severin, Birk - Eike Onyambu, Mattis - Juergen Maurer, Lovis - Rebecca Nelsen, Glatzen-Per - Reini Moritz, Klein-Klipp - Nicolaus Hagg, Fjosok - Martin Enenkel, Tjegge - Ayaka Koshida, Borka - Daniel Ohlenschläger, Undis - Ursula Pfitzner, Borkabande/Wesen des Waldes - Demi Hubers, James Park, Johannes Brand und Maximilian Klakow, Beatboxer - Georg Haselböck. Weitere Aufführungen am 24. September, am 2.,11., 18., 20. und 30. Oktober, am 30. November, am 8. und 18. Dezember, am 25. Jänner sowie am 7. Februar. www.volksoper.at/produktion/ronja-raubertochter-2026.1017370874.de.html )
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Volksoper Wien/Marco Sommer/Marco Sommer
