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Auch in der mehr als einstündigen Show hielt der gelernte Sopran seine markante Stimme in schwindelerregenden Höhen und wechselte dabei nahtlos zwischen Pop- und Operngesang. Neben ESC-Gewinnerlied "Wasted Love" gab JJ seine markante Gesangsmischung mit neueren Songs wie "Shapeshifter" oder einem Cover von "Somewhere over the Rainbow" zum Besten. Im Saal musste das bunt gemischte Publikum von jung bis alt aber teils langatmig animiert werden.
Zwei Streicher, ein Drummer und ein Keyboard. Auf der Bühne gab es keine Spielereien, das Konzert war ganz auf JJ gerichtet. Während der Performances machte der gebürtige Johannes Pietsch jedenfalls einen authentisch wirkenden Eindruck und betonte gekonnt mit flamboyanten Tanzeinlagen am Mikro seinen Gesang, wobei er mit seiner Gestik besonders die hohen Passagen ohne Text hervorhob. Ein einziger versehentlicher Huster war ihm von den Fans verziehen.
Im Publikum war es aber öfter ruhig, obwohl sich die Mischung aus Techno und Pop für die Location besonders anbot. An fehlender Begeisterung hat es nicht gelegen - die circa 650 Gäste waren gerade beim Applaus übermäßig laut. Viele konzentrierten sich allerdings sehr stark darauf, die Handys in der Luft zu halten, um die Bühne abzufilmen. Das drückte auf die Dynamik. Zumindest mit Ansage konnte der Sänger den Saal gelegentlich zum Winken und Klatschen animieren.
Beim Gesang selbstbewusst, bei den Interaktionen mit dem Publikum war es wiederum etwas holprig. Es hatte zwar eine freundschaftliche Atmosphäre, wenn der Sänger spontan mit "Gesundheit" auf einen Huster vor der Bühne reagierte oder mit einem ironischen "that's life" auf die Enttäuschung der Fans, als er das Ende des Konzerts ankündigte. Allerdings gab es auch ein paar Versprecher und mehrere nicht ganz ausgefeilte Monologe.
Womöglich hätten die Nummern besser verteilt sein können. Denn bei den als Singles bekannten Liedern sangen die Fans deutlich mehr und lauter mit, etwa bei "Unknown", das JJ auch beim diesjährigen ESC in Wien performte. Spätestens bei "Back to Forgetting" war ein großer Teil des Publikums auch abseits vom Abfilmen der Bühne investiert. Allerdings war hier schon das letzte Drittel des Events erreicht.
Zur mitunter besten Synergie des Abends kam es während der Performance von "Haunting Me". Ein Fan in der vordersten Reihe sang lautstark mit und erntete Applaus, als JJ das Mikro ins Publikum hielt. Ohnehin bietet sich der Refrain dieses Songs stark zum Mitsummen an. Dadurch war hier ein Solo des Drummers gut platziert, der der offensichtlich beliebten Nummer noch mehr Abwechslung verpasste.
Als erste Zugabe gab es die neue Single "Not Afraid", dann zum Abschluss "Wasted Love", bei dem die Fans besonders laut mitgröhlten, während sich der Künstler sichtlich gerührt zeigte.
(Von Klaus Kainz/APA)
JJ im Rahmen des Vienna Pride Village anlässlich der 30. Regenbogenparade am Samstag, 13. Juni 2026, in Wien.
