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Als das Projekt seitens der Universität Salzburg und des Stefan Zweig Zentrums an sie herangetragen wurde, habe sich bald herausgestellt, "dass sich meine Adaptation als Problem der Auslese präsentieren würde", schreibt Egger in einem "Werkstattbericht": "Zu viel wird in der autobiografischen Erzählung an Reflexionen zum Zeitgeschehen, an persönlichen Erinnerungen und Begegnungen geschildert, als dass alles Eingang finden könnte, selbst bei einer drastischen Kürzung des Textes. So stellte sich von Beginn an die schwierige Frage: Was muss bleiben, was kann weg?"
Egger hat das Problem auf rund 170 Seiten souverän gelöst. Sie hat das geschilderte Geschehen, in dem Zeit- und Kulturgeschichte mit Anekdoten und essayistischen Betrachtungen zusammenfließen, verdichtet und dabei auch Zweigs nicht gerade comic-kompatible Sprache etwas vereinfacht - und sie hat die untergegangene "Welt von Gestern" mit Sepiatönen unterlegt, die über die einstige Buntheit des Lebens einen melancholischen Schleier der Erinnerung zu legen scheinen.
Ihre eigene Auswahl habe sie nach Beratung mit Klemens Renoldner (der gemeinsam mit Martina Wörgötter ein Nachwort beisteuert) auch durch "wichtige Begegnungen und Freundschaften, wie jene mit Theodor Herzl, Rainer Maria Rilke und Romain Rolland" ergänzt, die ihn als mit den Größen seiner Zeit vertrauten und vernetzten Intellektuellen zeigen. Ein Besuch bei dem Bildhauer Auguste Rodin wird zum humoristischen Intermezzo, Begegnungen mit Sigmund Freud oder Maxim Gorki zeigen den Dichter als Weltbürger, der an die verbindende Kraft des Humanismus glaubt.
An einigen Stellen habe sie Zweig (1881-1942), der naturgemäß mit seinem charakteristischen Schnauzer in der Graphic Novel höchst präsent ist, aus eigener Intention ergänzt oder korrigiert, bekennt Egger. Wo Zweig schildert, weder in Schule noch auf der Universität am eigenen Leib Antisemitismus erfahren zu haben, zeigt sie einen Übergriff von deutschnationalen Corpsstudenten, dass der Autor über seine erste Ehefrau Friderike kein Wort verliert, verwendet sie als bewusste "Leerstelle" seiner Erzählung, die sie mit einem Porträt auf der Titelseite des Kapitels "Heimkehr nach Österreich" konterkariert.
Diese Heimkehr führte ihn nach Kriegsende nach Salzburg. "Freilich war es damals noch nicht die durch ihre Festspiele berühmte (und im Sommer snobistisch sich gebärdende) Rendevous-Stadt der 'Prominenten', sondern ein antiquarisches, schläfriges, romantisches Städtchen am letzten Abhang der Alpen." Zweig erwarb am Kapuzinerberg ein Haus, das Paschinger Schlössl, mit prächtiger Aussicht, doch "unzugänglich für Autos" - was angesichts der Diskussion um die vom jetzigen Besitzer Wolfgang Porsche betriebene und letztlich bewilligte unterirdische Parkgarage samt 500 Meter langen privatem Zufahrtstunnel auf öffentlichem Grund eine aktuelle Pointe erhält.
Doch ehe "in jenen Jahren ein Gast in mein Haus kam und sich dort wohlwollend niederließ, ein Gast, den ich nie erwartet hatte - der Erfolg", finden sich die Zweigs in ihrem stark renovierungsbedürftigen und kaum beheizbaren neuen Heim mit Not und Hunger konfrontiert. Der bald Weltbekannte reiste viel, empfing aber in Salzburg, wo sich mit den Festspielen "quasi die neuzeitlichen Olympischen Spiele der Kunst" etabliert hatten, internationale Prominenz: "Unser Haus auf dem Kapuzinerberg wurde ein europäisches Haus."
Just dieses Haus wird seit kurzem um rund 12,7 Mio. Euro wieder zum Verkauf angeboten. Es gibt von der Universität Salzburg betriebene Initiativen, diese möglicherweise einmalige Chance zu nützen, das Haus anzukaufen und in ein Stefan-Zweig-Museum umzuwandeln. Auch darüber wird bei der Buchpräsentation am 28. Juli im Stefan Zweig Zentrum Salzburg wohl zu reden sein.
(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)
(S E R V I C E - "Stefan Zweigs Die Welt von Gestern", Graphic Novel, gezeichnet und adaptiert von Bettina Egger, mit einem Nachwort von Martina Wörgötter und Klemens Renoldner, Verlag Anton Pustet, 184 Seiten, 28 Euro, Buchpräsentation am Dienstag, 28. Juli, 18.30 Uhr, Stefan Zweig Zentrum Salzburg, Universität Salzburg, Mönchsberg 2 / Edmundsburg, Anmeldungen unter buch@pustet.at)
SALZBURG - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Verlag Anton Pustet
